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Potsdam Sorge um das Schloss-Umfeld in Potsdam
Lokales Potsdam Sorge um das Schloss-Umfeld in Potsdam
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12:35 29.11.2017
Kunsthistoriker André Tomczak vor den Potsdamer Extremen: Landtagsschloss und Hotel Mercure. Quelle: Privat

MAZ: Herr Tomczak, Sie engagieren sich für die Fraktion „Die Andere“, die ja nicht als erklärte Stadtschlossfreunde gelten. Trotzdem referieren Sie in Ihrem Vortrag am Sonntag über das Schloss. Wie kommt's?
André Tomczak: Die Rekonstruktion war Thema meiner Magisterarbeit, die ich 2013 an der TU Berlin eingereicht habe: Zunächst wurde der Weg zur Rekonstruktion kritisch nachgezeichnet. Im zweiten Teil wurden die Wirkungen des Baus auf die Planungen zur Potsdamer Mitte untersucht.

Beim Landtagsbau ist es ja so: Entweder man liebt oder man verdammt ihn. Wie ist das bei Ihnen?
Tomczak: Ich erkenne das erreichte Ergebnis auf jeden Fall an. Die zentrale Motivation war aber, den gegenwärtigen Stadtumbau in der historischen Mitte zu hinterfragen. Ich wollte die Selbstverständlichkeit hinterfragen, mit der der Landtagsbau in Schlossgestalt die Parzelle neu besetzt. Mitunter entsteht ja der Eindruck, das sei das einzig mögliche Ergebnis gewesen.

Woran drohte das Projekt denn zu scheitern?
Tomczak: Das Ganze wurde seit 1990 vorbereitet und es war erklärter Wille der Stadt, das Schloss zu rekonstruieren. Dies zeigt die Machbarkeitsstudie „Wiederaufbau Stadtschloss“ von 2000. Zugleich war ein Neubau am Schlossstandort das Hauptziel für das 1999 beschlossene Sanierungsgebiet.

Aber war das Schloss nicht als moderner Bau geplant?
Tomczak: Eher von Seiten des Landes. Von Seiten der Stadt gab es immer den Willen, das alte Stadtschloss wiederzuerrichten. Sei es als Kongresshotel oder als „Palais Royal“ mit Luxuswohnungen hinter historischer Fassade. Stadtkonservator Andreas Kalesse mahnte 2001, dass so etwas den Ort banalisieren würde. Er argumentierte, dass nur der Landtag den alten Sitz der landesherrlichen Macht neu besetzen dürfe. Auch Stadt und Sanierungsträger teilen bald diese Meinung.

Und das Land war skeptisch?
Tomczak: Ja, in der Landesregierung herrschte damals Unklarheit. Noch gab es auch die Option der Speicherstadt als Landtagsstandort. Zwar beschloss das Land 2001, nach einer dauerhaften Unterbringung zu suchen. Aber erst 2005 gab es den endgültigen Beschluss für den Bau am Alten Markt. Eine wichtige Rolle spielte dabei Platzeck, der als früherer Oberbürgermeister den Willen der Stadt als Ministerpräsident ins Land mitnahm.

Der Landtagsbau wäre dann um ein Haar an der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung gescheitert. Auch die dritte Abstimmmung zum B-Plan wäre geplatzt, wenn die Linken nicht über ihren Schatten gesprungen wären.
Tomczak: Ja, die Linken haben sich ja bekanntlich dafür ein großes Investitionspaket für Schulen zusichern lassen. Aber es gab damals auch Stadtschloss-Befürworter, die dagegen stimmten – einfach weil es die Rekonstruktionsbefürwortern nicht weit genug ging. Damals wurde ja auch Bürgerbefragung zum Schloss durchgeführt. Die Optionen, die zur Wahl standen, waren aber so mangelhaft, dass Saskia Hüneke von den Grünen sogar eine Forsa-Umfrage nachschob. Bei der Bürgerbefragung wäre es sinnvoll gewesen, auch nach der äußeren Gestalt zu fragen.

Sie sagen in Ihrer Arbeit, dass der Bau auch enorme Strahlkraft auf das gesamte Umfeld hatte.
Tomczak: Es ist ganz deutlich, dass es eine Wechselwirkung gab zwischen dem, was auf dem Schlossgrundstück passierte und auf den angrenzenden Flächen. Als 2005 klar wurde, dass die Parzelle neu besetzt wird, leitete die Stadt das Werkstattverfahren Potsdamer Mitte ein. Erst zu diesem Zeitpunkt entwickelte man präzisere Gedanken für das Umfeld.

Also ein Domino-Effekt?
Tomczak: Ja. Es wiederholt sich sogar noch einmal. Als 2007 Plattners Spende für die Rekonstruktion der historischen Fassade kommt, folgte 2010 das integrierte Leitbautenkonzept mit weiteren Rekonstruktionsvorgaben, an dem Vertreter der BI „Mitteschön“ direkt mitgewirkt haben.

Was ist das Fazit Ihrer Arbeit?
Tomczak: Der Landtagsneubau war die wichtigste Bauaufgabe der letzten 20 Jahre in Potsdam. Durch ihn hat sich die ganze städtebauliche Situation der alten Mitte grundlegend verändert und es wurden Räume neu geschaffen. Der Alte Markt ist wieder ein Stadtraum. Dazu hätte es vielleicht nicht die historischen Fassaden gebraucht. Der der Baukörper zeigt aber, welch zentrale Bedeutung das alte Schloss für Potsdam hatte.

Das klingt ja geradezu schwärmerisch. Note eins fürs Stadtschloss also?
Tomczak: Dafür lief die Planung zu undemokratisch ab. Wichtig ist, wie es jetzt weitergeht: Die Planung im Bereich von Fachhochschule und Staudenhof wird zur Kahlschlagsanierung. Das FH-Gebäude stellt eine bedeutende gesellschaftliche Ressource dar: als öffentliches Gebäude auf öffentlichem Grund mit einer brauchbaren Konstruktion, die sicher noch 60 Jahre hält und beliebig umgebaut werden kann. Das soll nun ohne Not abgerissen und privatisiert werden. 150 Grundstücke werden dann Haus für Haus bebaut. Das ist unumkehrbar und nicht nachhaltig.

Aber dadurch fließt Geld in die Stadtkasse.
Tomczak: Der Abriss kostet immens viel, es entstehen Kosten für die archäologischen Untersuchungen. Ich wage zu bezweifeln, dass die Verkäufe dann noch so viel Geld reinbringen.

Fachhochschule und Staudenhof sollen also stehenbleiben?
Tomczak: Warum nicht? Eine Gefahr ist, dass der ganze Bereich sonst eine ewige Baustelle wird. Hier darf keine Kahlschlagsanierung stattfinden. Auch die Grünanlage Staudenhof hat noch einen Rest ihrer früheren Qualität. Das Ensemble hat mittlerweile auch einen Alterswert und ist ein Teil der Stadtidentität.

Warum prallen in Potsdam die Meinung zur Stadtgestaltung immer so unversöhnlich aufeinander?
Tomczak: Schwierig. Das Bild der „alten Stadt“ ist natürlich plausibel. Sie war nicht umsonst Gesamtkunstwerk. Aber es gab auch neuere Entwicklungen seit 60, 70 Jahren. Potsdam ist keine Garnison mehr, sondern Wissenschaftsstadt. Gerade auch im Zentrum besteht die Möglichkeit, sich als Stadt des 21. Jahrhunderts aufzustellen. Der Konflikt rührt meiner Ansicht nach daher, dass bei Rekonstruktionen die Form nicht verhandelbar ist. Da gibt es dann wie bei der Garnisonkirchkeine Spielräume für Veränderung. Auch die Vehemenz, mit der Rekonstruktionen eingefordert werden, sorgt für Spannungen.
Umgekehrt sind aber auch die Kritiker ziemlich vehement. Kann es da je Konsens geben?
Tomczak: Dafür wäre meines Erachtens. eine öffentliche Diskussion nötig, bei der die möglichen Inhalte und Funktionen von „Stadt“ im Vordergrund stehen

Mitbegründer und Sprecher der Kulturlobby

  • Der Vortrag von André Tomczak ist am 22. Februar um 18 Uhr Am Kanal 57. Der Titel der Magisterarbeit, auf der der Vortrag fußt, lautet: „Von der Kritischen Rekonstruktion zur ,Mitteschön!’ Die Fassadenrekonstruktion des Stadtschlosses im Diskurs der Potsdamer Mitte.“ Tomczak hat ein Magisterstudium Kunstgeschichte / Stadt- und Regionalplanung / Architektur- und Planungssoziologie an der TU Berlin absolviert.
  • André Tomczak ist Mitbegründer und Sprecher der Initiative Kulturlobby. Er lebt seit 2009 in Potsdam. Für die Wählergruppe „Die Andere“ sitzt er als sachkundiger Einwohner im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr. Er ist stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Wählergruppe.

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