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Potsdam Biber müssen aus Sanssouci ausziehen
Lokales Potsdam Biber müssen aus Sanssouci ausziehen
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20:29 21.02.2018
Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg will eine Biberfamilie aus dem Park Sanssouci an den Großen Seddiner See umsiedeln. Quelle: DPA
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Potsdam/Seddiner See

Einen nicht alltäglichen Zuzug erwartet die Gemeinde Seddiner See in naher Zukunft. Eine Biberfamilie soll sich am gleichnamigen Gewässer ansiedeln. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) Berlin-Brandenburg hat in der Gemeindeverwaltung angefragt, ob diese als Eigentümerin des Sees an seinem Ufer vier Nager aus dem Park Sanssouci aufnehmen würde. Bürgermeister Axel Zinke (parteilos) hat nichts gegen die neuen Einwohner einzuwenden, auch wenn sie keine Steuern zahlen werden.

Über den Schafgraben in Potsdam war 2011 zunächst ein Biber in den Park Sanssouci eingewandert und hatte sich am Maschinenteich niedergelassen. Später gründete er eine Familie und plagt mit ihr seitdem die Schlösserstiftung. Nach deren Angaben haben die vormals fünf bis sieben Tiere allein in den vergangenen drei Jahren Schäden in Höhe von mehr als 100 000 Euro an Bäumen, Sträuchern und sonstiger, teils 300 Jahre alter Vegetation im Park angerichtet.

Hohlräume in den Uferbereichen sind Sicherheitsrisiko für Besucher

Mit Ästen und Schlamm stauten sie Parkgewässer, so dass Wiesen überflutet wurden. Die schwankenden Wasserstände gefährden Gebäude wie die Römischen Bäder, die Meierei am Kuhtor oder das Chinesische Haus. Sie alle stehen auf Holzpfählen und brauchen ein gleichbleibendes Wasserniveau im Untergrund. Durch den Bau von Biberburgen sind ganze Uferbereiche im Park unterhöhlt und damit ein Sicherheitsrisiko für die Parkbesucher. Im vorigen Herbst ließ die Schlösserstiftung die Familie einfangen und am Templiner See aussetzen. Dort gefiel es den Bibern aber nicht. Schon nach wenigen Tagen eroberten vier Nager ihr altes Revier zurück.

Der Immobilienmarkt für sie ist allerdings fast gesättigt. Die lukrativen Sitze im Land Brandenburg sind alle besetzt, sagt Biberberater Burghardt Sell. Er kennt die Pelztiere in und um Potsdam genau. „Der Nachwuchs wird sich an suboptimale Bereiche gewöhnen müssen.“ Auch der Seddiner See ist kein Schlaraffenland. Das stehende Gewässer hat keinen Zugang zum Wasserstraßennetz, der für das Abwandern der Jungtiere sehr wichtig ist. An seinen Ufern wachsen meist nur Erlen. Die nimmt der Biber jedoch lieber zum Bauen statt zum Fressen. „Aber ohne ausreichende Nahrung ist der Biber ganz schlecht drauf. Dann klappt’s auch nicht mit der Population“, meint Sell. Die Seddiner müssen also nicht befürchten, dass sich der Nager massiv vermehrt. Sollte ihm der neue Standort nicht schmecken, sucht er sich ohnehin einen anderen Platz, so der Biberexperte.

Auch der Große Seddiner See in der gleichnamigen Gemeinde ist für die Biber nicht gerade ein Schlaraffenland. Quelle: Bernd Gartenschläger

Bis vor einem Jahr hatte der Seddiner See schon einmal einen Biber. Woran dieser starb, ist nicht bekannt. Seine Burg unterhalb der Heimvolkshochschule ist noch erhalten. Sie könnte von den neuen Artgenossen nachgenutzt werden, bietet Bürgermeister Zinke an. Sollte ihnen der Altbau nicht gefallen, könnten sich die Biber auch in der Nachbarschaft neu einrichten. Ein Baugenehmigungsverfahren muss die Gemeinde deswegen nicht einleiten, versichert Zinke.

Ob und wann genau Familie Biber an den Seddiner See ziehen wird, steht allerdings noch nicht endgültig fest. Bis zum März wird die Schlösserstiftung den Umzug nicht mehr organisieren können, heißt es. Danach ist das Reisen allerdings wegen der Trächtigkeit der Weibchen bis in den Herbst hinein erst einmal tabu. Frühestens ab September dieses Jahres könnten die vier Biber ihren neuen Landsitz mit Seeblick beziehen.

Je weniger Nahrung, desto größer das Revier

Die Schlösserstiftung will im Bereich südlich des Maschinenteichs im Park Sanssouci einen Sicherheitszaun gegen die Neueinwanderung von Bibern bauen. Bereits vorhandene Zäune sollen biberdicht verstärkt werden.

Der Bibernachwuchs bleibt zwei Jahre lang bei den Eltern. Dann wandert er ab und sucht sich einen eigenen Sitz.

Den Seddiner See hat die Untere Naturschutzbehörde Potsdam-Mittelmark ihren Kollegen in Potsdam empfohlen. Der See sei groß genug für eine Ansiedlung, derzeit nicht von einem anderen Biber bewohnt und weit genug vom Potsdamer Revier entfernt, heißt es zur Begründung.

Je weniger Nahrung der Biber an einem Platz findet, um so weiter zieht er sein Revier, sagt Potsdams Biberberater Burghardt Sell.

An der Nuthe zwischen dem Gelände der MAZ und der Bahnstrecke hat Sell schon einmal elf Biber gezählt.

In Potsdam und in der Umgebung soll es nach Angaben des Biberberaters etwa zwölf Reviere der Nager geben.

Von Heinz Helwig

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