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Potsdam Missbrauchsskandal: Bistum reagiert auf Anklage
Lokales Potsdam Missbrauchsskandal: Bistum reagiert auf Anklage
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00:17 16.03.2014
Quelle: dpa
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Potsdam

Nach jahrelangem Schweigen machte Lüttke den Vorfall kürzlich öffentlich. Sein Wunsch ist ein persönliches Gespräch mit Rainer Maria Kardinal Woelki, der bislang nur einmal brieflich Kontakt zu ihm aufgenommen hat. "Wir nehmen es ernst", sagte Bistumssprecher Stefan Förner gestern. Woelki werde sich nach seiner Rückkehr von der Bischofskonferenz "dazu verhalten und in jedem Fall darauf antworten".

Lüttke, der aus einem Dorf im Potsdamer Norden stammt, hatte sich darüber empört, dass der damalige Täter M. trotz seines Schuldeingeständnisses offiziell immer noch als unbescholtener Geistlicher gilt. Von seiner Tätigkeit als Pfarrer der Herz-Jesu-Gemeinde in Berlin-Tegel zog sich M. laut einer öffentlichen Mitteilung aus gesundheitlichen Gründen zurück. Die Missbrauchsvorwürfe blieben unerwähnt.

Im Gemeindebüro von St. Peter und Paul am Bassinplatz, wo M. seinerzeit mehrere Jahre als Kaplan tätig war, wollte am Donnerstag niemand den MAZ-Bericht über die Tat kommentieren.

"Ein Täter ist ein Stück weit Opfer seiner selbst"

Doch es gibt durchaus auch Gemeindemitglieder, die zu einer Stellungnahme bereit sind. Diplomtheologin Annette Edenhofer kennt Pfarrer M. von Gremiensitzungen im Bistum: "Er hatte einen guten Ruf; galt als zupackend."

Edenhofer plädiert für einen umsichtigen Opferschutz, aber auch Fairness dem Täter gegenüber. "Viele zeigen mit dem Finger auf ihn und ziehen Befriedigung aus ihrer vermeintlichen moralischen Überlegenheit. Dabei ist der Täter ein Stück weit auch Opfer seiner selbst und dennoch verantwortlich." Beispielhaft für den Umgang sei ein Projekt an der Charité, wo Pädophile betreut werden.

Die zahlreichen bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in den eigenen Reihen überschatten die katholische Kirche seit langem. Gestern beschlossen die Bischöfe, die sexuellen Übergriffe von Priestern und anderen Geistlichen an Minderjährigen von 1945 bis heute in einem Forschungsprojekt analysieren zu lassen, um künftig Missbrauch zu verhindern.

„Narben bleiben immer“

Annelie Dunand, Leiterin des SozialTherapeutischen Instituts Berlin-Brandenburg (Stibb) in Kleinmachnow, betreut mit ihrem Team auch Opfer von sexuellem Missbrauch.
MAZ: Stefan Lüttke hat sich erst jetzt nach seinem Missbrauch, der 1997 passierte, an die Öffentlichkeit gewagt. Ist das die Regel, dass so viel Zeit verstreicht?

Annelie Dunand: Meist brauchen die Opfer lange, um sich zu öffnen. Oft ist es so, dass sie erst ihr Schweigen brechen, wenn sie andere Kinder oder Jugendliche bedroht sehen. Ein Missbrauchsopfer setzt sich vielfach eher für das Geschwisterkind ein, dem vom gleichen Täter Gefahr droht, als für sich selbst.
Warum vertrauen Opfer ihr Leid nicht gleich jemandem an?

Dunand: Die Scham ist meist sehr hoch. Viele fragen sich auch, ob sie nicht möglicherweise selbst irgendetwas falsch gemacht haben: Warum hat der Täter ausgerechnet mich ausgesucht? Trage ich selbst Schuld an den Vorfällen? Zudem sind gerade Priester meist hochgeachtete Personen. Das Opfer zweifelt daran, mit den Anschuldigungen überhaupt ernst genommen zu werden, was auch häufig zutrifft.
Sind die seelischen Wunden des Missbrauchs je heilbar?

Dunand: Narben bleiben immer. Oft war mit dem Missbrauch ja aus der Sicht der Opfer ein massiver Vertrauensbruch verbunden, weil es sich bei den Tätern um Vertrauenspersonen handelte. In der Therapie geht es auch darum, wieder Vertrauen aufzubauen.

Raten Sie den Opfern dazu, den Tätern zu vergeben, um den Heilungsprozess zu erleichtern?

 Dunand: Bevor ein Vergeben möglich wird, muss es aus unserer Erfahrung erst ein Eingeständnis des Beschuldigten geben. Erst dann wird das Thema Verzeihen aktuell.

Von Ildiko Röd

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