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Schlaatz und Innenstadt erhalten Biotonnen

Potsdam erweitert Pilotprojekt – Die Pflicht kommt ab 2016 Schlaatz und Innenstadt erhalten Biotonnen

Die Stadt Potsdam weitet ihr Pilotprojekt mit der Biotonne aus. Noch dieses Jahr wird die braune Tonne für kompostierbare Abfälle im Schlaatz und in der City eingeführt. Sie soll ab 2016 Pflicht in der gesamten Landeshauptstadt sein.

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Potsdam. Im Schlaatz und in der Innenstadt werden noch in diesem Jahr Biotonnen eingeführt, teilte die Stadtverwaltung am Dienstag mit. Schon seit einem Jahr nutzen die Bewohner von Potsdam-West die Extra-Tonnen für kompostierbaren Abfall, zunächst noch kostenlos.

Leider habe sich gezeigt, dass die dabei gewonnenen Erkenntnisse noch nicht ausreichten, um ein Konzept für die gesamte Stadt zu finden, sagte Ordnungsamtsleiterin Marina Kluge. Insbesondere sei der Biomüllanteil im Restmüll noch viel zu hoch. Etwa 64 Prozent des Inhalts der Restmülltonnen gehörte eigentlich in die Biotonne, so Kluge. "Bioabfall ist kein Restabfall, sondern ein Wertstoff", betonte die Ordnungsamts-Chefin, "der auf speziellen Deponien kompostiert und somit der Erde wieder zugeführt wird". Eigenheimbesitzer indes füllten die Biotonnen bevorzugt mit Rasen- und Grünschnitt und entsorgten Küchenabfälle weiterhin mit dem Restmüll - schon aus Geruchsgründen. Junge Menschen wie Studenten indes, die eher Fertiggerichte zu sich nehmen, entsorgen die Essensreste gleich mit der Verpackung im Restmüll, im Gegensatz zu jungen Familien, wo viel selbst gekocht würde. Obwohl in der ersten Testphase Menschen mit einer eigenen Kompostanlage vom "Anschlusszwang" ausgenommen waren, zeigte sich, dass auch diese weiterhin Küchenabfälle in den Restmüll werfen, weil sie auf ihrem Kompost keine Tiere anlocken wollten. Singles schließlich, die in kleinen Wohnungen im Geschosswohnungsbau lebten, hätten oft gar nicht den Platz in der Küche, um den Biomüll zu sammeln und müssten dann theoretisch nach jedem Kochen zur Biomülltonne herunterlaufen, fasste Kluge die ersten Erkenntnisse zusammen.

Eigentlich war Potsdam-West als Testgebiet erkoren worden, weil dort eine gute Mischung aus Einfamilienhäusern und Geschosswohnungsbau, Jung und Alt, Familien und Singles lebt - rund 6000 Bewohner in 3000 Haushalten. Für die Zukunft kommen nun noch der Schlaatz ab September und die Innenstadt ab November hinzu. In diesen Bezirken ergäben sich ganz andere Fragen, weil im Schlaatz mehr Singles lebten und in der Innenstadt oft der Platz für eine zusätzliche Tonne in den Müllabstellanlagen knapp sei. Noch in den kommenden Tagen werden die Bewohner am Schlaatz angeschrieben und auf die neuen Tonnen vorbereitet. Ein endgültiges Ergebnis, das dann auch in eine Beschlussvorlage für die Stadtverordneten mündet, erwartet Kluge im Mai 2015. Spätestens ab dem 1. Januar 2016 soll die Biotonne dann flächendeckend und verpflichtend vor allen Haustüren stehen. Ab 2015 schreibt zwar die Europäische Union eine Pflicht zur Einführung dieser Tonnen vor, doch habe das Land bereits signalisiert, dass man großzügige Übergangsfristen von zwei bis drei Jahren gewähre. "Chronische Hektik" halte sie daher auch für übertrieben, sagte Marina Kluge, durch den Pilotversuch in drei Stadtteilen sei Potsdam landesweit schon im oberen Drittel der Kommunen bei der Einführung. Künftig werden mit den beiden weiteren Stadtteilen 20.000 Einwohner in 14000 Haushalten mit der Biotonne versorgt.

Was die zusätzliche, verpflichtende Entsorgung dieser Tonnen am Ende den Bürger kosten werde, konnte Marina Kluge noch nicht sagen. Zu den Kosten für die Tonnen kämen die Touren der Stadtentsorgung, die Frage nach den Abholrhythmen und das Ergebnis einer Ausschreibung, auf welche Deponie man den Bioabfall zur Kompostierung fahren könne. Deshalb wollte die Stadt nicht einmal eine Prognose wagen. Offen ist auch noch die Frage, wie man in den nördlichen Ortsteilen mit ihrer eher dörflichen Struktur umgehe. Dort wäre es noch denkbar, die Biotonne als Option, aber nicht als Pflicht anzubieten, weil fast jeder eine Kompostanlage habe.

In jedem Fall komme es darauf an, die Öffentlichkeit besser zu informieren, was in die Biotonne gehöre, betonte Marina Kluge. Denn solange die Abfallauswertungen so viel Bio im Restmüll fänden, sei die Tonne noch wenig sinnvoll.

Zuviel Bio im Restmüll

  • 246 Tonnen Bioabfälle sammelten die Bewohner von Potsdam-West in der bislang einjährigen Pilotphase in den speziellen Tonnen.
  • Das macht etwa 45 Kilogramm je Einwohner – auf ein Jahr gerechnet ist das ziemlich wenig.
  • Die städtischen Müllexperten waren daher auch wenig überrascht, dass bei einer Untersuchung in den Restmüll-Tonnen ein Biomüllanteil von mehr als 63 Prozent zu finden war.

Von Jan Bosschaart

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