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00:31 31.05.2018
Coworking Spaces sind ein Treffpunkt für Gründer – auch in Potsdam gibt es bereits einige dieser Gemeinschaftsbüros. Quelle: dpa
Potsdam

„Zu allem Großen ist der erste Schritt Mut“, sagte der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe einst. Wer ein Unternehmen gründet, lernt schnell den Wahrheitsgehalt dieser Aussage aus vergangenen Tagen kennen: Ohne Mut, Engagement und Durchhaltevermögen glückt die Unternehmensgründung nicht.

Ein Potsdamer mit einer Geschäftsidee ist aber nie allein - es gibt zahlreiche Hilfsangebote: „Held werden“, titelt etwa die Brandenburger Gründungswerkstatt Enterprise ihr Unterstützungsangebot für Gründungswillige, die Fachhochschulen bieten ihren Absolventen individuelle Beratungsangebote an und mit ein bisschen Eigeninitiative finden sich über Crowdfounding-Plattformen erste Investoren.

Potsdam ist in der wissenschaftlichen und kreativen Branche gut aufgestellt und bringt Jahr für Jahr neue Start-ups auf den Markt. Einige bleiben in der Stadt, andere ziehen in die große weite Welt und prägen überregional Wirtschaft und Kreativszene. Im Vorfeld des Potsdamer Gründertags der IHK haben wir mit drei von ihnen über Herausforderungen, Veränderungen und Ziele gesprochen.

Wie wurden Sie zum Gründer?

Danielle Gericke: Ich bin da ehrlich gesagt so reingerutscht. Um meine Ausbildung zur Erzieherin und das anschließende Studium finanzieren zu können, habe ich mit 29 Jahren angefangen, gemeinsam mit meinem Mann Ferienwohnungen zu vermieten. Nachdem ich dann meine Bachelor-Arbeit veröffentlichte, kamen immer mehr Menschen auf mich zu, die mehr über das Thema Wechselmodell bei Trennungen wissen wollten. So hat sich das mit der Familienberatung nach und nach entwickelt.

Christopher De la Garza: Ich war Zivi am Theater, habe als Handelsvertreter meine Brötchen verdient und nach meiner Ausbildung zum Mediengestalter zwei Semester Architektur studiert - jeder Schritt in meinem Leben hat mich schließlich dahin geführt, wo ich jetzt bin. Das Hamsterrad eines Angestellten oder Selbstständigen war für mich langfristig gesehen nie eine Option. Ich möchte etwas bewegen in der Welt.

Markus Legiehn: Nach meinem Architekturstudium in Potsdam habe ich zehn Jahre lang für ein Architekturbüro am Wannsee gearbeitet. Als sich das auflöste, habe ich mich schließlich für ein eigenes Unternehmen entschieden und bin zurück nach Potsdam gekommen.

Danielle Gericke ist ausgebildete Familientherapeutin und hat an der Fachhochschule Potsdam Soziale Arbeit studiert. Vor kurzem hat sie außerdem ihre Ausbildung zur Heilpraktikerin abgeschlossen. Gemeinsam mit ihrem Mann Mario Gericke, führt die gebürtige Potsdamerin das „Fritz Aparthotel“ in Babelsberg. „Wir mögen es einfach sehr gerne, neue Dinge aufzubauen oder entstehen zu lassen. Mein Mann hat noch viele bunte Murmeln im Kopf. Das Hotel war auch eine dieser spontanen Entscheidungen“, sagt die Mittvierzigerin. Seit 2014 bietet Danielle in den Räumen des Hotels die Familienberatung an. Derzeit nehmen hauptsächlich Menschen ihre Hilfe in Anspruch, die sich unmittelbar vor, in oder kurz nach einer Trennung befinden und etwas zum Wechselmodell in dieser Lebensphase erfahren möchten. Ihre Gelassenheit und die erfolgreichen Gründungen verdankt sie ihren Genen: „Dieses „Einfach Machen“ habe ich sicher von meiner Oma. Es gab faktisch wirklich nichts, was sie nicht konnte: sie war Schneiderein, hatte Tiere und Landwirtschaft und hat neben einer Kneipe auch ihre fünf Kinder und gefühlt 70 Enkelkinder im Griff gehabt.“ . Quelle: Stine Photography

Welche Hürden hatten Sie zu meistern?

Danielle Gericke: Es gab keine Hürden von außerhalb - aber viele Blockaden in meinem Kopf. Manche davon konnte ich durch meine Ausbildung zur Systemischen Therapeutin und Familientherapeutin mittlerweile ablegen, einige sind hilfreich, die können bleiben. An manchen arbeite ich noch. Zum Beispiel habe ich mir vorgenommen, in Zukunft anstatt einfach zu machen, vielleicht doch mal eine Nacht über eine Entscheidung zu schlafen.

Christopher De la Garza: Ich habe letztes Jahr einen herben Rückschlag erlitten: 1000 Euro auf dem Konto, 20.000 Euro Schulden und sehr viele Versprechen, die noch einzulösen waren, kurz, ich war am Boden. Aber ich sah es als Ausbildung, lernte aus meinen Fehlern, wie der zu raschen Expansion meines Unternehmens. Mit einem Coach an meiner Seite lernte ich schließlich, das Wiesel namens Aufschieben in meinem Zauberwald (Kopf) zu zähmen, so dass ich effektiver arbeiten kann.

Markus Legiehn: Dank des Kundenstammes, den ich mir während der zehn Jahre am Wannsee aufgebaut habe, hatte ich einen recht angenehmen Start. Ein Kaltstart direkt nach dem Studium wäre aber nicht einfach gewesen, weil das nötige Netzwerk dann in der Regel noch fehlt. Die Hürden begegnen uns eher im Alltäglichen: Gerade sind wir in der Planung für ein Hospiz, da gibt es jede Menge bürokratische Hindernisse zu meistern.

Christopher De la Garza ist digitaler Unternehmensgestalter und berät seine Kunden in der individuellen Präsentation ihres Unternehmens im Internet. Der ausgebildete Mediengestalter hat zwei Semester Architektur an der Fachhochschule Potsdam studiert – das war ihm dann aber doch zu genau und zu wenig kreativ. Der 29-Jährige titelt auf seiner Homepage „Think Big“ und setzt seinen Leitspruch für sich und seine Kunden um. Er hat sich mittlerweile ein weltweites Netzwerk aufgebaut und bietet gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Individuelle Beratung, Videoproduktion und Homepage-Aufbau. „Ich genieße die Freiheit und möchte mit meinen Kunden neue Projekte groß rausbringen“, sagt der junge Potsdamer, der bereits Projekte mit Pelikan, Nike und anderen bekannten Unternehmen realisieren konnte. Sein großer Traum? Elon Musk treffen – und das schon im kommenden Jahr. „Die Anfrage ist bereits gestellt, ich bin zuversichtlich – Musk wird 2019 zu uns nach Berlin kommen.“ Quelle: privat

Was ist das Schönste an der Selbstständigkeit?

Danielle Gericke: Die freie Zeiteinteilung ist sehr angenehm. Ich mache genau das, was ich möchte. Das Tollste an meinem Job ist, dass ich Neugierig sein darf. Ich erfahre so viel über das Leben anderer Menschen und kann jede noch so schwierige oder ungewöhnliche Frage stellen. Immer in der Hoffnung, dem Mensch damit am Ende helfen zu können.

Christopher De la Garza: Die Arbeit mit inspirierenden Menschen begeistert mich jedes Mal aufs Neue. Mittlerweile kann ich mir die Projekte aussuchen, die ich mache - also nehme ich auch nur Kunden an, hinter deren Idee ich zu 100 Prozent stehe. Nur wer sein eigener Chef ist, kann seiner Kreativität freien Lauf lassen, seine Leidenschaft ausleben und damit Neues schaffen. Diese Freiheit sollte es für jeden geben, der sich das wünscht.

Markus Legiehn: Es war mir schon immer sehr wichtig, so selbstbestimmt wie möglich zu sein. Die Selbstständigkeit war somit ein logischer Schritt. Gemeinsam mit meinen Mitarbeitern kann ich so Projekte realisieren, die mir am Herzen liegen, und das bei weitestgehend freier Zeiteinteilung.

Markus Legiehn hat in Potsdam seine Leidenschaft für das Bauwesen entdeckt. Nach seinem Architekturstudium und einer zehnjährigen Angestelltentätigkeit entwirft er nun mit seinem siebenköpfigen Team Grundrisse für den Gesundheitsbereich, darunter vor allem Krankenhäuser und Hospize. „Dabei versuchen wir bei jedem neuen Projekt, das bestmögliche Ergebnis für den sensiblen Lebensbereich zu finden, dem das Gebäude letztlich dienen soll“, sagt Legiehn. Das bringe eine Menge Herausforderungen mit sich – die Ideale, die am Anfang eines jeden Bauvorhabens stehen, würden oft durch Bürokratisches zunichte gemacht. Dadurch dauere es rund sieben Jahre von der Idee bis zum fertigen Krankenhaus. „Geduld ist das Geheimrezept eines jeden Architekten“, ist sich Legiehn sicher, „und Kommunikation, denn jeder Schritt muss gut abgestimmt werden.“ Quelle: privat

Gibt es auch Nachteile?

Danielle Gericke: Mir fällt so auf Anhieb tatsächlich nichts ein, ich liebe das, was ich tue. Dass es Mut braucht, um ein Unternehmen zu gründen war mir zum Beispiel so nicht bewusst - ich habe es einfach gemacht, für mich ist das gut so.

Christopher De la Garza: Es spielt halt immer ein Risiko mit, das ist aber ganz klar. Aber wer dieses Risiko zu händeln weiß und sich keine Sorgen macht, der hat gute Chancen, etwas aus seiner Idee zu machen.

Markus Legiehn: Es ist sehr viel schwerer, plötzlich der Chef zu sein, als ich anfangs dachte. Auch fünf Jahre nach der Gründung arbeite ich noch täglich daran, genau der Chef zu sein, den ich mir als Angestellter gewünscht hätte. Außerdem muss man als Gründer wissen, dass die eigentliche Arbeit, also der Grund für den Schritt ins eigene Unternehmen, meistens andere machen und man als Unternehmensführer mit Bürokratie und Koordination konfrontiert wird. Ich musste mir sehr viel selbst beibringen.

Welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesetzt?

Danielle Gericke: Zur Zeit fiebere ich einer Ausbildung zur Sexualtherapeutin entgegen. Die Chancen stehen ganz gut, ich stehe auf Wartelistenplatz zwei bei der Top-Adresse für diese Ausbildung in Berlin: im isiberlin mit Ullrich Clement. Also Daumen drücken! Ansonsten haben mein Mann und ich uns aber vorgenommen, in Zukunft weniger zu arbeiten und mehr Zeit mit unserer Familie zu verbringen.

Christopher De la Garza: Finanzielle Unabhängigkeit steht ganz oben auf der Liste. Ich wünsche mir für mich und meine Kunden, dass wir von überall auf der Welt zeitunabhängig die Projekte verwirklichen können, die uns auf der Seele brennen. Das ist ein hohes Ziel, aber ich bin davon überzeugt: Nur wer groß denkt, kann Großes erreichen.

Markus Legiehn: Auf jeden Fall mehr Zeit für mich und meine Familie. Wenn ich so an die letzten 15 Jahre zurückdenke, kann ich mich vor allem daran erinnern, dass ich gearbeitet habe. Deshalb möchte ich meine Frau und meine zwei Kinder wieder mehr in den Fokus stellen. Und Zeit für mich, denn wenn es mir nicht gut geht, dann ist meine Arbeit auch nicht gut.

Und Ihre Tipps für Gründungswillige?

Danielle Gericke: Ratschläge gebe ich sehr ungern, denn eigentlich weiß es jeder Mensch eigentlich auch von selbst. Ich kenne höchsten meinen richtigen Weg und den möchte ich anderen Menschen nicht aufdrängen. Wichtig ist nur: Auf das eigene Bauchgefühl hören.

Christopher De la Garza: Sorgt dafür, dass die Menschen euch gern haben. Das Netzwerk ist der Grundstein jedes erfolgreichen Unternehmens. Niemand wird erfolgreich, weil er gut ist, sondern weil die Menschen sich für ihn aussprechen und ihn weiterempfehlen. Gerade in Zeiten der Digitalisierung wird das immer wichtiger. Also überlegt euch, womit ihr eure Kunden bereichern könnt und dann geht raus und zeigt, was ihr könnt.

Markus Legiehn: Was ich da genau raten würde, weiß ich ehrlich gesagt nicht so genau, jeder muss seinen eigenen Weg finden. Aber: den kann niemand allein gehen, man braucht ein gutes Netzwerk. Auf jeden Fall wäre ich stolz, wenn meine Kinder irgendwann auch den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, denn das sagt viel über den Charakter aus.

Zahlreiche Hilfsangebote für Gründer

Rund 3500 junge Menschen studieren derzeit an der Filmuniversität und der Fachhochschule Potsdam, etwa 100 von ihnen nehmen jährlich den hochschulinternen Gründungsservice ZETUP wahr und starten in die Selbstständigkeit.

Enrico Sass, Leiter des Gründungsservices, sieht jedoch eine leicht sinkende Tendenz in der Anzahl der Gründungen von Abgängern: „Die Studierenden wagen den Schritt in die Selbstständigkeit bewusster, da der Arbeitsmarkt auch gute Möglichkeiten für eine Festanstellung bietet.“

Neben Angeboten der Hochschulen gibt es auch unterschiedliche Beratungsstellen die von Stadt und Bund gefördert werden. Alle gemeinsam stellen sich am Dienstag, 29. Mai 2018, zum Gründertag in den Räumen der IHK Potsdam vor. Von 9 bis 17.30 Uhr gibt es dann die Möglichkeit, sich vor Ort mit den unterschiedlichen Angeboten vertraut zu machen und erste wichtige Kontakte zu knüpfen. Auch Gründer werden vor Ort sein und über ihren Weg zur Selbstständigkeit reden.

Von Leonie Zimmermann

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