Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Kahlschlag in Drewitz unabwendbar
Lokales Potsdam Kahlschlag in Drewitz unabwendbar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:44 23.08.2014
Der frühere Stahnsdorfer Südwestkirchof-Gärtner Gerhard Petzholtz (li.) will eine Ausästung der Eschen, die Erneuerung ihres Pflanzbodens und bessere Wässerung. Grünflächenamtsleiter Herbert Claes (2.v.r.) und Mitarbeiter Lars Severin (r.) wollen eine Neubepflanzung des Platzes. Quelle: Christel Köster
Anzeige
Drewitz

Am Ernst-Busch-Platz sind 57 erst 15 Jahre alte Eschen todgeweiht; gepflanzt wurden sie einst übereilt in verfestigten Bauschutt aus der Entstehungszeit des Neubaugebietes und später so schlecht gepflegt, dass die Kronen von 40 Bäumen hoffnungslos vertrocknet und beim Rest die Stämme stark geschädigt sind. Drei Eschen sind bereits gefällt worden. Drei weitere gelten als lebensfähig, doch sollen nach Plänen des Grünflächenamtes alle Eschen gefällt und durch 50 Ulmen an drei Platzseiten und sieben Platanen an der Straßenbahnlinie ersetzt werden.

Nach Angaben von Grünflächenamtsleiter Herbert Claes wird mit Kosten von rund 1000 Euro je neuer Baum gerechnet. Darin enthalten sind nur etwa 200 Euro für den eigentlichen Baum, der mit einer Höhe von fünf Metern und einem Stammumfang von 16 bis 18 Zentimetern (gemessen in 1,30 Meter Höhe) in einen völlig neu hergestellten Pflanztrichter gesetzt wird. Sachbearbeiter Lars Severin versicherte den aufgebrachten Drewitzern und einigen Vertretern politischer Parteien, man werde pro Baum mehrere Kubikmeter Boden austauschen und ein bewährtes Erdgemisch einbringen, das gutes Wachstum verspricht. Es gebe an mehreren Stellen in Potsdam positive Erfahrungen mit Ulmen, die hier als sehr widerstandsfähige Baumschulzüchtung eingesetzt werden soll, mit der Trockenbeständigkeit als wichtigster Eigenschaft.

Claes und Severin erklärten sich für unschuldig für die Fehler der Vergangenheit an diesem Standort. Der Boden sei hier in der Bauzeit des Viertels von 1985 bis 1991 eineinhalb bis zwei Meter aufgeschüttet worden, um ein gleiches Niveau für alle Plattenbauten des Kiezes zu bekommen; dabei sei viel Bauschutt verfüllt worden. Die Bäume hätten in diesem Untergrund fast keinen Kontakt zum natürlichen Boden. Nach der Pflanzung sei der Boden zudem im Stammbereich durch Fußgänger stark verdichtet und offenbar zu wenig für eine effektive Wässerung getan worden.

Mehrere Bürger wüschten sich, die vorhandenen Bäume auszuästen und durch Bodenaustausch zu retten, doch wehrte Claes das als unpraktikabel ab, weil man damit den Wurzelbereich der Bäume zu stark schädige. Dass die Kronen vertrocknen, zeige, dass der Baum es nicht schafft, Wasser in so große Höhen zu ziehen. "Das ist", so Claes gegenüber der MAZ, "als würde man auf einem Stuhl stehen und mit einem Zwei-Meter-Strohhalm versuchen, Wasser aus einem Eimer zu saugen." Sollten die Drewitzer den Erhalt der Bäume fordern, könne man sie auch stehen lassen, denn sie stellen keine Gefahr da. Der Zustand werde sich aber verschlimmern.

Mehrere Bürger forderten, bei der Neupflanzung für mehr aufgelockerte Flächen um die Bäume und eine bessere Pflege zu sorgen. Im Herbst soll es eine weitere Bürgerversammlung geben, bei der das weitere Vorgehen der Stadt vorgestellt wird. Gefällt werden kann vom 1. Oktober dieses bis 28. Februar nächsten Jahres.

ESCHEN, ULMEN, PLATANEN UND IHRE FEINDE

  • Die Eschen gehören zur Familie der Ölbaumgewächse.
  • In Europa heimisch sind die Gemeine Esche, die Manna-Esche und die Schmalblättrige Esche.
  • Durch einen Pilz kommt es seit Jahren besonders in Europa zum Eschentriebsterben.
  • Die Ulmen werden auch Rüster oder Effe genannt und sind in Mitteleuropa weit verbreitet. Das Ulmensterben droht die mitteleuropäischen Ulmen auszurotten. In den Niederlanden wurden resistente Sorten gezüchtet, doch der drastische krankheitsbedingte Rückgang ist für die Gesamtpopulation ein Extremverlust.
  • Betroffen sind vor allem die Berg- und Feldulme aufgrund ihrer rauen Borke. Der Ulmensplintkäfer überträgt eine aus Ostasien eingeschleppte Pilzerkrankung: die Pilze wuchern im Splintholz und verstopfen die Wasserleitbahnen. Dadurch wird der Wasserfluss unterbunden, der Baum stirbt.
  • Platanen werden 25 bis 50 Meter hoch und gelten als gut stadtverträglich. Trotzdem leiden viele Bäume unter dem tödlichen „Platanenkrebs“.
  • Die Krankheit wird auch als Platanenwelke bezeichnet und durch einen Pilz hervorgerufen. Der dringt über Rindenverletzungen ein: frische Schnittstellen, Anfahrschäden oder Hagelverletzungen. Nach ein bis zwei Jahren stirbt die Platane. Da der Pilz monatelang im Holz überlebt, kann die Krankheit auch mit Sägemehl, Holz- und Wurzelteilchen verbreitet werden. Benachbarte Bäume können sich über die Wurzeln anstecken. Der schlimmste Ausbreitungsweg sind kontaminierte Schnittwerkzeuge. Deshalb ist beim Baumschnitt auf Hygiene zu achten.

Von Rainer Schüler

Potsdam Architekturprofessor legt Entwurf für Lustgarten vor - Mehr Grün, weniger Plattenbau
23.08.2014
Polizei Postdam: Polizeibericht vom 20. August - 77-Jährige kollidiert mit Linienbus

+++ Innenstadt: Eine 77-jährige Fahradfahrerin wollte am Dienstag die Friedrich-Ebert-Straße überqueren, übersah dabei aber einen anfahrenden Linienbus +++ Neu-Fahrland: Nachdem eine Autofahrerin auf einen vor ihr fahrenden Lkw aufgefahren war, klagten beide Unfallbeteiligte über Schmerzen +++

21.08.2014
Potsdam 17-Jährige in Potsdam zu gemeinnütziger Arbeit verpflichtet - Farbbomben treffen Polizei statt Nazis

Im September 2013 wurde ein "Pro Deutschland"-Infostand von einer linken Jugendlichen mit Farbbeuteln attackiert. Getroffen wurde jedoch die Polizei. Zwei Tage später entdeckten die Polizisten die Farbbeutel-Werferin bei einer Demo gegen die NPD, kontrollierten sie und entdeckten zwei Farbbomben. Jetzt stand die junge Frau vor Gericht.

23.08.2014
Anzeige