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Krankenbesuch bei der Familie Grün

Figurengruppe ist zum Schutz eingelagert Krankenbesuch bei der Familie Grün

Die auf vier Mitglieder angewachsene Figurengruppe der Familie Grün, die mit ihrem Platz an der Brandenburger Straße mehr als 30 Jahre lang zum Stadtbild gehörte, ist nun im Trockenen.  Sie soll durch eine Kopie ersetzt werden. Für die Neugestaltung werden 30.000 Euro gebraucht - bisher ist erst sehr wenig hereingekommen.

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Mutter Grün ruht in stabiler Seitenlage auf einem Gabelstapler.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Teltower Vorstadt. Die Mutter ruht, von einem Gabelstapler leicht angehoben, in stabiler Seitenlage mit dem Gesicht zur Wand in einem Lagerraum der Baudenkmalpflege von Roland Schulze. Die rechte, von den Narben schlimmer Brüche entstellte Hand ist auf die Hüfte gestützt, doch die Geste strahlt nicht mehr die Tatkraft aus, die sie einst im Stehen hatte. Eher scheint es, als werde die Liegende von einem pochenden Schmerz geplagt.

Links davon, am anderen Ende der Wand, liegen nebeneinander auf blauen Matten mit dem Blick zur Decke Vater und Sohn. Der linke Arm des Mannes ist komplett bandagiert. Die rechte Hand ruht wie in einer Schwurgeste über dem Herz. Bei dem Jungen handelt es sich um einen Zwilling, den die Fahrländer Künstlerin Carola Buhlmann 2009 als Ersatz anfertigte, weil das Original beim Abbau des Weihnachtsmarktes umgefahren und zertrümmert wurde.

Michael Groth mit dem älteren Jungen der Familie Grün - er wiegt 41,5 Kilo - in der Stuckateurswerkstatt.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Im November 2013 wurde die Familie Grün von Mitarbeitern der Baudenkmalpflege, die von der Stadt mit der Pflege aller Kunstobjekte im öffentlichen Raum beauftragt ist, auf einen Transporter geladen und in die Werkstätten an der Friedrich-Engels-Straße gebracht. Bei dieser Rettungsaktion war Eile geboten, denn der Familie, der bis dahin Vandalismus und unachtsame Autofahrer zu schaffen machten, hatte plötzlich mit einem tückischen Feind in ihrem Inneren zu kämpfen. Michael Groth, der als Kunstverantwortlicher in der Firma zum Pflegevater der Familie avancierte, weist auf die Risse, die sich quer über den Rock der Mutter Grün ziehen. Hätte man die Figuren stehen lassen, wären sie über kurz oder lang von dem Bewehrungstahl gesprengt worden, der ihnen unter der Keramikhülle eigentlich Stabilität verleihen sollte.

Zuletzt standen nur noch drei Figuren auf der Brandenburger Straße.

Quelle: MAZonline, April 2012

Problem ist, dass für die Figuren kein rostfreier Stahl verwendet wurde. Nach Jahrzehnten beginnt das Metall unter dem Einfluss eindringender Feuchtigkeit zu arbeiten. Die aus Einzelteilen zusammengesetzten Figuren mit ihren über die Jahre erfahrenen Schäden bieten dem Wasser viele Angriffsmöglichkeiten. "Der Stahl kann sich bis zum Siebenfachen seines Volumens ausdehnen", sagt der Baufachmann. "Dieser Rost sprengt ganze Häuser. Und wenn es einmal angefangen hat, ist es nicht mehr aufzuhalten."

Aufsteller zur "Familie Grün"

Quelle: MAZonline

Die Figuren "können sie so nicht mehr hinstellen", sagt Groth. Geplant sei aber, mit robusterem Material eine Kopie herzustellen. Einstweilen fehlt noch das Geld dafür. Was handwerklich möglich ist, zeigt der ältere Junge Grün, der mit Hilfe der geborgenen Reste und alter Fotografien originalgetreu nachmodelliert wurde. Er steht am Eingang der Stukkateurswerkstatt. Eine weiße, durch die linke Gesichtshälfte führende Narbe zeigt, dass es bei dem Unfall am Rande des Weihnachtsmarktes auch seinen Kopf schwer getroffen hatte.

SPENDENKAMPAGNE FÜR DIE FAMILIE GRÜN

  • Für die Neugestaltung der Familie Grün werden 30 000 Euro gebraucht. Nach Angaben des Kulturamtes kamen bis jetzt über Spenden gut 800 Euro zusammen. Ein Spendenaufruf lehnt am Sockel der Familie Grün an der Brandenburger/Ecke Lindenstraße.
  • Forciert werden soll die Spendensammlung mit einer Kampagne, die von der Inhaberin des Cafés Belmundo in der Jägerstraße 40, Carolin Stabe, zur Zeit gemeinsam mit dem Kulturamt vorbereitet wird.
  • Stabe sagt, die Rettung der Familie Grün sei „Sache der Potsdamer, die damit aufgewachsen sind. Wir sind ja eigentlich die Familie unserer grünen Familie“. Auch Kleinstspenden könnten helfen, die Familie Grün wieder an ihren Platz zurückzuholen. Dafür wurde im Belmundo jetzt eine versiegelte Spendenbüchse aufgestellt.

Von Volker Oelschläger

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