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Potsdam Potsdams Feuerwehrchef geht in den Ruhestand
Lokales Potsdam Potsdams Feuerwehrchef geht in den Ruhestand
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00:35 28.02.2018
Wolfgang Hülsebeck vor einem historischen Löschfahrzeug LF16 S4000, Baujahr 1965, auf dem er seine ersten Einsätze als junger Feuermann hatte, Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Wolfgang Hülsebeck spricht mit der MAZ über seinen langjährigen Dienst bei der Potsdamer Berufsfeuerwehr.

Wann haben Sie sich das letzte Mal die Finger verbrannt?

Wolfgang Hülsebeck: Das ist vielleicht eine Woche her - in der Küche. Davor ist man nie gefeit, auch wenn ich die wandelnde Brandschutzwache bin, weil ich als Feuerwehrmann einfach nicht abschalten kann.

Muss jeder mal gekokelt haben?

Ich finde ja. Es ist eine Erfahrung. Jeder muss selbst einmal spüren, wie gefährlich Feuer ist. Wenn man sich das erste mal die Finger verbrannt hat oder wenn einem die Glut aus dem Kachelofen gefallen ist – das vergisst man nie. Kinder sollten nicht abgeschirmt werden. Als Erwachsener muss man ihnen die Gefahr verdeutlichen, sonst probieren sie sich allein aus und kokeln heimlich. Der Kachel- und der Badeofen, die Kohlenheizung im Keller, der Gasherd: Früher war der Umgang mit Feuer in jeder Familie Alltagskultur, heute ist er eine Seltenheit. Wir bei der Feuerwehr versuchen, mit unserer Brandschutzerziehung in Kitas und Schulen einen Beitrag zu leisten.

Weshalb fasziniert uns Feuer so sehr?

Das muss in den Genen legen. Feuer ist Wärme, Feuer ist Geborgenheit, Feuer ist über Jahrtausende der Mittelpunkt der Gemeinschaft gewesen. Feuer hat etwas Mystisches, weil es viel Segen bringt, aber auch eine Gefahr darstellt, wenn man es nicht beherrscht.

Wie sind Sie zur Feuerwehr gekommen?

Ich habe schon in meinem Heimatort Grünberg in Oberhavel bei den Jungen Brandschutzhelfern mitgemacht. Nach dem Abitur habe ich mich bei der Berufsfeuerwehr Oranienburg beworben und nach einem Jahren Dienst dann ein Ingenieurstudium in Magdeburg begonnen. Danach bin ich bei der Feuerwehr in Potsdam gelandet und geblieben. Ein wirkliches Schlüsselerlebnis gab es aber nicht. Die Feuerwehr hat mich zwar immer interessiert - vor allem technisch. Aber ich hätte durchaus auch Bauingenieur werden können. Ich weiß nicht, was mich zur Feuerwehr gezogen hat. Es hat sich so ergeben und heute bin ich froh darüber. Ich habe den Beruf mit sehr viel Freude gemacht.

Sie sind seit 1976 im Dienst in Potsdam – mehr als vier Jahrzehnte. Was war die spannendste Zeit?

Das waren die Neunziger – wir hatten plötzlich so unheimlich viele Möglichkeiten, etwas zu gestalten. In der DDR steckte das Feuerwehrwesen in einem engen Korsett, das durch Mangelwirtschaft und Bürokratie sehr fest geschnürt war.

Dann kam die Wende und wir konnten selbst Standards setzen und entscheiden, was für die Stadt die beste Aufstellung für die Feuerwehr ist, welche Technik in Frage kommt, was baulich sinnvoll ist. Ich bin dankbar, dass meine Mitstreiter diese Entwicklung so engagiert mitgetragen haben und unsere Ideen auch im politischen Raum Anklang gefunden haben.

Was war damals die größte Veränderung?

In der DDR waren Rettungsdienst und Feuerwehr getrennt – nach der Wende kam es darauf an, beide miteinander zu verschmelzen. Wir haben 1991 angefangen, das Amt für Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungswesen, den heutigen Fachbereich Feuerwehr, zu kreieren und die drei Institutionen unter dem Dach der Stadtverwaltung zusammenzubringen. Das war eine spannende Aufgabe und toll zu erleben, wie uns Kollegen aus Westberlin und dem altem Bundesgebiet unterstützt haben – sowohl materiell als auch mit Know-how. Da hat sich gezeigt, dass die Kollegialität im Feuerwehrbereich sehr groß ist.

Als Feuerwehrmann haben Sie viel erlebt – Gutes, aber auch Entsetzliches...

Aus meiner Oranienburger Zeit kann ich mich an einen schweren Unfall auf der B96 erinnern. Ein voll besetzter Bus war gegen einen Baum gefahren, es gab mehrere Getötete und viele Verletzte. Was war das für eine schwierige und schlimme Situation! Wir haben verzweifelt versucht, die Menschen am Leben zu erhalten und aus dem zerstörten Bus zu bekommen. Die Geräusche, die Gerüche – das alles habe ich immer noch im Kopf. Auch Situationen, in denen Kollegen zu Schaden gekommen sind, bleiben einem im Gedächtnis. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ein Kollege mit voller Ausrüstung rückwärts aus einem brennendem Haus einige Meter tief in den Hof gefallen ist. Er ist zum Glück ohne bleibende Schäden davongekommen. Aber solche Erlebnisse rufen einem in Erinnerung, wie gefährlich der Job ist.

Im vergangenen Jahr sind zwei Feuerwehrleute im Einsatz auf der A2 ums Leben gekommen...

Wir befinden uns bei Einsätzen in einer Ausnahmesituation, in der landläufige Arbeitsschutzvorschriften nicht gelten können, sonst könnten wir in Not geratenen Menschen nicht helfen. Alle Kollegen und Kameraden müssen die Situation daher sehr ernst nehmen und ständig trainieren. Und dennoch: So einen Moment wie auf der A2 kann man nicht vollständig ausschließen. Das Risiko bleibt, wir können es nur minimieren. Das macht den Feuerwehrmann aus, dass er sagt: Das Risiko ist mir bekannt, aber ich setze mich darüber hinweg und mache meinen Job. Allerdings muss man dabei auch das Maß finden.

Wann gibt ein Feuerwehrmann auf? Wann bricht man einen Einsatz ab?

Natürlich gibt es einen Punkt, an dem wir entscheiden müssen, dass wir hier nicht mehr erfolgreich einen Menschen retten können. Dass wir die Grenzen, die uns gesetzt sind, kennen und auch anerkennen müssen, gehört zu unserem Feuerwehr-Leben dazu. Es gilt, in jeder Situation einen kühlen Kopf zu bewahren. Wenn ein Einsatz nicht aussichtsreich ist, muss der Einsatzleiter den Einsatz abbrechen. Das ist zum Glück extrem selten. Dass Menschen aus einem brennenden Haus nicht gerettet werden können, ist so gut wie ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir machtlos vor einem Feuer stehen, ist Dank der stringenten Baugesetzgebung in Deutschland sehr klein.

Haben Sie das Gefühl, dass die Gesellschaft den Männern und Frauen von der Feuerwehr genug Wertschätzung entgegenbringt?

Wertschätzung ist ein wichtiges Thema. Ich habe das Gefühl, dass sie für die Arbeit der Feuerwehr gerade in jüngster Zeit von Politikern, Bürgern und den Verantwortlichen in der Stadt recht hoch ist. Das merke ich auch am Feedback aus der Bevölkerung: Meine Leute sind pro Jahr zu 20 000 Einsätzen in der Stadt unterwegs und erleben dabei sehr viel Zuspruch. Es kommen nur wenige Beschwerden. Offensichtlich machen die Kollegen und Kameraden einen richtig guten Job.

Einsatzkräfte beklagen, dass die Notrufnummer 112 immer häufiger wegen Kinkerlitzchen gewählt wird...

Das stimmt – ich nenne es das Großstadtproblem. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe noch immer eine enge Bindung dahin. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Notruf auf dem Land sehr viel weniger in Anspruch genommen wird – dort holt man sich eher Hilfe bei der Familie oder den Nachbarn. In der Stadt sind aber viele Menschen nicht verwurzelt und mit ihrem Umfeld auch nicht besonders eng verbunden. Entsteht eine Notsituation, wählen sie daher schneller die 112. Ich würde das nicht als Missbrauch werten. Aber noch einmal zur Erklärung: Wir von der Feuerwehr sind für lebensbedrohliche Zustände zuständig, aber nicht für das, um das sich der Allgemeinarzt oder die Pflegekraft kümmert. Die Leitstelle gibt in solchen Fällen Hinweise, wohin sich der Anrufer wenden kann.

Wie oft gibt es denn Fehlalarm?

Fehleinsätze machen im Moment zehn Prozent der Einsätze aus – der Großteil davon entsteht dabei im guten Glauben und nicht absichtlich, weil ein Anrufer zum Beispiel falsche Tatsachen schildert. Echter Missbrauch kommt sehr, sehr selten vor – solche Fälle bringen wir zur Anzeige. Aber es bleibt dabei: Wir sind das Portal für den Bürger. Wer sich nicht zu helfen weiß, soll anrufen. Wir werden ihm helfen, aber nicht die Magenschmerzen zum Notfall erklären und ihn zum Doktor bringen.

Sie übergeben in diesen Tagen an ihren Nachfolger: Mit welchen Herausforderungen bekommt er es zu tun?

Ich freue mich sehr, dass wir mit Jörg Huppatz einen kompetenten Nachfolger begrüßen können. Die Notfall- und Feuerwehrlandschaft ist ständig in Bewegung – man kann nie sagen: So, wir sind für die nächsten zehn Jahre fertig! Die größte Herausforderung für den Chef ist also, dass er nie aufhören darf, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Dabei ist es wichtig, die Kritik von Kollegen und Kameraden ernst zu nehmen und zu beachten. Das ist mir mal besser und mal schlechter gelungen und das wird Herrn Huppatz wohl auch so ergehen, aber er ist sehr aufgeschlossen. Er wird auch im Fokus haben, wie sich der Potsdamer Norden entwickelt. Das Wachstum der Bevölkerung und des Verkehrs bringt die Frage mit sich, ob wir unsere Einsatzzeiten halten können oder uns – wie mit der neuen Wache in Babelsberg angebahnt – dezentralisieren müssen. Auch die Ausbildung und die Nachwuchsgewinnung wird er angehen müssen.

Steuert die Feuerwehr denn auf einen Fachkräftemangel zu?

Wir sind mittendrin! Die Konkurrenz zu Berlin und anderen Städten ist riesig. Die Berufsfeuerwehren werben sich untereinander die Leute ab. Berlin zahlt zwar in etwa so wie wir, aber es gibt dort Zulagen. Das ist ein Problem: Neben der gesellschaftlichen Anerkennung müssen die Kollegen auch in der Lohntüte spüren, dass sie eine verantwortungsvolle Aufgabe erfüllen – sie retten Menschenleben!

Was habe Sie nicht zu Ende bekommen?

Die Feuerwehr ist eine ständige Baustelle. Ich bin zwar froh, dass wir jetzt Rechtssicherheit für die Berufsfeuerwehr haben. Ich hätte aber gern noch eine Zulage für die Kollegen im Rettungsdienst erstritten – das habe ich nicht geschafft. Was ich auch nicht in trockenen Tüchern sehe, ist die Anerkennung und Wertschätzung für unsere ehrenamtlichen Kameraden. Der Gesetzgeber muss Möglichkeiten schaffen, um ihnen besser zu zeigen, wie wichtig sie für die Gesellschaft sind. Um es deutlich zu sagen: Ohne die freiwillige Feuerwehr wären wir aufgeschmissen! Sie ist völlig unverzichtbar. Ich will nicht alles aufs Land schieben. Ich habe das Gefühl, dass auch ich nicht genug getan habe. Ich hätte noch stärker im politischen Raum werben sollen.

Was machen Sie am 1. März?

An diesem Tag fange ich einen neuen Abschnitt in meinem Leben an. Ich werde auf keinen Fall zu Hause sitzen. Ich fotografiere ein bisschen und fahre gern Motorrad. Als Landkind werde ich auch wieder mehr Zeit auf dem Land verbringen – und mit der Familie und den Enkelkindern. Ich werde auch nicht völlig aus der Feuerwehrlandschaft Brandenburgs verschwinden, aber ich habe Zutrauen in meinen Nachfolger und kann loslassen. Ich werde interessiert bleiben, aber nur aus der Ferne beobachten – mit einem sehr guten Gefühl, dass es laufen wird.

Hülsebeck übergibt an Jörg Huppatz

Wolfgang Hülsebeck steht seit mehr als 40 Jahren im Dienst der Potsdamer Berufsfeuerwehr. Seit 36 Jahren ist er Leitender Branddirektor.

Im Oktober 2017 wurde der langjährige Fachbereichsleiter Feuerwehr, so die korrekte Dienstbezeichnung in der Rathaus-Hierarchie, von Innenminister Karl-Heinz Schröder (SPD) mit dem Feuerwehrzeichen in der Sonderstufe Gold ausgezeichnet.

Neuer Chef der Potsdamer Feuerwehren ist Jörg Huppatz, der zuletzt die Feuerwehr in Bergisch-Gladbach (Nordrhein-Westfalen) führte.

Von Nadine Fabian

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