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Potsdam: Flüchtlinge ziehen in Leichtbauhallen

Notquartier an der Sandscholle Potsdam: Flüchtlinge ziehen in Leichtbauhallen

Bei der Infoveranstaltung zu den geplanten Flüchtlingsunterkünften in Babelsberg kochten Anfang November die Emotionen hoch. Nun konnten sich die Anwohner selbst ein Bild von den Leichtbauhallen machen, in die am Freitag 96 Asylsuchende einziehen.

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Die Leichtbauhallen sind 12,30 mal 30 Meter groß und bieten jeweils Platz für 48 Flüchtlinge.

Quelle: Fotos: Christel Köster

Babelsberg. Ein Transporter fährt auf den schlammigen Platz zwischen die beiden Schlafhallen. Im Innern ist es bitterkalt und laut. Das Kreischen einer Elektrosäge hallt von den Wellblechwänden wider. Auf dem Hof gibt die Arbeiterwohlfahrt (Awo) unter einem Pavillon Bienenstich und Kaffee an die Anwohner aus. Schon am Freitag sollen 96 Flüchtlinge hier wohnen.

Am Mittwoch allerdings ist das Areal an der Sandscholle in Babelsberg noch eine Baustelle. Aber Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger (parteilos) versucht Optimismus zu verbreiten. In zwei Tagen, versichert sie, sei alles bezugsfertig und winterfest. Doch die Sorgen mancher Anwohner, die zum Tag der offenen Tür durch das Provisorium laufen, drehen sich auch um andere Fragen. Die fünffache Mutter Stefanie Schumann, die direkt gegenüber den Leichtbauhallen wohnt, fürchtet Lärm durch Generatoren, die Warmluft in die Hallen pusten sollen. Dass nur Männer in die Notunterkünfte ziehen, findet sie beunruhigend. „Beim Infoabend wurde uns etwas anderes gesagt“, meint die 40-Jährige. Mehr als 1200 Babelsberger waren Anfang November in die Metropolishalle gekommen, um sich von der Stadt und der Awo als Betreiberin der Unterkunft informieren zu lassen. Auch zwei Familien mit Babys aus der Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt werden am Freitag erwartet, erklärt die Potsdamer Awo-Geschäftsführerin Angela Basekow. Diese würden dann aber sofort in eine feste Unterkunft im Havelland gebracht. Für Kleinkinder seien die Hallen nicht zumutbar. Deswegen werden nur Männer ab 18 Jahren dort untergebracht. 90 Prozent von ihnen stammen aus Syrien. Im Schnitt sollen sie drei bis sechs Monate in den Hallen bleiben bis Wohnungen frei werden – gerade in Potsdam extrem schwer, wie Müller-Preinesberger einräumt. Früher wurde das Gelände Am Sportplatz 6, das direkt an ein Fußballfeld grenzt, gerne als Parkplatz genutzt. „Autos gegen Menschen, da entscheide ich mich klar für die Menschen“, sagt die Sozialdezernentin.

Die sogenannten Shelter-Hallen sollen drei Jahre lang stehen. Die mit Blechwänden unterteilten, jeweils 25 Quadratmeter großen Zimmer, teilen sich im Schnitt vier Personen. Zu den beiden Wohnhallen kommen Sanitärcontainer sowie eine Gemeinschaftshalle mit Kochgelegenheiten, Waschmaschinen und Büros. Betreut wird die Notunterkunft von neun Awo-Mitarbeitern, darunter vier Wachschützer. Insgesamt acht Leichtbauhallen will die Stadt, die in diesem Jahr noch 600 Flüchtlinge erwartet, bis Weihnachten aufstellen. Die Hallen wurden für insgesamt 180 000 Euro gekauft. Die weiteren sechs werden auf dem Freiland-Gelände, in Drewitz und in Neu Fahrland aufgebaut. Am 15. Dezember sollen zudem die ersten Flüchtlinge in den alten Landtag auf dem Brauhausberg ziehen. Nach dem überraschend der Betreiber abgesprungen ist, womöglich auch mit Hilfe der Awo. Am Freitag können Anwohner die künftige Flüchtlingsunterkunft An den Kopfweiden ab 16.30 Uhr besichtigen.

Von Marion Kaufmann

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