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Potsdam: Fußball-Trainer droht Abschiebung

Flüchtlingsteam des SV Babelsberg 03 Potsdam: Fußball-Trainer droht Abschiebung

Das Flüchtlingsteam des Potsdamer Fußball-Vereins SV Babelsberg 03 gilt weit über die Landesgrenze hinaus als Vorzeigeprojekt. Jetzt soll der Co-Trainer, ein Familienvater, abgeschoben werden. In Verein und Fanszene regt sich Widerstand. Der Vereinspräsident spricht gar von einer „Katastrophe“, denn der Trainer ist ein wichtiges „Scharnier“.

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Zahirat Juseinov (vorn, 2. von rechts) im Kreis seiner Spieler von Welcome United

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Schock für Fußball-Viertligist SV Babelsberg 03: der Co-Trainer des Vorzeigeprojekts Welcome United, Zahirat „Hassan“ Juseinov, soll offenbar abgeschoben werden. Das vielfach ausgezeichnete Integrationsteam, das zuletzt den Erfolgsproduzenten Til Schweiger als prominenten Unterstützer gewinnen konnte, bangt nun um seinen Co-Trainer.

„Wir sind tief bestürzt“, so Babelsbergs Marketingchef Thoralf Höntze gegenüber der MAZ. „Die Familie ist seit fünfeinhalb Jahren in Potsdam, bestens integriert. Zahirat, der Familienvater ist von Anfang an ehrenamtlich sehr engagiert. Eine Abschiebung erscheint vollkommen widersinnig.“ Archibald Horlitz, Vorsitzender des SV Babelsberg 03, spricht von einer „Katastrophe“, denn er gilt als Scharnier zwischen den unterschiedlichen Kulturen. Der Verein will die Familie nun mit einer Unterschriftensammlung unterstützen.

Vater mit fester Anstellung

Die Familie Juseinov – Vater Zahirat, Mutter Emel und drei Kinder – hatte ihre Heimat Mazedonien im Jahr 2010 verlassen. Mittlerweile liegt eine gültige Arbeitserlaubnis vor, Zahirat Juseinov hat eine feste Anstellung, die Familie bewohnt eine kleine Wohnung in Potsdam, vor wenigen Wochen kam das vierte Kind zur Welt.

Kommentar: Rausschmiss des Sportsmannes ist unangemessen

Ungeklärt ist jedoch der Aufenthaltsstatus, die Juseinovs werden lediglich geduldet. Eine Duldung gilt als Aussetzung einer Abschiebung, sie muss regelmäßig erneuert werden. Das versuchte Juseinov offenbar am Dienstag. „Unsere Sachbearbeiterin war aber im Urlaub. Ein anderer Beamter kam dann, sah, dass wir vom Balkan stammen und wollte uns sofort abschieben. Wir sollten unterschreiben, dass wir alle zusammen ausreisen“, schildert Zahirat Juseinov das Geschehen.

Bedenkzeit erwirkt

Er habe die Unterschrift verweigert sei mit einer Sozialarbeiterin und seinem Arbeitgeber zu einem erneuten Gespräch in die Behörde gegangen. Zusammen konnte Bedenkzeit erwirkt werden: bis Dienstag kommender Woche hat die Familie nun Zeit, der Behörde die freiwillige Ausreise zu melden. Sonst werden die sechs Juseinovs abgeschoben.

Ein Vertrauter der Familie sieht das Vorgehen des Sachbearbeiters äußerst kritisch:„Der Mann ist als ausgesprochen abschiebefreudig stadtbekannt. Für mich sieht es aus, als wolle er hier schnell und ohne großes Aufsehen eine bestens integrierte Familie aus dem Land bekommen.“

Bei der Ausländerbehörde der Stadt war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Aufsichtsratsmitglied kritisiert Doppelmoral

Babelsberg 03 war bundesweit der erste Verein, der mit „Welcome United“ eine reine Flüchtlingsmannschaft in seine Strukturen integrierte. Das Team nimmt in der Kreisklasse am regulären Spielbetrieb teil und ist für seine integrative Arbeit vielfach ausgezeichnet worden. Katharina Dahme, Aufsichtsratsmitglied des Kiezvereins, kritisiert die Entscheidung der Ausländerbehörde: „Die Projekte zeichnet man aus, die Akteure aber schiebt man ab. Wir wehren uns gegen diese Doppelmoral“, so die 29-Jährige. Auch die Fans des SV Babelsberg wollen die Familie unterstützen. Ein Aufruf des Vereins rief binnen weniger Stunden mehr als 350 Reaktionen hervor, zudem wurde eine Onlinepetition gestartet.

Von Saskia Popp

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