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Potsdam Fünffach-Kreuzung ruft nach Kreisverkehr
Lokales Potsdam Fünffach-Kreuzung ruft nach Kreisverkehr
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08:48 04.11.2015
Einmündung der August-Bonnes-Straße in die Pappelallee. Quelle: Rainer Schüler
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Bornstedter Feld/ Jägervorstadt / Teltower Vorstadt

Schnurgerade führt die Pappelallee am Rande des boomenden Bornstedter Feldes entlang; sie verbindet Bornstedt und Bornim mit der Jäger- und der Nauener Vorstadt. Schnell wird hier gefahren, zu schnell oft. Und trotz der Geradlinigkeit der erst ansteigenden und dann abfallenden Allee gibt es Probleme, den Überblick zu wahren. So wurde an der Kreuzung mit der August-Bonnes-Straße im April 2013 eine 23-jährige Radlerin von einem Laster umgefahren. Sie war auf dem Radweg der Pappelallee unterwegs, der beide Richtungen vereint. Der Laster kam aus Bornstedt, überholte sie, der Fahrer erinnerte sich ihrer nicht, als er den Gegenverkehr passieren ließ und links abbog. Er kreuzte den Weg der Frau, die zwischen Laster und Anhänger geriet und so schwer verletzt wurde dabei, dass sie noch am Unfallpunkt verstarb.

"Links geführte Radwege sind immer problematisch, weil Autofahrer beim Linksabbiegen nicht mit vorbeiziehenden Radlern rechnen", sagt Ulf Hildebrand vom Potsdamer Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Das findet auch MAZ-Leserin Gisela Mokry, für die die Todeskreuzung nahe einer Grundschule eine der gefährlichsten Ecken in Potsdam ist. Dass inzwischen das Linksabbiegen durch die Vorschriftrichtung Geradeaus verboten wurde, greift nicht wirklich, findet sie: "Der Pfeil hängt so hoch, dass viele Autofahrer ihn nicht sehen."

1:An der Friedhofsgasse behindern ein Werbeschild und eine Bushaltestelle die Sicht. Der ViP-Mitarbeiter wäre fast umgefahren worden. 2: In der Friedrich-Engels-Straße lag der Radweg einst geschützt neben dem Fußweg. Jetzt liegt er auf der Straße, direkt am Verkehr. Quelle: Rainer Schüler

Wie ein Todesrad wirkt unweit davon die Fünffachkreuzung auf dem Voltaireweg. Der Brentanoweg und die Straße An der Einsiedelei führen drauf zu, die beiden Äste der Schlegelstraße leicht versetzt. Für Marius Möhwald schreit das nach einem Kreisverkehr oder einer Ampel. Mehrere Unfälle mit Personenschaden habe es bereits gegeben. Schließlich habe der Verkehr durch Anwohner, die Berufsschule, Radfahrer und Touristen zugenommen. Gundula Bartels fürchtet hier um ihren 7-jährigen Sohn Etienne, der morgens über den sechsstrahligen Stern ohne Fahrbahnmarkierung, Ampel oder Schilder zur Grundschule im Bornstedter Feld in der Pappelallee muss. Viele Schüler des Oberstufenzentrums würden am Voltaireweg im Kreuzungsbereich parken und ein sicheres Überqueren erschweren. Autofahrer, die die Schlegelstraße aus Richtung Pappelallee befahren, nutzen offenbar den neuen Geh- und Radweg als Überholspur (Ecke Schlegelstraße/An der Einsiedelei). Das Chaos sei "unbeschreiblich".

Vor Wut fast vom Rad gesprungen wäre dieser Tage ein Mitarbeiter des Verkehrsbetriebes, den auf der Friedrich-Engels-Straße ein Auto aus der Friedhofsgasse fast umgefahren hätte. Der Radweg führt hier unter Bäumen neben der "Engels" her und hat an der Friedhofsgasse eine Problempassage, wenn Autos bis zur "Engels" vorfahren, um etwas zu sehen vom Hauptstraßenverkehr oder wenn sie es bei freier Straße eilig haben abzubiegen. Den Radler vom Bahnhof her sieht man nur schwer. Noch schwerer kommt der Sichtkontakt Radfahrer-Auto ein paar Meter weiter in Richtung Babelsberg zustande, denn hier stehen eine Werbeleuchttafel und eine Bushaltestelle in der Straßenbiegung. "Fußgänger, insbesondere Kinder, können den heranfahrenden Verkehr erst sehr spät sehen, wenn die Fahrzeuge hinter der Werbetafel hervorkommen", kritisiert Ramona Mielke: Dann allerdings seien die Autos schon so dicht am Übergang neben der Bushaltestelle, dass man die Straße nicht mehr überqueren kann. "Die Geschwindigkeitsbegrenzung gilt leider nur nachts. Es kam schon oft zu Fast-Unfällen." Frau Mielke findet, dass keine Werbetafel so wichtig sein kann, dass sie das Leben eines Kindes gefährden darf.

3: Die Einmündung der August-Bonnes-Straße in die Pappelallee hat im April 2013 ein Todesopfer gefordert: Eine junge Radlerin fuhr auf dem Zwei-Richtungen-Radweg in Blickrichtung des Fotos, als ein Laster hinter ihr links zur „Bonnes“ abbog und den Radweg kreuzte.4 Auf den Voltaireweg (v.l.n.r.) treffen die „Einsiedelei“ (einmündend), die Schlegelstraße (querend), der Brentanoweg (mündend). Quelle: Rainer Schüler

Der fahrbahnferne Radweg nach Babelsberg schwenkt an der Schlaatzstraße auf die Fahrbahn zwischen parkende Autos und den Autoverkehr. Das findet MAZ-Leser Wolfgang Manzke sehr gefährlich, zumal der Radweg hier vor ein paar Jahren noch Teil des Gehwegs war, parkende Autos damals links neben sich.

MAZ-LESER-AKTION

WO IST ES GEFÄHRLICH AUF POTSDAMS STRAßEN?
Die Polizei hat bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik Verkehrsknotenpunkte als Unfallhäufungsstellen benannt.

  • Platz 1 belegt mit 33 aktenkundigen Zwischenfällen die Bahnhofsecke an der Langen Brücke.
  • Platz 2 war die Kreuzung Jägerallee/Reiterweg, wo es vor allem Abbiege- und Spurwechselprobleme gab, wenn man stadtauswärts in die Pappelallee abbiegen wollte.
  • Platz 3 ist die Bundesstraße 2 im Norden Potsdams, wo es zwischen Sacrow und Groß Glienicke viele Wildunfälle gibt.
  • Platz 4 belegt die Problemkreuzung Zeppelinstraße/Breite Straße. Vor allem, wer von der Zeppelinstraße zum Luisenplatz will, weiß oft nicht, welches Ampelgrün ihm gilt.

Die MAZ fragt ihre Leser: Welche Kreuzung in Potsdam oder welche Straßen halten Sie aus Ihrer persönlichen Erfahrung heraus für besonders gefährlich? Gefragt sind Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger. Die Redaktion wird die gefährlichen Stellen unter die Lupe nehmen. 

Hinweise bitte an: Märkische Allgemeine Zeitung, Potsdamer Tageszeitung, Friedrich-Engels-Straße 24, 14473 Potsdam. Per E-Mail bitte an: potsdam-stadt@MAZ-online.de

Von Rainer Schüler

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