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Potsdam Glocken der Garnisonkirche gesucht
Lokales Potsdam Glocken der Garnisonkirche gesucht
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07:49 04.06.2014
In der Kapelle: Pfarrerin Cornelia Radeke-Engst und Burkhart Franck (r.), Vorsitzender der Fördergesellschaft Wiederaufbau Garnisonkirche, mit Gerd Seifert, der die Glocke aufbewahrt hat.
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Potsdam

Die Stiftung für den Wiederaufbau der Garnisonkirche startet eine Suchaktion nach verschollenen Bestandteilen des berühmten 40-teiligen Geläuts aus dem zerstörten Bauwerk. Während der Bombennacht von Potsdam am 14. April 1945 ging der Glockenstuhl in Flammen auf. Die Überreste des Glockenspiels, das im Volksmund den Beinamen "Singeuhr" trug, landeten in den Trümmern des Kirchturms. Anscheinend gelang es Nachbarn und Passanten, in den Tagen nach dem Bombenangriff Teile des Geläuts aus den Trümmern zu bergen.

"Wir appellieren an die Potsdamer, uns dabei zu helfen. Wir nehmen an, dass es in etlichen Haushalten noch eine historische Glocke aus dem Turm gibt", sagte Garnisonkirchen-Pfarrerin Cornelia Radeke-Engst am Dienstag in der Kapelle an der Breiten Straße, wo sie ein solches erstaunliches Fundstück in Empfang nehmen konnte: Kaum höher als ein Daumen und nicht einmal zehn Zentimeter breit ist die kleine Glocke, die das Babelsberger Ehepaar Gerd und Gisela Seifert zum Übergabetermin mitbrachten. Vorne prangt eine Nummer: 14. Jahrzehntelang hatte das Mini-Geläut ein "Inkognito-Dasein" bei den Seiferts geführt - als Verzierung für die Ess-Ecke im Haushalt der beiden pensionierten Bahnmitarbeiter. Was es mit dem zierlichen Klangkörper auf sich hatte, ahnte allerdings niemand bei den Seiferts: "Die Glocke war einfach nur da."

Eine kleine Glocke aus dem Geläut der Garnisonkirche. Quelle: Bernd Gartenschläger

Bis dann vor einigen Wochen in der MAZ ein Bericht erschien, der die bewegende Geschichte des Potsdamer Brüderpaars Sieber schilderte: Als kleine Jungen hatten sie im April 1945 eine etwa buchhohe Glocke aus den Kirchentrümmern geborgen. Danach begleitete das Fundstück die Familie auf ihrem Umzug in den Westen und durch all die Jahrzehnte als Andenken. Anfang Mai übergaben sie es bei einer großen Feier - unter anderem im Beisein von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), der bei diesem Anlass kräftig für den Wiederaufbau warb - an die Garnisonkirchenstiftung. Die Emotionen waren den Brüdern deutlich anzumerken, als sie sich von dem Erinnerungsstück mit der Glockennummer 26 trennten.

Beim Anblick des Fotos mit der nummerierten Glocke machte es "Klick" bei Gerd und Gisela Seifert: Gerds Großvater Wilhelm Seifert wohnte in der Gutenbergstraße und arbeitete als Sattler in der Autowerkstatt "Kesslau" in der Charlottenstraße. Wahrscheinlich war auch er in den Tagen nach dem Bombenangriff zur nahen Kirchenruine gegangen.

"Ich habe gehört, dass die Potsdamer Teile des Geläuts sogar auf Leiterwagen weggebracht haben, um sie zu retten", sagte Pfarrerin Radeke-Engst gestern. Ihre Hoffnung ist nun, dass einige der Fundstücke "heimkehren" in die Breite Straße. Die Glocken-Gabe der Seiferts soll beim Pfingstgottesdienst am Samstag um 18 Uhr offiziell willkommen geheißen werden.

DAS KLANG-WAHRZEICHEN

  • Das Geläut im Turm der Garnisonkirche zählte mit seinen 40 Glocken zu den Sehenswürdigkeiten der Havelstadt. Einige der Glocken waren nur handgroß, andere wiederum riesig.
  • Schon vom Turm der ersten Garnisonkirche erklang seit 1722 das Glockenspiel des Amsterdamer Gießers Jan Albert de Grave. Da wegen des sumpfigen Untergrunds nach acht Jahren das gesamte Bauwerk wieder abgerissen werden musste, montierte man die 35 Glocken mit einem Gesamtgewicht von 4522 Kilogramm im Sommer 1730 aus. Glockenspielermacher Arnoldus Carsseboom baute 1734 bis 1735 im vierten Geschoss des neuen Kirchturms das Glockenspiel wieder ein und erweiterte es um fünf Bassglocken. Insgesamt wog das Glockenspiel 203 Zentner.
  • Nachdem das Glockenspiel bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zur vollen Stunde verschiedene Choräle und zur halben Stunde weltliche Lieder abgespielt hatte, ertönte ab 1797 bis 1945 der Stundenchoral „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ im Wechsel mit dem Halbstunden-Lied „Üb' immer Treu und Redlichkeit“ mit der etwas vereinfachten Melodie der Arie „Ein Mädchen oder Weibchen“ aus Mozarts Oper "Die Zauberflöte".

Von Ildiko Röd

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