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Auf der Suche nach den Garnison-Glocken

Kirche hofft auf Überreste des Geläuts der Garnisonkirche Auf der Suche nach den Garnison-Glocken

Das 40-teilige Glockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche war berühmt – bis es nach dem Bombenangriff 1945 aus dem brennenden Turm zu Boden stürzte. Wo die Glocken geblieben sind, ist unklar. Ein Aufruf der Kirche könnte jetzt die Wende bringen. Erste Glocken wurden bereits vorbeigebracht.

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Hier zeigen Wolfgang Grittner, Peter Fiedler und Jürgen Appel (von links) ihre „Klangkörper“, die sie bei sich zu Hause gehütet hatten.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Selten hat eine Suchaktion so schnell eingeschlagen wie der Aufruf von Garnisonkirchenpfarrerin Cornelia Radeke-Engst in der MAZ. Vier Besitzer von historischen Glocken meldeten sich in der Redaktion und brachten am Nachmittag ihre Bronze-Stücke zur temporären Kapelle an der Garnisonkirchen-Baustelle.

Die Hoffnung der Pfarrerin: Dass man in einigen Potsdamer Haushalten noch Reste vom weltberühmten 40-teiligen Glockenspiel der Garnisonkirche aufbewahrt. In der verheerenden Bombennacht im April 1945 ging der Kirchturm in Flammen auf. Das zentnerschwere Glockenspiel donnerte zu Boden. In den Tagen danach bargen die Bürger Reste des Geläuts aus den Trümmern.

„Möglicherweise werden in manchen Familien immer noch solche Fundstücke aufbewahrt“, appellierte Radeke-Engst in der Mittwochs-MAZ an die Hilfsbereitschaft der Potsdamer. Und die kramten kräftig in ihren Kellern.

„Auslöser“ für den Aufruf war die Übergabe einer Glocke, die das Babelsberger Ehepaar Seifert lang bei sich zu Hause gehütet hatte und am Dienstag an die Garnisonkirchenstiftung übergab. Symbolisch läutete Radeke-Engst damit die große Rückholaktion ein. Dass die Resonanz postwendend kommen würde, hätte allerdings niemand für möglich gehalten. Einer der ersten, der sich im MAZ-Sekretariat meldete, war der langjährige Ortsvorsteher und Ortschronist von Marquardt, Wolfgang Grittner. Schon vor vielen Jahren hatte er in einem Antik-Laden ein Bronze-Glöckchen gekauft. Es diente immer als Verzierung für den Familienschlitten, wo es vorne an der Querstange baumelte: „Mit dem Schlitten sind meine Töchter gefahren und jetzt meine Enkel“, erzählte Grittner, nachdem er in seinen Keller gekraxelt war und die Mini-Glocke noch einmal genauer unter die Lupe genommen hatte. Vorne prangt nämlich eine kleine Nummer: die 10. Diese Ziffer hatte Grittner „hellhörig“ gemacht: „Auf dem Foto in der MAZ war ja auch eine Nummer auf der Glocke der Seiferts zu erkennen: die 14“, berichtete er Mittwochnachmittag bei der spontanen Glockenübergabe. Jürgen Appel aus Neu Fahrland hatte nach der MAZ-Lektüre im Keller ein Erbstück zutage gefördert: ein Mini-Geläut mit der Nummer 12, das seit Großvaters Tagen in der Familie ist. Opa Eduard Lingenberg gehörte das jetzige Autohaus Uebermuth an der Nedlitzer Brücke. Wie das Glöckchen in Großvaters Besitz kam, vermag Appel nicht zu rekonstruieren: „Er ist ja 1967 gestorben“, erzählte der pensionierte Elektroingenieur, der in der Garnisonkirche getauft wurde. Ganz in der Nähe ging er zur Schule: „Die Kirche gehörte einfach zum Stadtbild. Für mich fehlt da jetzt ein Stück Potsdam.“

Auch für Peter Fiedler aus Potsdam-West – Klempner und bekennender „Potsdam-Fan“ – war es Ehrensache, dem Appell von Pfarrerin Radeke-Engst zu folgen. Obwohl er katholisch getauft wurde, hängt an der Garnisonkirche sein Herz: „Als die 1968 gesprengt wurde, war ich gerade bei der Armee. Hoffentlich erlebe ich das noch mit dem Wiederaufbau!“ Fiedler kam gleich mit zwei Glöckchen (nummeriert mit „00“ und „5“), die er vor Jahren einmal auf einer Baustelle aufgelesen hatte. Etwa so hoch wie ein Daumen sind seine Fundstücke. Diese Tatsache bringt den Potsdamer Kirchenexperten Andreas Kitschke ins Grübeln: „Die kleinste Glocke im Glockenspiel hatte einen Durchmesser von 18 Zentimetern. Alles, was darunter liegt, kann also nicht zum alten Glockenspiel gehören.“

Was aber nicht automatisch heißt, dass die Mitbringsel nicht doch in der Kirche gehangen haben könnten – und zwar an der berühmten Wagner-Orgel, wo es ein kleines Glockenspiel gab. Nachzulesen ist das in dem alten Buch „Die Garnisonkirchen von Berlin und Potsdam“ von Werner Schwipps. Dort heißt es: „Die Orgel erhielt 42 klingende Stimmen, die auf drei Manuale und ein Pedal verteilt waren. Das Glockenspiel aus Bronze war vom Pedal aus spielbar. Am 8. Mai 1747 soll Johann Sebastian Bach, der Gast Friedrichs des Großen gewesen war, die Orgel gespielt und sie ein prächtig Werk genannt haben.“

Nach der überraschenden „Glockenvermehrung“ hofft man bei der Garnisonkirchenstiftung nun auf weitere Neuzugänge – ganz egal, ob es sich um Fundstücke vom Glockenspiel handelt oder um andere Zeugnisse aus dem zerstörten Kirchenbau.

Appell an Finder

  • Wer weitere Glocken oder Bauteile abgeben will, kann sich melden bei der MAZ unter Tel. 0331/2 84 02 80.

Von Ildiko Röd

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