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Polizisten wegen Hantel-Attacke fassungslos

Schwester des Opfers sagt in Potsdam vor Gericht aus Polizisten wegen Hantel-Attacke fassungslos

Die Polizisten, die jetzt vor Gericht zu der brutalen Hantel-Attacke eines 34-Jährigen auf seine Ehefrau aussagten, wirken noch immer hilf- und fassungslos. Die Brutalität, aber vor allem die emotionale Kälte des Täters ist für sie schwer erklärbar. Für das Opfer gibt es derweil keine guten Prognosen.

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Ronny H. beim Prozessauftakt.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Das Lächeln, mit dem Ronny H. den Prozess um seine Person verfolgt, ist kaum sichtbar, aber es ist immer da. Wenn er in Handschellen den Verhandlungssaal betritt. Wenn Richter Frank Tiemann die Sitzung eröffnet. Wenn Nachbarn, Polizisten und Ärzte aussagen, was sie am Abend des 29.Juli 2013 im Bisamkiez im Schlaatz erlebt und beobachtet haben. Durchsichtig ist dieses Dauerlächeln. Selbstgefällig. Es ist unheimlich und unmenschlich.

Der 34-Jährige, der nach eigenem Bekenntnis seine aus China stammende Ehefrau (38) vor den Augen der gemeinsamen Kinder töten wollte und sie bei dem Versuch so schwer verletzte, dass sie ein Pflegefall bleiben wird, lächelt selbst dann, wenn andere um Fassung ringen. Das ist an Verhandlungstag 4und 5 öfter der Fall. So wirkt der junge Streifenpolizist, der einer der ersten am Tatort war, noch immer hilflos, als er davon berichtet, wie er mit dem Sanikasten vor der blutüberströmten, röchelnden Frau stand und mit der Ersten Hilfe beginnen wollte: "Die Wunde war so groß - da weiß man gar nicht, was man machen soll."

Ronny H., der seiner Frau zuvor mehrmals eine 16,5-Kilo-Hantel auf den Kopf geschlagen und sich dann der Polizei gestellt hatte, sei indes "völlig normal" gewesen, erzählt der Polizist: "Er war nicht aufgeregt, nicht zittrig. Dass jemand, der an einem so schlimmen Vorfall beteiligt ist, so ruhig bleibt, hab'  ich noch nie erlebt." Auch die anderen Polizisten, die im Prozess aussagen, beschreiben den Angeklagten als klar, sehr ruhig und gefasst. "Er wirkte befreit", so ein Beamter: "Er wirkte erleichtert, dass er endlich ernst genommen wird."

Die Frau, die schwere Hirnschäden erlitt und bis heute im Wachkoma liegt, wurde zunächst im Bergmann-Klinikum behandelt und dann in die Neurologische Rehabilitationsklinik in Beelitz-Heilstätten verlegt. Der Arzt, der sie dort betreute, stellt eine schlechte Prognose: "Es ist davon auszugehen, dass sich an ihrem Zustand nichts ändern wird." Obwohl Ping D. medizinisch stabil ist und die Augen geöffnet hat, könne sie weder den Blick fixieren noch sich äußern. Das heißt aber nicht, dass sie nichts fühlt. So habe sie anfangs erhebliche Angstsymptomatiken entwickelt" - immer, wenn sich die Tür öffnete und jemand ins Zimmer trat, habe sie heftig gezittert, die Herzfrequenz sei gestiegen. Man musste ihr Beruhigungsmittel verabreichen.

Seit vier Monaten lebt Ping D. im Pflegeheim. Gestern bekam sie Besuch von der älteren Schwester. Yang D. ist untröstlich. Sie könne die Welt nicht mehr verstehen, sagt die 42-Jährige, eine moderne Frau, die schon lange in Spanien lebt und dort als Dozentin arbeitet. "Ich kann mir noch immer nicht vorstellen, dass so etwas passiert, dass ein Streit so schwer sein kann." Die Schwestern hatten ein inniges Verhältnis, hielten engen Kontakt. Nachdem Ronny H. schon einmal ausgerastet war und seine Frau mit heißer Suppe übergoss, riet Yang D. zur Trennung. "Ich sagte ihr, es ist gefährlich, mit so einem Menschen zusammenzuleben. Man kann nie ahnen, was Ronny als nächstes tut, er hat immer etwas Plötzliches gemacht." Die Kinder seien die schwersten Opfer. "An welche Zukunft der Kinder dachte er? - Ich weiß nicht, was für ein Herz er hat."

Von Nadine Fabian

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