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Potsdam Potsdam im "Ingress"-Fieber
Lokales Potsdam Potsdam im "Ingress"-Fieber
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14:08 04.06.2014
Christian Neuendorf hat wieder ein Portal gefunden, dessen Energien er anzapfen kann. Der Potsdamer gehört im Ingress-Spiel zu den Erleuchteten, den Guten. Die Spieler lernen viel über ihre Stadt. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Christian Neuendorf ist ein Erleuchteter. Seine Erleuchtung erlebte er Anfang Dezember 2012. Seitdem spaziert er immer häufiger mit dem Smartphone durch Potsdam und versucht, die überall dort versteckten "Portale" mittels Tastendruck zu beeinflussen.

Er will deren Energiequellen anzapfen. Das bringt ihm "Items", also Gegenstände ein, die allerdings auch die Gegner der "Erleuchteten", die "Widerständler", sammeln. Neuendorf ist ein begeisterter Spieler der interaktiven städtischen Schnitzeljagd "Ingress", die weltweit immer mehr Anhänger findet.

Gesteuert wird "Ingress" via GPS

Bei "Ingress" suchen zwei gegnerischen Gruppen die "Portale" einer Stadt auf. Finden tun sie sie über Markierungen auf Karten in ihrem Smartphone. Haben sie sie gefunden, versehen sie sie mittels Tastendruck mit sogenannten Resonatoren, um sie für sich zu nutzen und die Gegenstände zu gewinnen. Das Erobern funktioniert aber nur, wenn man sich direkt mit dem Smartphone zu dem entsprechenden Punkt in der wirklichen Stadt begibt. Gesteuert wird "Ingress" nämlich über GPS. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass man seine eigene oder auch eine fremde Stadt besser kennenlernt.

"Mittlerweile ist ganz Potsdam mit Portalen gepflastert", sagt Neuendorf. Zu sehen sind sie allerdings nur auf dem Smartphone von "Ingress"-Spielern, wo ein noch nicht erobertes "Portal" mit einem grauen Flecken auf der Karte gekennzeichnet ist. "Es gibt viele in der Innenstadt", so Neuendorf. Allein das Nauener Tor habe drei. Weil man ganz nahe an das "Portal" heran muss, um es zu beeinflussen, fallen einem als Spieler Details auf, die man sonst als Passant nicht so wahrnimmt.

"In der Wilhelm-Staab-Straße gibt es zum Beispiel viele Häuser, die eine Figur über der Tür haben", sagt Neuendorf. Normalerweise laufe man an denen vorbei. Ebenso wie an zahlreichen Denkmalen oder Gedenktafeln, die bei "Ingress" plötzlich als "Portale" fungieren können. Findige "Ingress"-Spieler, die bestimmte Objekte als "Portale" vorschlagen, stellen neben dem Foto des "Portals" oft auch die genaue Bezeichnung in die "Ingress"-Plattform ein. Dadurch entdecken auch Einheimische ständig Neues.

Nicht nur ein Spiel für Nerds

Auf rund 140 schätzt Neuendorf die Zahl der Potsdamer "Erleuchteten". Wie groß die Partei der gegnerischen "Widerständler" ist, weiß er nicht genau. "Aktuell gibt es sicher mehr Widerständler als Erleuchete", vermutet er. "Aber das sehen wir als eine Herausforderung an." Und sicher sei auch: Beide Seiten werden mit der Zeit noch Zulauf haben.

Als einer der ersten Potsdamer "Ingress"-Spieler arbeitet Neuendorf derzeit auch als Moderator auf der Chat-Plattform der Mitspieler. Dass "Ingress" nur ein Spiel für Nerds sei, weist der 27-jährige Fachinformatiker dabei lässig zurück: "Wir haben alle Alter und Schichten." Der jüngste Mitspieler sei acht, der älteste über sechzig Jahre alt. Vom Schüler über den Arbeiter bis hin zum Studenten und Informatiker sei alles vertreten. Gerade, wenn man mit der eigenen Partei zusammenspiele um etwa ein Feld zu erobern, sei das Spiel unglaublich aufregend: "Man muss strategisch planen."

 

ALLEIN ODER IN GRUPPEN

  • Das „Ingress“-Fieber hat Ende 2012 begonnen. Damals stellte die Firma „Niantic Labs“ ein auf Google-Maps basierendes System ins Netz, mittels dessen bestimmte Punkte einer Stadt auf einem virtuellen Plan als „Portale“ vorgeschlagen werden können.
  • Die „Ingress“-Gemeinde veranstaltet auch oft „Events“, wo ganze Großgruppen gegeneinander antreten.
  • „Ingress“ lässt sich auch im Vorübergehen spielen. Auf dem Weg zum Supermarkt, zur Post oder zum Amt kann man nebenbei ein „Portal“ erobern. www.enlightened-potsdam.blogspot.de

Von Rüdiger Braun

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