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08:00 31.01.2014
Babelsberg

Wenn auf der Leinwand Wehrmachtssoldaten Flammenwerfer auf Kunstschätze richten, ein Concierge mit zerschossenen Tortenschachteln um sich wirft oder Formel-1-Rennwagen über regennasse Pisten schlittern – dann hatten „Die Nefzers“ ihre Finger im Spiel. Die Effektspezialisten Uli Nefzer und sein Schwager Gerd Feuchter liefern pyrotechnische, mechanische, pneumatische oder Wetter-Effekte für Filme – nicht nur, aber oft für die Koproduktionen des benachbarten Studio Babelsberg.

So war die Firma in George Clooneys Weltkriegsdrama „Monuments Men – Ungewöhnliche Helden“ über den Kunstschätze-Klau der Nazis eingespannt, das bei der Berlinale läuft. „Wir hatten eine Menge zu tun“, sagt Supervisor Gerd Nefzer. Der Spezialeffekte-Leiter baute mit Kollegen die Flammenwerfer in besagter Szene sowie in Minenschächte (Verstecke der Kunstwerke) führende Fahrstühle, zudem einen Fahrradsimulator für Cate Blanchett. Denn als es während des Drehs im vergangenen Jahr draußen noch frostig und spiegelglatt war, strampelte die Schauspielerin aus Sicherheitsgründen vor einer grünen Wand im Studio – der Hintergrund wurde am Computer eingefügt. Explosionen, „Kriegsatmo“ von schwarzem Rauch bis Staub und Einschusslöcher gehörten ebenfalls zum Auftrag. Gerd Nefzer erlebte Clooney, der „Monuments Men“ drehte, produzierte und vor der Kamera stand, als „sehr angenehmen, sehr freundlichen Menschen“. Keine Spur von Megastar-Allüren: „Er hat oft mit dem Team gefrühstückt.“

Beileibe nicht nur friedlich geht es in Wes Andersons Tragikomödie und Berlinale-Eröffnungsfilm „Grand Budapest Hotel“ zu. Für eine wilde Schießerei wurde der Schauplatz – gedreht wurde in einem ehemaligen Kaufhaus in Görlitz – ausgestattet. Als es das Drehbuch vorsah, ließ Nefzer die Mini-Explosionen per Fernsteuerung nach einer Choreografie detonieren. Zuvor hängten die Effektspezialisten Rigipswände vor die eigentlichen Wände, jedes der rund 600 „Einschusslöcher“ wurde mit Schwarzpulver „in Milligramm-Dosierung“ präpariert. Auf diese Art wurde auch ein Stapel Tortenschachteln zurechtgemacht, die Ralph Fiennes als Concierge Gustave in einer Szene halten und während der „Schüsse“ von sich werfen musste. „Ich merke, wenn ein Schauspieler gesunde Anspannung oder Angst mitbringt“, erzählte Gerd Nefzer mit charmantem schwäbischen Dialekt. Als Fiennes merkte, dass er sich bei Nefzer in besten Händen befindet, brachte er die Aufgabe professionell über die Bühne.

Die Nefzers arbeiten nicht nur für hochkarätige Studio-Babelsberg-Produktionen. 2012 war Uli Nefzer für Ron Howards Rennfahrer-Epos „Rush“ engagiert: Die nassen Pisten für den Dreh des legendären Regenrennens 1976 in Japan, der brennende Rennwagen, in dem Niki Lauda verunglückte – alles Werke des Effektspezialisten. „Ein klasse Dreh, ich bin ja Formel-1-Fan und habe Niki Laudas Unfall auf dem Nürburgring damals gesehen“, so Nefzer.

EFFEKTSPEZIALISTEN

  • 1968 gründete Karl Nefzer in Schwäbisch-Hall (Baden-Württemberg) eine Firma, die Filmproduktionen mit historischen Fahrzeugen und Filmwaffen ausstattete.
  • Seit Mitte der 1980er Jahre werten Karl Nefzer und Sohn Uli Kino- und Fernsehfilme sowie Serien (einst etwa „Wolffs Revier“, bis heute „Soko Leipzig“) durch pyrotechnische, mechanische, pneumatische und Wetter-Effekte auf. Seit 1990 ist Uli Nefzers Schwager Gerd Feuchter dabei.
  • Für „Die unendliche Geschichte III“ (1993) arbeiteten die Nefzers zum ersten Mal in Babelsberg. Seither hat das Unternehmen die Spezialeffekte für fast alle Koproduktionen von Studio Babelsberg umgesetzt, darunter für Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“, zuletzt für „Die Bücherdiebin“ (Kinostart am 13. März) oder für „Die Schöne und das Biest“ (Kinostart am 15. Mai).
  • Die Nefzers haben einen guten Ruf über Babelsberg hinaus, waren beispielsweise für „Stirb langsam 5“ (2012) gebucht. Jüngstes Projekt war das Horrordrama „Dracula Untold“ (Regie: Gary Shore), das Vampir-Mythen mit der wahren Geschichte des Prinzen Vlad verbindet. Der Film kommt im Oktober in die Kinos.

Von Ricarda Nowak

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