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Potsdam Kulturlobby macht mobil
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13:21 20.06.2017
Fünf der Kulturlobby-Gründer (v.l.) auf dem Hof der Alten Brauerei: Elias Franke, Christian Näthe, Kristina Tschesch, Julius Burger und André Tomczak. Quelle: Bernd Gartenschläger
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"Nach innen soll eine Struktur geschaffen werden, die Grundlage schlagkräftiger Arbeits- und Aktionsgruppen ist und in der sich die Einzelnen gegenseitig stärken. Nach außen wollen wir Ansprechpartner für Politik und Verwaltung sein", sagte Kulturlobby-Initiator André Tomczak. "Wir brauchen langfristige Sicherheit und Perspektiven statt jeweils nur einjähriger Mietverträge." Die Kulturlobbyisten wollen zwar nicht ständig nur "Platzhalter" in Gebäuden bis zu ihrem Abriss oder einer gewinnbringenden Verwertung sein, so Tomczak. Dennoch seien nach wie vor auch Interimslösungen vorstellbar, etwa in der Fachhochschule (FH) am Alten Markt. Die FH soll nach neuesten Plänen 2017 ihren Standort räumen und an den Campus an der Kiepenheuerallee ziehen. Das Haus wäre beispielsweise für Ausstellungen und Themenabende geeignet, so Tomczak. Momentan benötigen etwa 120 Projekte Räumlichkeiten. Betroffen sind mehr als 600 Künstler und Kreative.

Der Ort der Kulturlobby-Gründung ist symbolträchtig: Ende April mussten etliche Bands und Künstler ihre Proberäume, Ateliers und Werkstätten in der denkmalgeschützten ehemaligen Brauerei an der Albert-Einstein-Straße verlassen. Auf dem 950 Quadratmeter großen Areal sollen Eigentumswohnungen entstehen. Auf ihre Misere hatten Aktivisten der "Initiative Alte Brauerei" in den vergangenen Monaten bei Demonstrationen und Happenings aufmerksam gemacht. Nun ersetzt die Kulturlobby die Initiative.

"Schade, dass die Alte Brauerei nicht gehalten werden konnte", sagte TV-Journalistin und Kulturlobbyistin Kristina Tschesch. "In Potsdam ist zwar viel möglich, aber auch Luft nach oben." Seit März dokumentiert Kristina Tschesch die Aktionen der Künstler - anzusehen und nachzulesen im Blog von "Kulturlobby.de". Die Internetseite soll als "Sprachrohr und Kommunikationsplattform qualifiziert werden", wünschen sich die Kulturlobbyisten. Dort werden Veranstaltungen und Aktionen beworben, auch Konzepte und Analysen sollen Platz finden. Die Künstler und Kreativen wollen eine "ausgewogene und transparente Kulturförderung in Potsdam erreichen" sowie Bewusstsein für die kulturelle, wirtschaftliche und soziale Bedeutung der freien Kultur und des "kleinteiligen Kreativwirtschaftens" schaffen. So soll der Raumbedarf ermittelt werden, um kurz- wie langfristige Lösungen zu finden. "Wir wollen die Potentiale in der Stadt ermitteln und die Entwicklungen kritisch begleiten", so Tomczak.

BEDROHTE SZENE

  • Ende April mussten 100 Kreativschaffende ihr Domizil in der Alten Brauerei räumen. Auch Musiker, die auf dem Gelände des Landesumweltamtes in Groß Glienicke geprobt hatten, verloren im Frühjahr ihre Räume.
  • Bedroht ist inzwischen auch das Atelierhaus „Sans titre“ an der Französischen Straße. Das „Kunsthaus 17“ an der Heinrich-Mann-Allee 103 muss bis Ende Juni raus. Mittelfristig sollen dort neue Wohnungen entstehen.
  • Drei Adressen stehen als mögliche Alternativen für ein neues Kreativzentrum zur Debatte: Das Gebäude der Husarenkaserne am Eingang der Schiffbauergasse (nutzbar frühestens 2019), der Persiusspeicher in der Zeppelinstraße, die Lkw-Garagen auf dem alten Landtagsgelände auf dem Brauhausberg.
  • Die Kulturlobby Potsdam wird am 12. und 13. Juli ein Häuschen bei der „Stadt für eine Nacht“ an der Schiffbauergasse bespielen. Künstler zeigen dann das vielfältige unabhängige Kulturschaffen der Landeshauptstadt.
  • Internet: www.kulturlobby.de

Von Ricarda Nowak

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