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Potsdam Potsdam-Museum sucht Zeitzeugnisse
Lokales Potsdam Potsdam-Museum sucht Zeitzeugnisse
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12:38 27.02.2017
Blick vom Eingang auf die Fabrikstraße der Nowaweser Lokomotivenfabrik von Orenstein & Koppel um 1935. Quelle: Potsdam-Museum
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Potsdam

Eine Stadt im Fieber. In der Potsdamer Tageszeitung wirbt ein Inserat mit Schwert und Hakenkreuz zum 1. Oktober 1932 für den „1. Nationalsozialistischen Reichsjugendtag“ im Luftschiffhafen: „Das junge Deutschland marschiert. Adolf Hitler spricht.“ Gleich darunter ruft der „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“, zum Fackelzug „zur Feier des Geburtstages des Herrn General-Feldmarschalls v. Hindenburg“ auf: „Antreten 20 Uhr Artilleriedenkmal. Beteiligung Pflicht.“

Daneben Werbung für ein „Großes Schlachtefest“ im Luiseneck in der Waldemar-, heute Sellostraße; für „Box-Kämpfe im Konzerthaus“ in der Kaiser-Wilhelm-Straße, heute Hegelallee; für ein „10-jähriges Stiftungsfest“ des BSC Bornim Schwarz-Weiß-Grün 22 im Restaurant „Schützenheim“; für „Konzert und Tanz im Gesellschaftshaus ,Alter Fritz’“ an der Zimmerstraße, dem „Treff aller Nationalsozialisten“, mit Musik von der „Potsdamer SA-Kapelle“.

Der Oktober 1932 markiert ungefähr die Mitte einer Zeitspanne, die im Frühjahr 2019 Thema einer großen Sonderausstellung mit dem Arbeitstitel „Umkämpfte Wege der Moderne“ im Potsdam-Museum sein soll. „Mit Potsdam als Kern der preußischen Geschichte, als Ort, in dem sich die gesellschaftlichen Verwerfungen der Weimarer Republik, die letztlich in den Nationalsozialismus münden, so klar im Lokalen widerspiegeln.“

Seit einem guten Jahr recherchiert die Historikerin Wenke Nitz bereits für das Projekt. Ihr verblüffender Befund: Es gibt kaum Zeugnisse der Alltagsgeschichte jener Jahre zwischen 1919 mit der Gründung der Weimarer Republik und 1945 mit dem Ende des „Dritten Reichs“.

„Ich bin viel im Landeshauptarchiv und im Stadtarchiv, um Lücken zu füllen“, sagt Nitz. Sie sucht nach lokalen Belegen für den Flaggenstreit, diesen verbissenen Kulturkampf um das Schwarz-Weiß-Rot der Monarchie und um das Schwarz-Rot-Gold der Republik. Und nach Zeugnissen des Reichsjugendtags vom Oktober 1932 mit Zehntausenden von Teilnehmern. „Zeitgleich war der Stahlhelm im Lustgarten. Praktisch sind sie aneinander vorbei marschiert. Das waren riesige Veranstaltungen, doch in unserer Sammlung finden sich leider nur sehr wenige Objekte dazu.“

Historikerin Wenke Nitz 2015 in der Sonderausstellung „Potsdamer Stadtlandschaften vor und nach 1945“. Quelle: Bernd Gartenschläger

Lücken klaffen auch früher, für die 1920er Jahre: „Potsdam als Hochburg des Monarchischen war ja Demonstrationsaufmarschplatz. Aber nicht nur für Konservative, sondern auch für die Berliner Arbeiterbewegung. Potsdam als ehemalige Garnisonstadt war der Ort, wo man versuchte, dem Stahlhelm entgegenzutreten.“ Der „Vorwärts“ als Traditionsblatt der SPD, titelte „Auf nach Potsdam!“ Der Antikriegstag von KPD und Rotfrontkämpferbund vom 1. August 1926 in Potsdam tauche „immer wieder in Veröffentlichungen auf“, doch im Bestand des Museums gebe es „nur sehr wenig dazu“.

Eine zentrale Idee für die Ausstellung ist der Vergleich Potsdams mit dem 1938/39 eingemeindeten Babelsberg, „dem einstmals ,roten Nowawes’ als bis dahin bedeutendster Industriestadt im Kreis Teltow mit seinem viel stärkeren Arbeiter- und Angestelltenmilieu“. Noch im März 1933 wählt die Mehrheit SPD. Potsdam hingegen war Hochburg der DNVP mit Wahlergebnissen weit über dem Reichsschnitt.

Beim Aufbau der Dauerausstellung des Museums zur Stadtgeschichte sei diese Gegenüberstellung schon erwogen, dann aber aus Platzgründen verworfen worden. Doch Teile der Sonderschau sollen später in die Dauerausstellung „Potsdam – eine Stadt macht Geschichte“ eingearbeitet werden.

Der Schwerpunkt der Ausstellung werde mit 1919 bis 1939 in der Zwischenkriegszeit liegen. Zum Ersten Weltkrieg gab es 2014 die große Sonderausstellung „Zu Hause im Krieg — Im Krieg zu Hause”. Das Interesse der Historikerin reicht von der Demontage von Rüstungsbetrieben nach dem Ersten Weltkrieg bis zu der von der Babelsberger Historikerin Almut Püschel umfangreich recherchierten Zwangsarbeit in Potsdamer und Babelsberger Firmen im Zweiten Weltkrieg. Die Orte der Zwangsarbeit sollen laut Nitz langfristig auch in der Dauerausstellung gezeigt werden.

Umkämpfte Wege der Moderne

Die für 2018/19 geplante Doppelausstellung „Umkämpfte Wege der Moderne“ wird im ersten Teil einen kunsthistorischen Ansatz verfolgen, dem ein zweiter Teil mit dem Fokus auf die Zeit- und Kulturgeschichte Potsdams folgt. Das Ausstellungsprojekt schließt chronologisch an die Sonderausstellung des Potsdam-Museums von 2014 zum 100. Jahrestag des Ersten Weltkriegs an.

Mit der Vorbereitung der Sonderausstellung werden zugleich Lücken in der Sammlung und Schwachpunkte in der Dauerausstellung zur Stadtgeschichte ausgelotet. Die Dauerausstellung und vor allem der Teil über die NS-Zeit war zuletzt in der Zeitung des Landesmuseumsverbandes als „anspruchsvolle Pflichtübung“ kritisiert worden. Stadt und Museum hatten die Kritik zurück gewiesen.

Das Potsdam-Museum sucht für die Ausstellung nach Zeugnissen jener Jahre: „Schön wäre es, wenn Potsdamer und Babelsberger Dokumente, Fotografien oder Objekte haben, die aus dieser Zeit stammen, die zeigen, wie man damals lebte.“ Gesucht würden auch Wahlanschläge, Bilder von Litfaßsäulen. „Was hingen in Potsdam für Plakate? Wer machte wie Werbung? Was für Handzettel gibt es noch?“

Für Babelsberg sei der Bestand „noch dünner“. Einige Textilien und Wimpel gebe es, einige Fotos, „die sich bisweilen nicht verlässlich zuordnen lassen“. Schallplattenhüllen der Firma „Tempo“ und einige Unterlagen zu Orenstein & Koppel. „An der Babelsberger Geschichte müssen wir dranbleiben“, sagt Nitz. Ihre Hoffnung: „Es gibt ja immer mal wieder Funde in Privatbesitz.“

Info Kontakt Tel. unter 0331/289 68 11 oder per Mail Wenke.Nitz@Rathaus.Potsdam.de

Von Volker Oelschläger

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