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Potsdam Das Gedächtnis der Stadt zieht in die Mitte
Lokales Potsdam Das Gedächtnis der Stadt zieht in die Mitte
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19:18 06.07.2018
Lichtbild-Installation zum Werden der Stadtmitte in der Friedrich-Ausstellung des Potsdam-Museums. Quelle: Christel Köster
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Potsdam/Innenstadt

Der Runde Saal am früheren Haupteingang des Alten Rathauses ist abgedunkelt. In einem Gerüst schimmert matt ein metergroßes Medaillon aus rotem Marmor mit dem Relief des Großen Kurfürsten, das früher einmal den Obelisk auf dem Alten Markt schmückte. Wechselnde Projektionen an der Wand erzählen mit Bildern und Grafiken vom Werden dieses zentralen Platzes im 18. Jahrhundert.

„Friedrich und Potsdam – Die Erfindung (s)einer Stadt“ ist der Titel der Sonderausstellung zum 300. Jubiläum von Preußenkönig Friedrich II. (1712–1788), mit der das Potsdam-Museum am 20. August 2012 sein neues Domizil im Alten Rathaus eröffnet. „Für uns war das natürlich ein großes Fest“, sagt Markus Wicke, der Vorsitzende des 2004 gegründeten Fördervereins.

Markus Wicke zur Eröffnung im August 2012 mit einem Bild Friedrichs II. Quelle: Christel Köster

Für das Museum war es eine Art Heimkehr. Schon die erste Ausstellung zur Stadtgeschichte wurde 1909 im Alten Rathaus aufgebaut. Es folgte ein Jahrhundert der Provisorien – mit dem benachbarten Haus Brauerstraße 8, in dem 1912 eine Ausstellung zum 200. Friedrich-Jubiläum eröffnete, über Gebäude wie den Marstall, das Ständehaus und die Hiller-Brandtschen Häuser bis zum pittoresken, aber völlig ungeeigneten Holländerhaus in der Benkertstraße.

Markus Wicke gehörte zu den Initiatoren eines Memorandums zum drohenden Untergang des Museums, das sie im Juni 2006 in der Benkertstraße vor einem Gemälde mit der brennenden Nikolaikirche vorstellten. Die Einrichtung sei „nicht mehr in der Lage“, sich als Ausstellungs-, Forschungs-, Bildungs- und Kommunikationsort zu entwickeln. An die Stadt ging der Vorwurf, „als Träger nicht von der Bedeutung und Notwendigkeit“ des Museums überzeugt zu sein. Mit der Benkertstraße sei das Museum „räumlich zu einer Art Heimatstube zusammengeschrumpft“. Als eine Variante für einen repräsentativen Sitz nannten die Autoren das Alte Rathaus.

Präsentation des Memorandums im Juni 2006 im Museumshaus Benkertstraßemit Eberhard Gerstädt, Hans Joachim Giersberg, Markus Wicke, Ines Reich und Hannes Wittenberg (v.l.n.r.). Quelle: Bernd Gartenschläger

Das Memorandum sollte zum Weckruf werden. Nach einer Debatte über den Ausbau des Brockesschen Hauses in öffentlich-privater Partnerschaft fiel die Entscheidung für das Alte Rathaus mit dem benachbarten Knobelsdorffhaus. 8,9 Millionen Euro wurde in Sanierung und Umbau zum „Forum für Kunst und Geschichte“ investiert. Zu den Possen zählt ein Gefängnisgitter, das vom Architekten ohne Absprache mit den Nutzern als künstlerischer Akzent ins zentrale Treppenhaus gesetzt wurde. Später sollte man ermitteln, dass die Demontage 50 000 Euro kosten würde.

Offen blieb laut Wicke ein geeigneter Ausstellungsort für zeitgenössische regionale Kunst. Der Verein favorisiert einen Anbau auf der Rückseite des Museums.

MAZ-Serie „1000 plus 25 Jahre Potsdam“

Mit einem Fest wird am 8. Juli auf dem Alten Markt der 1025. Jahrestag Potsdams gefeiert. Die MAZ blickt aus diesem Anlass in einer Serie auf das jüngste Vierteljahrhundert zurück. Pro Jahr wird an ein Ereignis erinnert.

Bisher erschienen:

Kunst-Skandal zur 1000-Jahrfeier 1993 – die „Fontanelle“

Schießerei im KGB-Städtchen – der Abzug der Russen 1994

Boheme auf Abwegen – Neueröffnung des Café „Heider“ 1995

„Einkaufen? Eine Katastrophe.“ – Die Stern-Center-Eröffnung 1996

Wilder Osten – Der Potsdam-Center-Skandal 1997

Die SPD steht hinter mir – Abwahl von OB Horst Gramlich 1998

Sonnenfinsternis im Neuen Garten – 1999 wächst das Potsdamer Weltkulturerbe

Das Ende der Philharmonie – 2000 eröffnet der Nikolaisaal

„Ja zu langen Unterhosen“ – Die Buga 2001 und die AG Stadtspuren

Kampf um die Straße – 2002 gründet sich das Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“

Schlechte Stimmung in Neu Fahrland – 2003 wächst Potsdam Richtung Norden

Rettung der Brandenburger Straße – Richtfest bei Karstadt 2004

Zu schön für den Titel – 2005 scheitert die Bewerbung als Kulturhauptstadt

Premierenfieber in der Schiffbauergasse – 2006 wird der Theaterneubau eröffnet

Bürgerprotest für Barockfassaden – Die Geburt von „Mitteschön“ 2007

Kultureinrichtungen kollabieren – 2008 ist das Jahr des Jugendprotests

Eskalation am Griebnitzsee – Anrainer blockieren zum Osterfest 2009 den Uferweg

Bürgerpark statt Straßenschlucht – Die Geburt der Gartenstadt Drewitz 2010

Der Stadtwerke-Skandal 2011 – Potsdams erste Transparenzkommission

Gedächtnis der Stadt zieht in die Mitte – Eröffnung des Potsdam-Museums 2012

Ein Café „Et Cetera“ – Eröffnung des Bildungsforums 2013

Das erste Konzert im Innenhof – 2014 wird das Landtagsschloss eröffnet

„Neue Nachbarschaften“ helfen Flüchtlingen – Die Blaupause für den Herbst 2015

Das letzte Bürgerbegehren – 2016 mobilisieren Potsdamer für Fachhochschule, Staudenhof und Mercure

Im Epizentrum des Streits um die Stadtmitte – Das Barberini kommt, die alte FH verschwindet

Von Volker Oelschläger

Potsdam Restauranttest „Aufgetischt“ - So schmeckt es in der "Kombüse No. 22"

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