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Potsdam Diesen Potsdamern droht der Exodus
Lokales Potsdam Diesen Potsdamern droht der Exodus
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07:45 25.03.2014
Am Samstag auf dem "Boulevard" in Potsdam... Quelle: MAZonline
Potsdam

Ein jeder sollte es hören, und der Chor sang es einfach frei heraus: „Schick essen gehn’ und teuer wohn’, das ist uns zu monoton!“ Die Melodie geht ins Ohr und verleitet so manchen Zuschauer sogar zum Mitsingen.

Am Samstag trafen sich etwa 60 Potsdamer Künstler der „Initiative Alte Brauerei“ auf der Brandenburger Straße, um für Freiräume zu demonstrieren. Mit ihren Instrumenten und ihren Stimmen machten sie mitten auf dem Potsdamer Boulevard aufmerksam auf die Probleme, mit denen sie derzeit zu kämpfen haben. Mit einem selbstkomponierten Lied machten sie klar: Ihnen fehlt der Raum, um ihre Kunst auszuleben. Ihr Protest dauerte nur wenige Minuten, aus gutem Grund. Der kurze Auftritt und der plötzliche Abbruch des Liedes sollten das Schwinden der Kreativität darstellen. Rund 40 Schaulustige beobachteten das Spektakel und nahmen von den Initiatoren Flyern und Aufkleber entgegen.

Ausschlaggebend für die Aktion war die Kündigung der von ihnen angemieteten Räume in der Alten Brauerei am Brauhausberg. Aus den Ateliers, Werkstätten und Proberäumen, die sich auf 950 Quadratmeter erstrecken, sollen Eigentumswohnungen werden. Bis zum 30. April müssen 100 Kreative die Alte Brauerei räumen.

Das Thema ist nicht neu: Im April 2013 verloren Musiker, die auf dem Gelände des Landesumweltamtes in Groß Glienicke geprobt hatten, ihre Räume. Mittlerweile seinen auch das Kunsthaus „Sans Titre“, die „Scholle 51“ und das „Kunsthaus 17“ akut gefährdet, so die Initiatoren. Nach dem Verlust andernorts unterzukommen, gestaltete sich alles andere als einfach, wie Christian Näthe, Musiker in der Band „Hasenscheisse“, erzählt. Den Kreativen bleibe nichts übrig, als Räume zu mieten, die zu schlechten Kondition angeboten werden oder mit der Gefahr verbunden sind, in kurzer Zeit wieder ausziehen zu müssen, „weil es eben keine anderen Möglichkeiten gibt“, so Näthe. Die „Initiative Alte Brauerei“ bringt es auf den Punkt: „Für die unabhängigen Künstler und Künstlerinnen dieser Stadt ist es fünf vor zwölf.“

Nicolas Bauer von der Stadtfraktion „Die Andere“ wohnte der Aktion der protestierenden Künstler bei. „Die Stadt hat Möglichkeiten, Freiräume zu schaffen, und wir sehen sie da auch in der Verpflichtung“, erklärte Bauer. Ein Problem sei, dass es in der Stadt Bebauungs- und Entwicklungspläne für verschiedene Zwecke gebe, allerdings keine Freiraumplanung für Kulturstätten vorgesehen sei. „Die Frage ist: Welchen Stellenwert räumt die Stadt der Kultur ein?“, so Bauer. Die Andere habe bereits eine Anfrage dazu an die Stadt gestellt. Mit einer Antwort sei in dieser Woche zu rechnen.

Die Mieter der alten Brauerei fordern Räume für die Kreativen dieser Stadt. Geschenkt haben wollen sie jedoch nichts. „Wir sind bereit, für die Räume zu bezahlen“, betont Gordon Burrmann, einer der Initiatoren der Aktion. Es gehe darum, dass Freiräume bezahlbar und frei nutzbar sein sollen. Was folgt, wenn die Künstler weiter vor dem Nichts stehen, formulieren die Mieter der Alten Brauerei deutlich: „Ohne Räume droht der Exodus!“, schreiben sie in einer Pressemitteilung.

Von Franziska Maria Schade

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  • Mit dem beginnenden Umbau der alten Brauerei am Leipziger Dreieck verlieren 25 Bands ihre Probenräume. Die Betreiber des Jugendzentrums Freiland schätzen, dass insgesamt 300 bis 400 Bands in der Stadt ohne eigene Probemöglichkeiten sind.
  • Auf dem Freilandgelände in der Friedrich-Engels-Straße sollen Alternativen geschaffen werden. Der Oberbürgermeister ist beauftragt, gemeinsam mit der Freiland-Betreibergesellschaft bis April nach einer Finanzierungsmöglichkeit für Räume zu suchen.

MAZonline

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