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Jakobs verteidigt Flug nach Sansibar

Potsdams Lokalpolitiker bereiten Städtpartnerschaft vor Jakobs verteidigt Flug nach Sansibar

Für eine ab Samstag geplante neuntägige Dienstreise nach Sansibar in Ostafrika muss Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) derzeit viel Kritik einstecken. Die Reise sei überflüssig, teuer und klimaschädlich, meint die FDP. Jakobs hält die Reise dagegen aus verschiedenen Gründen für vertretbar und wichtig.

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Sansibar und Potsdam haben gleich viele Einwohner, beide Städte sind Weltkulturerbe – nur den traumhaften Strand, den hat Potsdam nicht.

Quelle: Yannick Tylle

Potsdam. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) fliegt trotz Kritik für neun Tage auf eine Dienstreise nach Sansibar. Dort wird eine Klimapartnerschaft zwischen der afrikanischen Stadt und der brandenburgischen Landeshauptstadt unterzeichnet. Außerdem soll für eine mögliche Städtepartnerschaft nach Kooperationspartnern gesucht werden.

Dafür reisen Sonnabend fünf Stadtvertreter in das ostafrikanische Urlaubsmekka. Für deren Flüge und Hotelübernachtungen entstehen Kosten in Höhe von 11.400 Euro, die von der Stadt Potsdam getragen werden müssen. Diese Ausgaben seien angesichts der immer wieder beklagten finanziellen Lage "unvertretbar", findet der FDP-Kreisverband. Vor dem Hintergrund des Klimaabkommens wirft die Partei außerdem die Frage auf, ob denn schon der ökologische Fußabdruck bei den Kosten berechnet worden sei.

"Es ist ein Gebot der Höflichkeit, eine solche Einladung anzunehmen", sagt Jann Jakobs zu seiner Dienstreise nach Sansibar.

Quelle: Julian Stähle

Jakobs rechtfertigt die Reise mit einem Beschluss der Stadtverordneten, die 2007 für eine Anbahnung einer Städtepartnerschaft mit Sansibar stimmten. Vertreter der afrikanischen Stadt wären bisher drei Mal zu Besuch in Potsdam gewesen und hätten jedes Mal die Einladung zum Gegenbesuch gemacht. "Es ist nicht nur ein Gebot der Höflichkeit, sondern auch des politischen Umgangs miteinander, eine solche Einladung anzunehmen", argumentiert Jakobs.

Mit nach Sansibar reisen wird auch Jakobs’ Ehefrau. Sie werde ihre Reise privat bezahlen, versicherte der Oberbürgermeister. Für Flüge der fünf Stadtvertreter werden 7500 Euro abgerechnet, die Übernachtungen sind mit etwa 3600 Euro veranschlagt, so Stadtsprecherin Christine Weber auf MAZ-Anfrage. Für die Visa würden 250 Euro ausgegeben.

Erster Gegenbesuch des Oberbürgermeisters

  • Oberbürgermeister Jann Jakobs besucht vom 25. Oktober bis 1. November die Klimapartnerstadt Sansibar.
  • Begleitet wird er von Cordine Lippert, Koordinierungsstelle Klimaschutz, Steffen Tervooren, Umweltmonitoring, Isabell Sommer, Marketing, und Stefan Frerichs, Wirtschaftsförderung.
  • Aus der Wirtschaft reisen mit: Michael Radke, Klinikum Westbrandenburg, Hubertus Wenisch, Klinikum „Ernst von Bergmann“, Michaela Jüngling, Bruno-H.-Bürgel-Schule, Torsten Stehr, IHK, Torsten Köhler, Freunde Tansanias e. V., Kilian Kindelberger, BBAG e. V.
  • Anlass der Reise ist der Projektstart für bessere Infrastruktur am Festplatz in Zanzibar Town.
  • Seit 2007 waren hochrangige Vertreter Sansibars drei Mal in Potsdam. OB Jakobs tritt jetzt den ersten Gegenbesuch an.

Begleitet werden die Reisenden von einer sechsköpfigen Delegation. Darunter sind zwei Ärzte des Klinikums „Ernst von Bergmann“ und des Klinikums Westbrandenburg, die prüfen wollen, ob die Ärzte und Pfleger in Sansibar unterstützt werden können. Ein Schwerpunkt dabei ist die Senkung der Mütter- und Neugeborenensterblichkeit. Wirtschaftsförderer der Stadt Potsdam sowie der Industrie- und Handelskammer reisen mit, um sich vor Ort über Solarprojekte zu informieren, sich eine Gewürzfarm anzusehen und mit regionalen Energie- und Wasserbehörden zu sprechen. Michaela Jüngling, Lehrerin an der Bruno-H.-Bürgel-Schule, wird die Kontakte zu der sansibarischen Partnerschule ausbauen. „Es ist für alle Beteiligten ein straffes Programm“, sagt Cordine Lippert von der Potsdamer Koordinierungsstelle Klimaschutz.

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Durch die Klimapartnerschaft soll die Infrastruktur rund um den zentralen Festplatz Mnazi Mmoja Ground verbessert werden. „Dort kommt es durch den Klimawandel in den Regenzeiten zu Überschwemmungen, die nicht mehr abfließen“, sagte Lippert. Potsdam kann durch die Partnerschaft bei Finanzierungsanträgen helfen. Zugesagt sind bereits 60000 Euro, die zu 90 Prozent vom Entwicklungsministerium und zu zehn Prozent von der Stadt getragen werden. Während der Reise kann dieses Geld an konkrete Projekte verteilt werden.

Dienstreise nach Sansibar

Ist die von Potsdams OB Jann Jakobs geplante Dienstreise nach Sansibar auf Kosten der Stadt vertretbar?

Fraktionen begrüßen Städtepartnerschaft

Für eine Partnerschaft mit der Stadt Sansibar gibt es unter den Potsdamer Stadtverordneten eine Mehrheit. Bisher gibt es Kooperationen mit Opole (Polen), Bobigny (Frankreich), Jyväskylä (Finnland), Bonn, Perugia (Italien), Sioux Falls (USA) und Luzern (Schweiz). Bis auf das amerikanische Sioux Falls liegen alle innerhalb Europas. Sansibar wäre die erste afrikanische Stadt.

Auch wenn Sansibar vor allem als Urlaubsregion bekannt ist, betonen viele Parlamentarier die wichtige Zusammenarbeit mit einer Stadt aus einer unterentwickelten Region. "Damit würde Potsdam einen Beitrag zu einer Welt leisten", sagte Hans-Jürgen Scharfenberg (Die Linke) mit Blick auf die Insel, die zum ostafrikanischen Tansania gehört und unter Sklaverei litt. Eine solche Kooperation sei ein gutes Zeichen, um die ungleichen Lebensverhältnisse ein wenig auszugleichen.

"Wenn eine Partnerschaft dazu dient, den Horizont aller Potsdamer zu erweitern, dann ist es gut, nun auch in Entwicklungsländern danach zu suchen", sagte Peter Schüler (Grüne) . Dass insgesamt fünf Rathaus-Mitarbeiter nach Sansibar fliegen, findet Schüler übertrieben. "Es hätten auch drei Leute gereicht", sagt er. Die FDP hatte moniert, dass die Flüge einen zu großen ökologischen Fußabdruck hinterlassen und dies nicht mit einer Klimapartnerschaft zu rechtfertigen sei. "Eine Schiffsreise ist aber nun wirklich nicht zumutbar", sagte Peter Schüler dazu.

Auch die Fraktion "Die Andere" betonte die sicherlich angenehme Arbeitsatmosphäre auf der Insel, begrüßt aber generell die Zusammenarbeit. "Wenn eine Urlaubsreise dieses Projekt fortbringen kann, ist das in Ordnung", sagte Lutz Boede. "Ich gönne dem Oberbürgermeister die Reise in die Sonne, wenn er sich danach an dem Ergebnis messen lassen kann", sagte er.

Peter Schultheiß (Potsdamer Demokraten) hätte lieber eine Stadt in Nordafrika ausgewählt. "Ansonsten sind die üblichen Besuche kaum tragbar", sagte er.

Das erste Mal ins Gespräch gekommen ist Sansibar im Jahr 2006. Damals beantragten die Fraktionen Die Linke, Die Andere und die CDU, eine Partnerschaft mit einer Stadt in der dritten Welt aufzunehmen. Damals wurde das afrikanische Sansibar als Beispiel genannt. Bisher hat es allerdings keinen persönlichen Besuch des Oberbürgermeisters in der afrikanischen Stadt gegeben. "Ein solches Vorhaben muss mit Leben gefüllt werden, auch wenn es weit weg ist", sagte Mike Schubert, SPD-Fraktionschef .

Neben den Rathaus-Mitarbeitern reisen auch Ärzte mit, die ausloten wollen, wie mögliche Hilfe von Potsdamer Ärzten in dem Entwicklungsland aussehen kann. "Gerade im medizinischen Bereich kann mit Potsdamer Know-How viel bewegt werden", betonte Matthias Finken (CDU) .

Für einige Tage fliegen auch zwei Fußballspielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam mit: Stefanie Draws und Ingrid Wells. „Sie werden vor Ort ein Training mit unserer befreundeten Mannschaft leiten“, sagte Trainer Bernd Schröder .

Von Lisa Rogge

Auf Sansibar kann man auch Urlaub machen: Expedia.de

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