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Tischlein deck’ dich – mit Blut

PETA-Aktivisten demonstrieren gegen Stopfleberverzehr Tischlein deck’ dich – mit Blut

Tischlein deck’ dich: und zwar blutig. „Stopfleber = Tierquälerei“ – mit Plakaten und einer entsprechenden Szenerie demonstrierten Aktivisten der Tierschutzorganisation Peta am Mittwoch in der Friedrich-Ebert-Straße in der Innenstadt von Potsdam vor einem französischen Restaurant, um die Herstellung von Stopfleber öffentlich anzuprangern.

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Es ist angerichtet...

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Mitten auf dem Gehweg steht mittags ein Tisch, darauf angerichtet ist eine grausige „Mahlzeit“: Neben einem Teller liegt der Kopf von Christine Hoffmann, ihr Gesicht ist (kunst)blutverschmiert, vor ihr tut sich ein Berg rot besudelter Maiskörner auf. Die Hände der elegant gekleideten Potsdamerin sind an den Stuhl gefesselt. „Das ist meine dritte Aktion. Ich engagiere mich, weil Tiere keine Sachprodukte sind, sondern Gefühle haben und Schmerzen empfinden“, sagt die 28-Jährige.

Hintergrund der angemeldeten Demo, die von zwei Polizistinnen bewacht wird: „Peta setzt sich für ein Verkaufsverbot von Stopfleber in Deutschland ein und international für ein Produktionsverbot“, so Manuel Bürger, der die fünf Aktivisten aus Potsdam und Berlin vor Ort koordiniert. In vier europäischen Ländern dürfe derzeit noch produziert werden, etwa Frankreich – dort gilt die Leber („Foie gras“) als Delikatesse.

Der Name des Fleischgerichts deutet an, wie es gemacht wird: Für Stopfleber werden Enten und Gänse derart gemästet, dass sich ihre Leber um ein Vielfaches vergrößert. „Arbeiter stoßen den Vögeln mehrmals täglich ein circa 50 Zentimeter langes Metallrohr in den Schlund und pumpen den Tieren etwa 1,2 kg Futterbrei pro Tag in den Magen – die fünffache Menge der normalen Nahrungsaufnahme“, mahnen die Tierschützer. Diese Tortur dauere zwei bis drei Wochen, während derer die Leber der Tiere auf das Sechs- bis Zehnfache ihrer normalen Größe anschwillt.

Die Futterrohre zerstoßen häufig den Hals der Vögel, was regelrechte Löcher und schmerzhafte Wunden verursacht. Folgen der Fettung sind etwa Herz-Kreislauf-Probleme und Stoffwechselstörungen. Laut Peta sterben auf Foie-gras-Farmen zehn bis 25 mal mehr Tiere als auf anderen Enten- und Gänsefarmen.

„Ich war im August im Frankreich-Urlaub. Im Westen des Landes sind die Produktionsstätten groß ausgeschildert, aber natürlich mit glücklichen Gänsen auf den Plakaten“, sagt der Potsdamer Student Tobias Beyer. Vor dem Restaurant „Jérô“ mimt er einen Kellner, mit schwarzer Schürze, Bluse und eisernem Blick. Nach einer Viertelstunde zieht sich der Veganer Handschuhe über. Man friere auch gern mal für so eine Aktion, sagen die Aktivisten. „Weil es nichts ist im Verglich zu dem, was die Tiere durchmachen.“

Gegen Verzehr, Verkauf und Produktion von Stopfleber protestiert Peta seit vielen Jahren, in Potsdam ist es die erste derartige Aktion. Elisabeth Saal erfuhr davon per Facebook, hat sich spontan gemeldet und verteilt nun Info-Flyer an Fußgänger. Aktiv für Tiere ist sie seit 2012. „Weil ihre Rechte immer noch mit Füßen getreten werden und sie Anwälte brauchen“, sagt die Studentin. Die Leute zu bewussterem Leben inspirieren, die Umwelt wertschätzen, das sind die Anliegen der Demonstranten.

Während der halbstündigen Aktion sitzt „Jérô“-Betreiber Jörg Beyer gelassen im Lokal. „Das ist ein französisches Nationalgericht, es gehört auf französische Karten, als Pastete oder gebraten. Die Franzosen machen auch Eis damit“, sagt er. Gewissensbisse habe er keine, es sei aber allgemein bekannt, wie die Leber hergestellt wird. „Sie ist frei verkäuflich.“

„Wir würden durchweg darauf verzichten“, sagt ein älteres Pärchen, das daheim gleich eine Online-Petition unterzeichnen will. „Oh je, die müssen doch frieren“, sagen andere im Vorbeigehen.

Mehrere Leser kommentierten gestern Abend auf der Facebook-Seite von MAZonline, dass ihnen solche Leber nicht auf den Tisch kommt. „Stopfleber schmeckt sowieso nicht!“, schreibt ein Nutzer. Andere teilen die Aufregung nicht: Stopfleber werde seit Urzeiten produziert.

Von Michaela Grimm

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