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Professor zeigt Studentin wegen Belästigung an

"Falls wir uns in einem Puff wiedersehen, wissen Sie warum" Professor zeigt Studentin wegen Belästigung an

Die Universität Potsdam hat einen Skandal wegen sexueller Belästigung. Allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Der Lehrstuhlinhaber für Bürgerliches Recht, Detlev Belling, hat eine Studentin angezeigt, von der er sich belästigt und beleidigt fühlt.

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Der Eingang zur Universität Potsdam.

Quelle: dpa

Potsdam. Die Universität Potsdam hat einen Skandal wegen sexueller Belästigung. Allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Strafanzeige hat nicht etwa eine Studentin gegen einen Kommilitonen oder gegen einen Professor erstattet, es war der Lehrstuhlinhaber für Bürgerliches Recht, Detlev Belling, der seine Studentin Paula Heinrich (Name geändert) anzeigte.

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Heinrich hätte am 12. Februar in einer Klausur über Schuldrecht alle in Betracht kommenden Ansprüche fiktiver Streitparteien erörtern sollen. Das tat sie nicht. In ihren handschriftlichen Aufzeichnungen überzog sie Belling und seinen Kollegen stattdessen mit Schmähungen. Belling reichte deswegen am 14. Februar bei der Staatsanwaltschaft Potsdam Strafanzeige ein. „Frau Heinrich hat mich bei der Bearbeitung einer (auch) von mir gestellten Klausur beleidigt“, hieß es in dem Schreiben. Die Staatsanwaltschaft bearbeitet den Fall derzeit.

Auf MAZ-Nachfrage gab Belling die von ihm inkriminierten schriftlichen Äußerungen von Heinrich bekannt: „Ich möchte mich hiermit bei Ihnen bedanken, dass Sie mich so sehr in den Arsch gefickt haben“, schrieb Heinrich sowohl an Belling als auch an seinen Kollegen gewandt. Die beiden Professoren trieben sie „in die Prostitution, weil ich sonst nichts anderes kann und ein Studium ich mir nicht mehr leisten kann, da im 4. Semester mein Anspruch auf Bafög wegfällt“. Als Grund für ihren Ausraster gab sie an: Arglistige „Täuschung“ und den für sie offenbaren Willen, sie ruinieren zu wollen. Das Schuldrechtsthema der Prüfung sei in der Vorlesung nur am Rande behandelt und als Klausurthema sogar ausgeschlossen worden. Ihre Ausführungen enden mit der Äußerung: „Falls wir uns dann in irgendeinem Puff wiedersehen, wissen Sie warum.“

„Ich sehe darin eine schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung“, begründete Belling gegenüber der MAZ seine harsche Reaktion. Weiterhin falle ihm auf, dass die Sensibilität gegenüber sexueller Belästigung an der Universität Potsdam offenbar sehr unterschiedlich ausgeprägt sei. „Ich möchte nicht, dass eine Frau auf diese Weise beleidigt wird, ich will aber auch nicht, das ein Mann auf diese Weise beleidigt wird“, sagte er. „Wehret den Anfängen.“

Belling verwies auf den durch die Medien gegangenen Fall des FDP-Politikers Rainer Brüderle. Dieser hatte sich bei einem Gespräch mit einer Journalistin an einer Hotelbar über deren Dekolletee geäußert und sich den Vorwurf sexistischer Anmache eingehandelt. „Die Sache Brüderle hat helle Empörung ausgelöst“, sagt Belling. „Ist es nun anders, wenn ein Mann von einer Frau sexuell beleidigt wird?“ Hätte die Studentin ein berechtigtes Anliegen gehabt, hätte sie sich auch regulär beim Studienbüro über die Aufgabenstellung beschweren können, so Belling. Dieser Weg der sogenannten Remonstration sei in Prüfungsangelegenheiten durchaus üblich. Die inhaltlichen Vorwürfe von Heinrich weisen die beiden Rechtsprofessoren übrigens zurück. Schuldrecht sei ein Schwerpunktthema des aktuellen Semesters gewesen und die Lösung für die Standardaufgabe sei für die Prüfungsvorbereitung ins Internet gestellt worden.

Die Zentrale Gleichstellungsbeauftragte der Universität, Barbara Schrul, widerspricht Belling nur in einem Punkt: „Da wird nicht mit zweierlei Maß gemessen“, sagt sie. Belling sei nicht der erste männliche Kollege, der mit der Beschwerde einer sexuellen Belästigung an sie herantrete und bei ihr Unterstützung finde. Auch im aktuellen Fall kann Schrul Bellings Empörung verstehen, zumal dieser sich an der Juristischen Fakultät sehr für Frauenrechte einsetze: „Hier wurde eine Grenze überschritten“, sagt Schrul.
Das Präsidialamt der Universität selbst teilte auf MAZ-Anfrage mit, das Präsidium werde als Bellings Dienstherr keinen eigenen Strafantrag stellen. Auch Ordnungsmaßnahmen gegen die Studentin schloss die Unileitung aus.

Von Rüdiger Braun

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