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Demonstration vor Sarrazin-Lesung

Rund 100 lautstarke Kritiker vor dem Nikolaisaal Demonstration vor Sarrazin-Lesung

Begleitet von Protesten hat der umstrittene Bestsellerautor Thilo Sarrazin sein Buch „Der neue Tugendterror“ zum ersten Mal öffentlich vorgestellt. Rund 400 Menschen besuchten am Dienstagabend den Vortrag Sarrazins im Nikolaisaal. Vor dem Gebäude demonstrierten etwa 80 Gegner des früheren SPD-Politikers und Bundesbank-Vorstands.

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Autor Thilo Sarrazin

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam . Sie hielten Transparente hoch mit den Aufschriften „Kein Podium für Rassisten“, „Von Biedermännern und Brandstiftern“ oder „Halt’s Maul!“. Die Polizei hatte Teile der Straße abgesperrt. In dem neuen Buch kritisiert Sarrazin ein vermeintliches links-liberales Gutmenschentum, das auf moralisch korrekte Gesinnung anstatt auf Fakten setze und einem „Gleichheitswahn“ anhänge.

Rike Lentz, Sprecherin des Potsdamer Ablegers der „Neue Antikapitalistischen Organisation“, die zu der Demo eingeladen hatte, warf dem Ex-Bundesbanker „Hetze gegen Migranten“ vor. Außerdem sei der Autor unter anderem „frauenfeindlich“ und diskriminierend gegenüber Hartz-IV-Empfängern, so Lentz. Demonstranten wie Lutz Boede (Fraktion „Die Andere“) übten Kritik: „Der Nikolaisaal wird bezuschusst, um Kunst und Kultur zu fördern, und nicht, um Menschen wie Sarrazin ein Podium zu geben.“

Peter Walther vom Brandenburgischen Literaturbüro, das zur Lesung eingeladen hatte, teilt zwar Sarrazins „antiquiertes Familienbild“ nicht, plädierte aber gestern im Vorfeld der Veranstaltung für „Differenzierung und Genauigkeit“ im Umgang mit Sarrazins Texten. „Es geht darum, dass häufig Probleme nicht mehr auf der Ebene sachlicher Argumente verhandelt, sondern moralisch überhöht werden“, so Walther: „Wer sich selbst auf der Seite der Moral sieht, der nimmt den anderen nicht mehr als Argumentationspartner wahr und unterstellt, dass er verblendet ist.“ Walthers Resümee: „Es ist ein bisschen traurig, dass ein Mann, der ausgewiesenermaßen kein Rassist ist, unter Polizeischutz sein muss“.
Von den Protesten, die teilweise mit Trillerpfeifen untermalt waren, bekam der Autor wahrscheinlich gar nichts mit. Er hielt sich seit am späten Nachmittag im Nikolaisaal auf, um Interviews zu geben.

Von Ildiko Röd

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Thilo Sarrazin klagt über „Tugendterror“:  Die Meinungsfreiheit in Deutschland ist durch eine gebotene Political Correctness gefährdet, sagt der ehemalige Berliner Senator Thilo Sarrazin im Interview mit der MAZ. Sein jüngstes Buch „Der neue Tugendterror“ wird er auch in Potsdam vorstellen.

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