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Säulen an Glienicker Brücke werden restauriert –

Rettungsaktion für Welterbe-Kolonnaden in Potsdam Säulen an Glienicker Brücke werden restauriert –

Die Kolonnaden an der Glienicker Brücke werden saniert – und kommen womöglich groß in Hollywood raus. Im Herbst könnte dort die erste Klappe für den neue Steven-Spielberg-Film über die legendäre Agentenbrücke mit einem Hollywood-Superstar in der Hauptrolle fallen. Zunächst fiel aber die erste Klappe für die Restaurierungsarbeiten.

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Der Stadtkanal in Potsdam kommt doch

Am 2. Juni 2014 begannen die Restaurierungsarbeiten an den südlichen Kolonnaden. Als erstes ist die Balustrade dran.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Berliner Vorstadt. Die rund 110 Jahre alten, neo-barocken Kolonnaden an der Glienicker Brücke werden hollywoodfein. Sollte hier im Herbst tatsächlich die erste Klappe für das neue Steven-Spielberg-Opus über die legendäre Agentenbrücke mit Tom Hanks in der Hauptrolle fallen, wie man derzeit munkelt, werden die südlichen Säulengänge schon wieder optisch punkten können.

Der Start der Restaurierungsarbeiten am Montag an den Kolonnaden ist aber keine Beauty-OP à la Hollywood mit ein bisschen "Farbschminke" drüber, sondern ein tiefgreifender Eingriff, um das Überleben des Traditionsbauwerks zu sichern: Der im Inneren der Säulen vor sich hin rostende Stahl drohte nämlich zum akuten Sicherheitsrisiko zu werden ‒ Eile ist geboten. Deshalb machten die Stadtverordneten erst vor wenigen Wochen in einer Art SOS-Aktion und nach einem flammenden Appell des Baubeigeordneten Matthias Klipp (Grüne) trotz klammer Haushaltskassen auf die Schnelle rund 350 000 Euro locker. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) packte dank reger Sammeltätigkeit noch einmal 54.000 Euro obendrauf, die gestern von Heidi Gerber, Leiterin der DSD-Außenstelle Potsdam, vor Ort an Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) übergeben wurden.

DIE GLIENICKER BRÜCKE

  • Einen Vorläufer der Glienicker Brücke gab es bereits im 17. Jahrhundert als Holzübergang. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die „plumpe Eisenkonstruktion“ gebaut, über die die Fachwelt spottete. Den Bürgern gefiel die Stahlträgerkonstruktion jedoch sehr.
  • Nach dem Krieg wurde der Übergang wieder aufgebaut. Von 1953 bis zum Mauerfall 1989 war die Ost-West-Grenze nur mit Sondergenehmigung zu passieren und erlangte Berühmtheit als Austauschpunkt für Agenten.

Die 1907 errichteten Kolonnaden waren einst das prunkvolle Entrée in die Stadt. Hell strahlender schlesischer Wünschelburger Sandstein gab den lieblichen Göttinnen, den zierlichen Obelisken und den opulenten Vasen einen ätherischen Glanz. Heute lässt sich das nur noch mit viel Fantasie erahnen. Die Jahrzehnte haben einen unansehnlichen schwarzen Mantel aus Gipskrusten über das Bauwerk gelegt. Ungleich schlimmer ist aber das, was dem Auge des Betrachters verborgen bleibt. Die Stahlkonstruktionen, mit denen die Sandsteinblöcke im Inneren zusammengehalten werden, haben Korrosionsschäden. Der Rost lässt den Stein aufquellen und droht ihn sogar zu sprengen - mit unwägbaren Folgen: Risse und Abplatzungen sind die ersten Vorboten, dass sich irgendwann sogar Steine lösen könnten. Die besonders gefährdeten Säulen sind mit hölzernen "Stützkorsetten" gesichert.

Zur Bauzeit vor dem Ersten Weltkrieg war Walzstahl noch ein hochinnovatives Material. Wovon man damals nichts ahnte, war die unheilvolle Wechselwirkung mit dem Naturstein. "Die Schäden haben sich in den letzten Jahren rasant entwickelt", erklärte Steintechniker Thomas Bolze: "Jetzt kommt der alte Stahlkern raus und wird durch einen neuen, rostfreien Kern ersetzt." Wie bei einem riesigen Lego-Bauwerk werden die Kolonnaden nun in ihre Einzelteile zerlegt. Am 2. Juni 2014 begannen die Arbeiter mit den Balustraden. Laut Thomas Schenke, Fachbereichsleiter Grün- und Verkehrsflächen, soll pünktlich zum 25-Jahr-Jubiläum des Mauerfalls im November alles fertig sein. Unklar ist, wann die Arbeiten an den Nordkolonnaden beginnen können. Die Hoffnung ruht auf Spendern. "Wir sammeln weiter", versprach DSD-Leiterin Heidi Gerber.

"Statisch in höchster Gefahr“

Für Stadtkonservator Andreas Kalesse war der gestrige Restaurierungsbeginn ein Highlight mit großer Bedeutung für das Potsdamer Stadtbild.

MAZ: Was ist aus denkmalpflegerischer Sicht das Besondere an den Kolonnaden?
Andreas Kalesse: Die gesamte Brücke ist eine der schönen, in die Landschaft hineinkomponierten Brücken. Sie überquert nicht nur das Wasser, sondern gerade mit ihren Steinarchitekturen verweist sie auf traditionelle Elemente der Potsdamer Architekturlandschaft: Das sind die Kolonnaden und die Exedren.

Was sind "Exedren“?
Kalesse: Eine Exedra ist eine steinerne Aussichtsrundbank. Diese hat gegenüber eine Exedra in Sacrow – Blickbeziehungen prägen ja die ganze Potsdamer Landschaft. Man darf nie ein Bauwerk losgelöst von den anderen sehen. Die Architekten hatten immer das große Ganze im Blick.

Anscheinend hat der Zahn der Zeit den Kolonnaden extrem zugesetzt. Warum hat man nicht schon früher etwas gemerkt?

Kalesse: Dramatisch sichtbar sind die Schäden erst in den letzten Jahren aufgetreten. Nach der Wende gab es ja auch schon einmal eine erste Restaurierung, aber die war nicht tiefgreifend genug. Wenn man jetzt nichts tun würde, wären die Kolonnaden statisch in höchster Gefahr. Man kann nur hoffen, dass möglichst bald auch die Arbeiten an den Nordkolonnaden finanziert werden können. Schließlich zählt die Brücke zu den bekanntesten Symbolen des Welterbes.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Von Ildiko Röd

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