Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -1 ° Regen

Navigation:
Jeder dritte Bus lässt Rollifahrer stehen

Busfahrer entscheiden nach eigenem Ermessen Jeder dritte Bus lässt Rollifahrer stehen

Ein entsprechender Aufkleber am Bus ist noch lange keine Garantie dafür, dass man als Rollstuhlfahrer in Potsdam mit einem Bus mitfahren kann. Eine klare Regelung scheint es nicht zu geben – zumindest ist dies die Erfahrung eines 76-jährigen Querschnittsgelähmten aus der Landeshauptstadt.

Voriger Artikel
Potsdamerin wird 105
Nächster Artikel
"Reggae kennt keine Grenzen"

Günther Sommermeier mit Rollstuhl. Das Gefährt hält alle geforderten Normen ein, doch mancher Busfahrer lässt ihn stehen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Selbst wenn Piktogramme an den Bussen der Havelbus-Verkehrsgesellschaft (HVG) und des Verkehrsbetriebes in Potsdam (Vip) auf die Mitnahme von Rollstühlen verweisen, heißt das noch lange nicht, dass die Busfahrer auch jeden mobilitätseingeschränkten Fahrgast mitnehmen.

Diese Erfahrung musste jüngst Günther Sommermeier machen, der von der Bushaltestelle in der Jagdhausstraße mit der Havelbuslinie 601 zum Hauptbahnhof fahren wollte. Sommermeier (76) ist seit zwölf Jahren querschnittsgelähmt. Um außerhalb seines Hauses mobil zu sein, hat ihm die Krankenkasse einen elektrischen Krankenfahrstuhl vom Typ "Ivacare Leo" bewilligt. Dieses Hilfsmittel entspricht allen juristischen Definitionen zur Anerkennung als Krankenfahrstuhl. Dennoch weigern sich regelmäßig Busfahrer der Linie 601, den Elektro-Rolli mitzunehmen, weil sie dies angeblich nicht dürften. Rund ein Drittel der Buslenker handle so, schätzt Sommermeier aus Erfahrung. Es gibt auch andere Beispiele: "Ich habe auch schon erlebt, dass ein Fahrer gemeinsam mit einem kräftigen Fahrgast meinen Scooter in den Bus gehoben haben, nachdem ich abgestiegen war", sagt der Rollifahrer, der das unterschiedliche Verhalten der Busfahrer nicht verstehen kann.

Die Havelbus-Gesellschaft bedauert, Somermeier keine zuverlässige Mitfahrt in ihren Bussen anbieten zu können. "Zur Sicherheit der Rollstuhlfahrer haben die Busse an den besonders gekennzeichneten Flächen einen Prallschutz, an den der Rollstuhfahrer mit dem Rücken heranfahren muss. Bei einer notwendigen Vollbremsung schützt diese Rückenlehne den Behinderten", erläutert HVG-Sprecherin Ulrike Rehberg. Günther Sommermeier aber könne nicht an diesen Prallschutz heranfahren, weil die größeren Abmaße seines Krankenfahrstuhls und der damit verbundene erweiterte Wendekreis dies in den Bussen nicht ermöglichen, so Rehberg. Bei einer Vollbremsung aber würde der Rollstuhl wegrollen oder sogar umkippen, befürchtet die Sprecherin. Damit bestünde eine Gefahr für den Behinderten selbst und für weitere Fahrgäste, aber auch ein rechtliches Versicherungsrisiko für den Busfahrer. "Wir wollen das Thema 'Scooter'‘ aber noch einmal nachhaltig in unserem Haus prüfen und auch in die Gremien des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg bringen, um auch in diesem Punkt eine endgültige Lösung zu finden", verspricht Rehberg.

Der Potsdamer Verkehrsbetrieb ViP nimmt Elektrorollstühle mit einem Gewicht von bis zu 350 Kilogramm immer mit, wenn die Busse dies zulassen, informiert Vip-Sprecher Stefan Klotz auf MAZ-Nachfrage. Ob ein Fahrgast mit solch einem Krankenfahrstuhl mit dem Bus fahren kann, entscheidet jeweils der Fahrer nach eigenem Ermessen. Ausschlaggebend dafür sei nur jeweilige Belegungssituation auf den gekennzeichneten Flächen für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste im Fahrzeug.

Da die Vip-Busse speziell für den Einsatz im Stadtgebiet ausgelegt seien, könnten sie besonders bei der Innenausstattung nicht immer mit den Überlandbussen der Havelbus-Verkehrsgesellschaft verglichen werden, so Klotz.

Von Heinz Helwig

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Einige Busfahrer verweigern Beförderung

Günther Sommermeier hatte vor einer Woche auf ein Problem aufmerksam gemacht: Einige Busfahrer weigern sich, den Potsdamer Rollstuhlfahrer mitzunehmen –  trotz eines entsprechenden Aufklebers am Fahrzeug. Die Begründung der Havelbus-Verkehrsgesellschaft will er nicht gelten lassen.

mehr
Mehr aus Potsdam
dfdbc0d4-af48-11e7-b225-97bf4e5da6db
Potsdam – damals und heute

Zeitreise durch Potsdam: Anhand von historischen und aktuellen Aufnahmen zeigt die MAZ, wie sich die Stadt Potsdam verändert hat – und was wieder aufgebaut wurde. Besuchen Sie mit Klick durch die Galerie Potsdams markante Ecken – damals und heute.

Die Karikaturen des Potsdamers Hafemeister

Jörg Hafemeister karikiert seit Jahren die Potsdamer Lokalpolitik. Nun hat er immer mittwochs seinen festen Platz im Potsdamer Stadtkurier. Wir zeigen an dieser Stelle alle Karikaturen.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg