Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Lieber bunt durch den Winter?
Lokales Potsdam Lieber bunt durch den Winter?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:15 15.02.2019
Seit über 120 Jahren werden die Skulpturen im Park Sanssouci in der Winterzeit geschützt. Was sich wie hier am Neuen Palais dahinter verbirgt, bleibt in dieser Zeit ein Rätsel. Quelle: Birka Pannicke
Park Sanssouci

An einem trüben Tag im vergangenen November spazierte Roman Lindebaum durch den Park Sanssouci. „Überall begegneten mir diese Kisten und bei jeder stellte ich mir die Frage, was sich denn genau dahinter verbirgt. Ich wusste es nicht und dachte mir: Hier stehen überall Geheimnisse herum“, sagt Lindebaum.

Der Potsdamer Tischler und Kommunikationsdesigner war sich bewusst, dass hinter den Einhausungen Skulpturen aus Marmor und anderen Materialien verborgen waren – doch welcher Gott hält tatsächlich seinen Winterschlaf in dieser oder jener Schutzhütte?

Melancholische Ästhetik oin der Winterstarre des Parks

Gemeinsam mit den befreundeten Künstlern Birka Pannicke und Tobias Koch bildet Lindebaum das KünstlerkollektivDreimeterturm“. Aus dem trüben Spaziergang entwickelten sie das farbenfrohe Projekt „preußisch-blau“, das derzeit im Kunstraum in der Schiffbauergasse gezeigt wird.

„Es geht uns gar nicht darum, diese Holzhütten zu kritisieren. Das Grau hat eine besondere Melancholie und Ästhetik“, sagt Lindebaum. Aber gemeinsam mit einem guten Dutzend weiterer Potsdamer Künstler entwickelten sie vielfältige und teils sehr moderne Ideen für die Einhausungen des Parks.

Die Ausstellung „Eine Frage der Zeit“ ist noch bis Sonntag im Kunstraum in der Schiffbauergasse zu sehen. Darin zeigen auch die Künstler Birka Pannicke und Roman Lindebaum ihre Ideen für die Einhausungen im park Sanssouci. Quelle: Bernd Gartenschläger

Viele der Künstler interpretierten die äußere Gestaltung der hölzernen Einhausungen neu. Julia Brömsel malte die Gesichter der Figuren in dem ihr eigenen, bunten Stil auf das Holz. Anne-Kathrin Fehrmann war von der Winterruhe und dem Prozess des Einschlafens inspiriert und malte Figuren, die gerade eindösen und wieder erwachen. Patricia Vester beschäftigte sich im sogenannten Mohrenrondell, das mit seinen schwarzen Diener-Büsten aus den meist weißen Figuren heraussticht, mit dem europäischen Kolonialismus.

Ein Entwurf für eine mögliche Gestaltung. Quelle: Birka Pannicke

Mit pädagogischem Anspruch ging die Designerin Brigitta Bungard heran, die in einer Mischung aus Hörspiel und Audio-Guide den Parkbesucher per QR-Code aufklären will, was sich tatsächlich für Figuren hinter den Brettern verbergen.

Stiftung tut sich schwer angesichts des Gesamtkunstwerks Sanssouci

„Wir tun uns schwer mit dem Projekt“, sagt Heinz Buri, der Marketingchef der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), auf Anfrage. Der Park sei Gesamtkunstwerk, „auch im Winter“, wo die grauen Boxen zur „kontemplativen Winterstarre des Parks“ beitragen würden. Zudem betrachtet man die Einhausungen als integralen Bestandteil des Gartendenkmals mit einer eigenen „Tradition seit mindestens 120 Jahren“, so Buri.

Die Macher des Projekts „preußisch-bunt“ hatten Vertreter der Stiftung auch zum Gespräch geladen, doch die Einladung sollte unerwidert bleiben.

Erst am Ende des Winters werden die Figuren wieder „ausgehaust“ – so wie hier am Neuen Palais. Quelle: Bernd Gartenschläger

Buri lehnt auch die Neugestaltung vereinzelter Einhausungen ab und führt dabei neben den ästhetischen auch konservatorische Bedenken an. „Jede Skulptur hat ihre eigene Einhausung, die regelmäßig überarbeitet wird. Es hängt viel an diesen Brettern“, so Buri.

„So etwas muss mit Restauratoren und den Gartendenkmalpflegern abgestimmt werden. Das ist auch eine Frage der Ressourcen und der Ökonomie und dafür bin ich von dem Projekt zu wenig überzeugt, auch wenn es insbesondere gegenüber regionalen Künstlern eine tolle Geste wäre“, sagt der Marketingchef.

Stiftung hat App durch den Park geplant, die auch die Skulpturen umfasst

Die Frage des Rätsels und des Mehrwerts für Besucher, die im Winter erfahren wollen, was sich hinter den Kisten verbirgt, ignoriert Buri nicht. „Es gibt ein Erkenntnisinteresse der Besucher, aber das werden wir anders lösen“, kündigt Buri an. Die SPSG arbeite an einer übergeordneten Park-App, einem größeren Projekt, dass frühestens in „zwei oder drei Jahren“ fertig sei. Die kostenlose App soll sowohl Inhalte in den Schlössern als auch in den Parks der Stiftung vermitteln.

Es könnte auch knallig werden. Quelle: Birka Pannicke

Ausstellung noch bis Sonntag geöffnet

Lindebaum und seine Mitstreiter haben mit der Skepsis gegenüber der äußeren Neugestaltung gerechnet. „Die Realisierung unserer Ideen war eine Utopie. Uns war bewusst, dass wir uns keine Hoffnung machen dürfen. Aber mit der Vielfalt, die wir im Kunstraum zeigen, haben wir auch etwas erreicht“, sagt Lindebaum. Mit den App-Ideen der Stiftung kann er gut leben – die Einhausungen werden dann nicht mehr zum Rätsel. „Sie nehmen uns dann nicht mehr den Blick, sondern geben dem Betrachter auch etwas zurück“, sagt er.

Ausstellung „Eine Frage der Zeit“

Noch bis zum Sonntag wird im Kunstraum Potsdam in der Schiffbauergasse die Ausstellung „Eine Frage der Zeit“ gezeigt. Die Schau versammelt Werke von 27 Künstlern aus dem Kreativhaus Rechenzentrum in der Innenstadt.

Geöffnet ist der Kunstraum von Mittwoch bis Sonntag, jeweils von 13 bis 18 Uhr.

Eine Finissage der Ausstellung findet bereits am Sonnabend ab 19 Uhr statt. Dabei werden zwei Performances aufgeführt: „Die Küche“ von Yeni Harkanyi und Bianca Baalhorn handelt von der kulturgeschichte der Küche als Kern der menschlichen Gesellschaft.

Die Performance „Auf Abwegen“ des Theaterkollektivs Fritzahoi! zeigt Motive aus Theodor Fontanes Werken zum Thema Heimat und ist eine Vorschau auf ein mobiles Theaterstück im Fontanejahr 2019.

Von Peter Degener

Cornelia Merkel (51) erkrankte vor zwei Jahren an Brustkrebs – in einem Kosmetik-Seminar, speziell für Krebspatientinnen, lernen Frauen, wie sie sich wohler und schöner fühlen können.

15.02.2019

Brandenburgs früherer Bischof Wolfgang Huber (76) beklagt, dass gesellschaftliche Debatten zu eng geführt werden und so einen offenen Dialog blockieren. Im MAZ-Interview spricht der Theologe über den Frauentag als Feiertag, die Scham der SPD über die Agenda 2010 und die Garnisonkirche in Potsdam.

12.02.2019

Ist eine Lösung in Sicht? Laut Geschäftsführer Tank gibt es im Streit um die Kleingartensiedlung Angergrund in Potsdam-Babelsberg „Zugeständnisse“, aber auch „erhebliche Forderungen“ der Bauträgergesellschaft an die Stadt.

15.02.2019