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Potsdam: Stadtwerke-Chef ist zurückgetreten

Stadtwerke-Affäre um Wilfried Böhme Potsdam: Stadtwerke-Chef ist zurückgetreten

Schwere Krise bei den Stadtwerken Potsdam: Wilfried Böhme, Geschäftsführer der Stadtwerke und der Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP), ist am Freitag mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Böhme bedauert seinen Schritt, hält ihn aber für notwendig. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hofft auf einen Neuanfang.

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Wilfried Böhme.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Die Skandale bei den Potsdamer Stadtwerken fordern ein weiteres Opfer: Wilfried Böhme, Geschäftsführer der Stadtwerke Potsdam und der Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) ist am Freitag mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Das bestätigten am Abend die Stadtwerke und die Stadt Potsdam. Als erstes hatte die MAZ darüber berichtet.

Dies geschehe, „um Schaden vom Unternehmenskonzern abzuwenden und einer objektiven Sachverhaltsprüfung nicht im Wege zu stehen“, teilten die Stadtwerke mit.

„Stets gewissenhaft und loyal“

Wilfried Böhme bedauert seinen Rücktritt, hält „ihn aber für geboten, damit einer weiteren positiven Unternehmensentwicklung nichts im Wege steht“. Böhme erklärte in einer Pressemitteilung, er habe „immer mit großem Einsatz“ und „stets gewissenhaft und loyal“ seine Aufgabe wahrgenommen. „Die derzeit gegen mich erhobenen Vorwürfe lassen es augenblicklich aber nicht zu, das Unternehmen so weiterzuführen, wie es jetzt geboten erscheint. Ein Neuanfang scheint ratsam“, so Böhme.

OB Jakobs: Stadtwerke kein „Ramschladen“

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sagte am Abend vor der Presse, Böhmes Rücktritt sei vor dem Hintergrund der Vorwürfe der richtige Schritt. Die Untersuchungen dauerten aber noch an. Jakobs hoffe auf einen Neuanfang bei den Stadtwerken.

Am Montag tagt der Hauptausschuss

Er gab bekannt, dass am Montag der Hauptausschuss zu einer nichtöffentlichen Sondersitzung zusammenkommen werde. Die Stadtwerke seien kein „Ramschladen“, sondern ein sehr erfolgreiches Unternehmen. Bedauerlicherweise gebe es immer wieder Führungsprobleme.

Vorwurf der Vetternwirtschaft

Wilfried Böhme zieht damit die Konsequenz aus den Vorwürfen der Vetternwirtschaft. Er soll selbst das Finanzamt informiert haben – wegen eines gut dotierten Vertrags seines Schwagers bei einer Tochterfirma der Stadtwerke. Die Behörde soll aber schon Bescheid gewusst haben. Es geht um den Tatbestand der Scheinselbstständigkeit, weil die Potsdamer Bauschlosserei des Schwagers ausschließlich für die Energie und Wasser (EWP) gearbeitet haben soll. Der Werkvertrag soll zwischen 2011 und Mitte 2015 bestanden haben. In einer internen E-Mail an die Mitarbeiter erklärte Böhme den Schritt. Er kam damit auch einer Suspendierung zuvor. Die Finanzbehörden haben Steuerermittlungen eingeleitet. Mit Verweis auf das Steuergeheimnis gibt das Finanzministerium keine Auskunft zu dem Fall.

Anzeige der Stadtwerke wegen Geheimnisverrats

Auch die Stadtwerke hatten Strafanzeige erstattet – wegen Geheimnisverrats gegen unbekannt. Unter anderem soll es darum gehen, wer Interna und möglicherweise auch das Steuergeheimnis verraten hat.

Wer tritt die Nachfolge von Böhme an?

Anfang Juni hatte Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) noch bekannt gegeben, er wünsche trotz der zahlreichen Affären eine Vertragsverlängerung für Böhme um zwei Jahre. Er vertraue Böhme, sagte er zur MAZ. Unterschrieben war die Verlängerung noch nicht. Wer Böhmes Nachfolge antreten könnte, ist unklar. Vor fünf Jahren hatte Geschäftsführer Peter Paffhausen nach den damaligen Stadtwerke-Affäre seinen Posten niedergelegt. Bürgermeister und Kämmerer Burkhard Exner (SPD) hatte interimsweise im Nebenamt die Führung der Stadtwerke übernommen. Inzwischen ist er Aufsichtsratschef des Konzerns. Nun sollen vorübergehend Prokuristen die Geschäfte in der Holding führen. Bei den Stadtwerken soll ihre Zahl von zwei auf drei bis vier, bei der EWP von einem auf zwei erhöht werden. Dann würden die Stellen ausgeschrieben und mit Hilfe einer Personalberatungsfirma neu besetzt, kündigte Jakobs an. Ob Böhme eine Abfindung bekommt oder sein Gehalt weiter bezahlt bekommt, ließ er offen.

Wilfried Böhme – Jahrgang 1951 – feiert im Oktober seinen 65. Geburtstag. Seit Mai 2011 war er Geschäftsführer des Stadtwerke-Tochterunternehmens EWP. Seit Anfang 2012 war er zudem Geschäftsführer des gesamten Stadtwerke-Unternehmensverbunds. Sein Vertrag endet Ende März 2017.

Die vierte Personaländerung in kurzer Zeit

Böhmes Rücktritt ist die vierte gravierende Personaländerung bei den Stadtwerken in kurzer Zeit. Ende Mai gab der Chef der Verkehrsbetriebe, Martin Grießner, seinen Abschied zum Jahresende bekannt. Am 9. Mai hatte die Suspendierung von zwei Geschäftsführern von Stadtwerke-Tochterunternehmen – Enrico Munder (Stadtentsorgung) und Holger Neumann (EWP) – für Wirbel gesorgt. In ihrer gemeinsamen Zeit als Step-Doppelspitze sollen die beiden den sehr hoch dotierten Arbeitsvertrag einer Mitarbeiterin unterschrieben haben, ohne dazu durch einen Gesellschafterbeschluss ermächtigt gewesen zu sein.

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Von MAZonline, Marion Kaufmann

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