Volltextsuche über das Angebot:

34°/ 21° Gewitter

Navigation:
184 Hinweise und keine heiße Spur zu Elias

Kritik vom Bund Deutscher Kriminalbeamter 184 Hinweise und keine heiße Spur zu Elias

Der sechsjährige Elias aus Potsdam ist seit Mittwoch verschwunden. Spurlos. Ungebrochen stark ist die Solidarität der Potsdamer. Freiwillige Helfer unterstützten die Polizei auch am Samstag bei der Suche. Inzwischen sind 184 Hinweise eingegangen und die Ermittler wurden aufgestockt - noch ohne Erfolg.

Potsdam, Schlaatz 52.376207 13.095489
Potsdam, Schlaatz Mehr Infos
Nächster Artikel
Elias vermisst: Der Schlaatz ist solidarisch

Die Suche nach Elias geht auch am Sonnabend weiter.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Der 6-jährige Elias aus Potsdam wird die vierte Nacht in Folge nicht in seinem eigenen Bett im Schlaatz schlafen. Die Suche nach ihm ist nach Freitag auch am Samstag ergebnislos geblieben. Die Hoffnung jedoch bleibt. "Wir wollen ihn lebend finden", sagt Polizeisprecher Heiko Schmidt. Deshalb war die Suche auch am Samstag mit deutlich mehr Bereitschaftspolizisten und Kriminalisten weiter gegangen. Mehr als 180 Hinweise liegen der Polizei vor - die Zahl wird weiterhin ständig nach oben korrigiert. Am Samstagmorgen waren es noch 125 Hinweise. Den ganzen Tag durchsuchten Beamte die Laubenkolonien im Schlaatz, aber auch in angrenzenden Gebieten. Indes übt der Bund Deutscher Kriminalbeamter Kritik an der Gesellschaft.

Viele Helfer suchen nach dem 6-Jährigen aus Schlaatz. Das Youtube-Video zeigt, wie sich die Potsdamer solidarisch zeigen. Diese Solidarität bringt Hoffnung - unter den Helfern, aber auch für die Familie, meint MAZ-Reporter Ulrich Wangemann.

Das ist seit Mittwoch passiert

  • Elias ist am Mittwochabend im Wohngebiet Schlaatz zuletzt gesehen worden. Er war auf einen Spielplatz in Sichtweite seiner Wohnung gegangen, kam aber nicht wie verabredet zurück.
  • Gegen 19.15 Uhr hat die Mutter die Polizei verständigt, kurz danach lief die Suchaktion an.
  • Mit jeweils 150 Personen hat die Polizei am Mittwoch, Donnerstag und Freitag nach Elias gesucht.
  • Der Polizei liegen derzeit über 180 Hinweise vor.
  • Die Polizei glaubt nicht an ein Verbrechen, kann es aber auch nicht ausschließen.

Die Suche nach Elias war am Freitag in die dritte Nacht gegangen. Nach Einbruch der Dunkelheit werteten Ermittler Spuren aus und überprüften Hinweise, sagt Polizeisprecher Heiko Schmidt. Am Sonnabend gab es immer wieder Einsatzbesprechungen, so Polizeisprecherin Jana Birnbaum. Die erste hat bereits um 6 Uhr stattgefunden. Dabei wurden die Ergebnisse der Hinweisüberprüfung durchgegangen. "Wann immer sich etwas Neues ergibt, kommen wir zusammen", so Birnbaum. Man habe mittlerweile das Gefühl, jeden Stein umgedreht zu haben. Der Einsatz eines Spürhundes brachte keinen Erfolg. Deshalb setze man alles auf die Hinweise der Bürger und werte sie akribisch aus. 

Intern gibt es deutlich mehr Ermittler

Samstag wurden sämtliche Kleingartenanlagen im Schlaatz kontrolliert und Personen befragt, die in den vergangenen Tagen nicht angetroffen wurden. Auch scheuten sich die Beamten nicht, erneut intensivere Befragungen vorzunehmen. Im Einsatz vor Ort blieb es bei der gleichen Mannschaftsstärke, intern gibt es inzwischen aber deutlich mehr Ermittler. Eine Zahl wollte Jana Birnbaum nicht nennen. Es sei aber eine kriminalistische Arbeit bis ins kleinste Detail. Vor allem die Videoauswertung nehme viel Raum ein. Sowohl von Tankstellen, Supermärkten, Bussen und Bahnen habe man Aufnahmen sicher gestellt. Sobald ein Hinweis aus der Bevölkerung eingeht, werden die Aufnahmen mit den Aussagen abgeglichen. Gleichzeitig überprüfen Polizisten den Hinweis vor Ort.

Einige Stellen, etwa die Nuthe, waren am Freitag bereits zum wiederholten Male durchsucht worden. Die Nuthe liegt in der Nähe vom Wohngebiet Schlaatz, wo Elias mit seiner Familie wohnt. Der Fluss wurde vom Schlaatz bis zur Mündung in die Havel abgesucht - ohne jede Spur.

Dreimal soll Elias gesehen worden sein

Bis Samstagabend sind 184 Hinweise eingegangen. Man gehe allen nach, sagte Schmidt. „Sehr viele Leute an unserem Kontakttelefon glauben, Elias gesehen zu haben, einige am anderen Ende der Stadt, einer sogar in Berlin“, sagt Polizeisprecherin Jana Birnbaum. Jedem auch noch so unwahrscheinlichen Hinweis werde nachgegangen, es gebe aber immer noch keine brauchbare Spur. „Es gibt auch kein Spurenaufkommen, null“, sagt Birnbaum. Man habe Baustellen und alte Lüftungsrohe abgesucht, alles war verschlossen.“ Trotzdem ließ man die Verdachtsstellen aufschließen, vergeblich: „Keine Decken, keine Stoffreste, nichts.“ Auch alle bekannten Räume ohne aktuelle Nutzung wurden mit Hilfe der Wohnungsgesellschaften in Augenschein genommen: Keller, Dachböden, unvermietete Wohnungen.

a2248d10-271f-11e5-90a7-f303859b9d6f

Auch am Freitag ist weiter nach Elias gesucht worden. Von dem Jungen fehlt weiterhin jede Spur. Auch am Freitag haben sich neben der Polizei wieder hunderte Freiwillige an der Suche beteiligt.

Zur Bildergalerie

Am Freitag gab es mehrmals die Meldung, dass Elias im Schlaatz gesehen wurde. Diese Hinweise hätten sich aber nicht bestätigt, sagte Schmidt. Die Suche nach Elias wird laut Schmidt so lange in der Intensität der vergangenen Tage weitergeführt, so lange es Hinweise gebe. Das bedeute, dass einige Gebiete durchaus mehrmals durchsucht werden.

Kritik vom Bund Deutscher Kriminalbeamter

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat nach dem Verschwinden des kleinen Elias in Potsdam das Desinteresse von Passanten und Spaziergänger kritisiert. „Das ist leider auch ein Phänomen unserer Gesellschaft: die Gleichgültigkeit, dass man nicht guckt, wenn Kinder allein unterwegs sind oder angesprochen werden“, sagte der Vize-Vorsitzende der Kriminalbeamten, Ulf Küch.

„Das hätte auch in diesem Fall beobachtet werden müssen, aber ist es nicht. Das ist ein Phänomen, das wir immer wieder beobachten: Dass Menschen, die eigentlich etwas sehen müssten, das nicht zur Kenntnis nehmen.“ Küch forderte alle Eltern auf, den Nachwuchs zu warnen. „Man muss die Kinder aufklären und ihnen erklären, was passieren kann. Ein gesundes Misstrauen gegenüber Fremden ist gut. Aber übertreiben sollte man das nicht. Das ist eine Gratwanderung.“

Polizei nimmt Hinweise auf Facebook ernst

Die Polizei behält bei der Suche nach Elias auch Facebook im Auge. Wenn es dort Hinweise gebe, werde diesen nachgegangen, sagte Schmidt. Er sei weiter froh, dass sich so viele Potsdamer engagieren. "Das Schicksal von Elias geht vielen nahe", sagt er. Die Polizei arbeitet bei der Suche nach Elias auch mit den freiwilligen Helfern zusammen. So koordiniere man die gemeinsane Suche, gebe sich Tipps und spreche sich ab. Allerdings, sagt Schmidt, würden die Anwohner nicht die Polizeiermittlungen ersetzen. Konkret: Orte, die von Freiwilligen abgesucht wurden, würden selbstverständlich auch von der Polizei überprüft.

b74b8864-263a-11e5-90a7-f303859b9d6f

Seit Anfang Juli wird in Potsdam nach dem 6-jährigen Elias gesucht. Viele Anwohner und besorgte Eltern beteiligten sich an der Suche. Die Polizei setzte unter anderem einen Hubschrauber für die Suche ein.

Zur Bildergalerie

Mehrmals Aufregung am Freitag

Am Freitag hatten gleich mehrere Hinweise für Aufregung bei Polizei und Helfern gesorgt. Ein Anwohner meldete etwa ein verdächtiges Kleidungsstück, ein weiterer Zeuge wollte Elias im REWE-Supermarkt nahe des Stadtteilzentrum gesehen haben und zu guter letzt gab es Hinweise, dass Elias ganz in der Nähe seiner Wohnung im Inselhof gesehen wurde. Alle Hinweise bestätigten sich nicht.

Polizei setzt auf erneuten Fahndungsaufruf

  • Wer hat sich am Mittwoch (8. Juli 2015) zwischen 15 Uhr und 19:15 Uhr im Bereich des Inselhofes auf den dortigen Spielplätzen und/ oder Grünanlagen aufgehalten?
  • Wer hat Elias seit 15 Uhr gesehen?
  • Waren Kinder am Nachmittag dort, die mit dem kleinen Elias gespielt und sich mit ihm unterhalten haben?
  • Hat Elias gesagt, ob er noch an einem anderen Ort spielen wollte?
  • War Elias vielleicht noch auf einem anderen Spielplatz?
  • Haben andere Eltern oder Spaziergänger den Jungen am Nachmittag vor seinem Verschwinden dort gesehen?
  • TELEFON : 0331 5508 1108

Die Polizei bittet alle Eltern mit ihren Kindern zu sprechen, ob sie vielleicht Elias gesehen haben. Jeder Hinweis ist wichtig und jeder Information wird nachgegangen, so Jana Birnbaum. Auch die Mutter Anita S. hofft auf den entscheidenen Hinweis. Sie ist mehrfach unter Tränen zusammen gebrochen.

Wieder hunderte Helfer unterwegs

Auch die vielen, vielen freiwilligen Helfer geben nicht auf. Über Facebook verabreden sich Dutzende, um die Umgebung zu durchsuchen. Auch aus Berlin haben sich für die Suche am Samstag wieder Helfer angemeldet. Zudem wurden wieder neue Flyer gedruckt. Schon am Freitag hatten sich im Schlaatz Freiwillige zusammengefunden. Für die Versorgung vor Ort war gesorgt, aber man sei immer noch dankbar für (heiße) Getränke, Verpflegung, Warnwesten und Taschenlampen.

Freitagmittag stand dann auch ein Koordinierungsstützpunkt bzw. eine Versorgungsstelle am Bürgerhaus Schlaatz. Getränke und Essen waren zunächst ausreichend vorhanden, Pflaster und Verbandmaterial fehlten dagegen, hieß es gegenüber MAZonline.

Die Polizei hatte am Freitagmorgen kurz nach 8 Uhr ihre Suchmaßnahmen fortgesetzt. Beamte klingelten an Haustüren, befragten Anwohner und sprachen Passanten an. Währenddessen begann im Schlaatz die Schule.

Einige Mütter und Väter brachten ihre Kinder zur Schule. Jörg Hoffmann (55) sagte gegenüber der MAZ, dass nach dem Verschwinden von Elias im Kiez "viel, viel Angst" herrscht. Seine siebenjährige Tochter und deren Freundin bringe er daher lieber zur Schule und werd sie später auch wieder abholen.

Die Facebook-Gruppe "Suche Elias" ist längst auf über 12.000 Mitglieder angewachsen. Immer noch bieten hilfsbereite Menschen ihre Hilfe an.

Über Facebook wurden Treffpunkte für freiwillige Helfer eingerichtet

Freiwillige Helfer sind bei den Suchtrupps jederzeit willkommen.

Hilfe von allen Seiten

Gastronomen, Supermärkte und Privatpersonen sorgen indes für die Versorgung der Freiwilligen. Der ADAC spendete schon am Donnerstag Hunderte Warnwesten, damit die freiwilligen Helfer nachts besser gesehen werden. Bereits am Donnerstag gab es großes Lob für dieses Engagement. "Das ist beeindruckend", sagt Polizeisprecher Heiko Schmidt. So etwas habe er noch nicht erlebt.

Von MAZonline

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Polizei lobt Engagement der Potsdamer
Polizisten und auch Potsdamer suchten die ganze Nacht nach dem kleinen Elias.

Seit Mittwochabend wird der 6-jährige Elias aus Potsdam vermisst. Die Suche nach ihm ist bislang erfolglos - aber auch ein Beispiel dafür, wie eine Stadt zusammenstehen kann. Hunderte Anwohner unterstützen die Polizei. Bislang gibt es 40 Hinweise, wo Elias sein könnte. Allein - konkrete sind nicht darunter.

mehr
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg