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Potsdam TV nimmt Killerspiel aus Programm

Counter Strike bei kirchlichem Sender Potsdam TV nimmt Killerspiel aus Programm

Ähnlich wie Pro Sieben reagiert der Potsdamer Lokalfernesehsender Potsdam-TV auf den Amoklauf von München: Er setzt eine Computersendung ab, die Expertentipps zum umstrittenen Gewaltspiel Counter-Strike gibt. Zuvor hatten sich Zuschauer bei dem evangelischen Sender über das Nachtprogramm beschwert.

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Quelle: Screenshot

Potsdam. Nach den Gewalttaten von München, Würzburg und Ansbach hat der Potsdamer Fernsehsender Potsdam-TV (PTV) die Ausstrahlung einer Computersendung mit Expertentipps zum umstrittenen Gewaltspiel Counter-Strike aus dem Programm genommen. Nach kritischen Hinweisen von Zuschauern sei die Sendung Game-Night, die als „Einspielung eines Fremdprogramms“ ab 22 Uhr auf PTV gesendet wird, abgesetzt worden, teilte die Senderleitung via Facebook mit. Zuvor hatte bundesweit schon der Sender Pro-Sieben/Maxx bundesweit die Übertragung der Counter-Strike-Finalrunde in der US-Spieleliga gestoppt.

Counter-Strike-Experten zeigten Tricks im Nachtprogramm

Auf Potsdam-TV zeigten Profi-Spieler in den Tagen nach dem Münchener Amoklauf ihr Können und gaben Tipps, wie man in den verschiedenen Schwierigkeitsklassen weiter kommt. Der fachmännische Kommentar zur Wahl der Waffen und taktischen Varianten glitt bisweilen in ein lobendes „sauber!“ ab, wenn ein Gegner blutspritzend in einem Festungsgemäuer zur Erde sank.

Kontroverse um ein Killerspiel

Kontroversen um Counter-Strike, eins der beliebtesten Killerspiel weltweit, gibt es seit dessen Erstauflage im Jahr 1999, Der Winnenden-Amokläufer Tim K. (2009) nutzte das Ego-Shooter-Programm, ebenso der Erfurter Schüler-Mörder Robert S. (2002) und der Emsdetten-Schütze Sebastian B. (2006). Die realistische Darstellung von Kommando-Aktionen erfolgt aus der Perspektive des Spielers, von ihm ist nur die vorgehaltene Waffe zu sehen. Das Spiel darf nur an Menschen ab 16 Jahren vertrieben werden, indiziert ist es nicht. Mehr als 25 Millionen Menschen haben das Spiel gekauft.

David S., Attentäter von München, gehörte nach Angaben von Ermittlern zu einer „Counter-Strike-Clique. Bundesinnenminister Thomas De Maizière (CDU) hatte nach der Bluttat die Debatte über die Gefährlichkeit solcher Killerspiele und die Wirkung auf die Psyche Jugendlicher aufgegriffen, von einem „unerträglichen Ausmaß“ von Spielen wie Counter-Strike sowie deren schädlichen Wirkung auf die Entwicklung von Jugendlichen“ gesprochen.

Sendung ist fremdproduziert

Einige Wissenschaftler wiederum bezweifeln, dass Killerspiele junge Menschen automatisch gewalttätig machen. In der Facebook-Erklärung von Potsdam-TV heißt es deshalb auch, es gebe „zum Thema Shooterspiele viele verschiedene Meinungen – sowohl in der Politik wie unter Wissenschaftlern und Medienexperten“.

Potsdam-TV gehört der evangelischen Hoffbauer-Stiftung, die ein anerkannter Träger von Privatschulden – etwa dem Gymnasium Hermannswerder – ist. Den Lokalsender hatte die Organisation 2012 übernommen, um ihn vor der Pleite zu retten. Die Stadt Potsdam steuert über Aufträge ihrer Tochterfirmen wie Klinikum Ernst von Bergmann und Bauholding Pro Potsdam erhebliche Teile des Senderbudgets bei. Aus Kostengründen kann der Sender nicht rund um die Uhr eigene Produktionen senden und greift deshalb auf Fremdmaterial zurück – dazu gehört „Game Night“.

Sender-Chef kündigt kritische Auseinandersetzung an

Im Tagesprogramm strahlte Potsdam-TV in den Tagen nach dem Münchener Attentat eine große Straßenumfrage zum Thema „Gewalt und Terror – Wie gehen Sie damit um?“ mit Passanten von der Brandenburger Straßen aus. Hoffbauer-Geschäftsführer Frank Hohn kündigte der MAZ gegenüber an, in den kommenden Tagen werde die PTV-Redaktion das Thema Computerspiel und Gewalt aufgreifen. Hohn bedankte sich bei allen, die sich kritisch mit dem Programm auseinandersetzten.

Bei den Facebook-Usern stößt der Rückzieher der Senderleitung auf ein geteiltes Echo. Einer schreibt: „Nette Zensur, fast wie in der Türkei...“

Von Ulrich Wangemann

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