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Potsdams Kreativszene will ins Rechenzentrum

Altes Bürogebäude kein Hindernis für Garnisonkirche Potsdams Kreativszene will ins Rechenzentrum

Die Kunst- und Kreativszene in Potsdam drängt zum Rechenzentrum. Schon bald wir das einstige Bürogebäude leerstehen. Weitergehende Nutzungspläne liegen noch nicht vor. Warum also nicht? MAZ-Autor Volker Oelschläger warnt vor Leerstand in der Innenstadt. Dem Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche stünde das Gebäude jedenfalls nicht im Weg.

Das Rechenzentrum an der Ecke Breite Straße / Dortustraße 52.395631 13.053494
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Das Rechenzentrum mit dem bekannten Mosaik.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. „Es wäre viel besser, wenn man das Rechenzentrum stehen ließe und sagte: Nun macht mal“, sagte der Fachhochschul-Professor für Kulturarbeit Hermann Voesgen am Donnerstagabend im Kulturausschuss. In einer Debatte über kulturpolitische Leitlinien warf er der Stadt Potsdam vor, die Kreativwirtschaft zu verdrängen. Vorrang habe „das Schließen von Wunden“ und die Wiederherstellung historischer Straßenzüge.

Voesgen verwies auf das Kulturquartier Schiffbauergasse, dessen Flächen nicht ansatzweise genutzt würden. Wenige Container auf den weitläufigen Parkplätzen genügten für eine Vielzahl junger Unternehmen. Ein Versuch der Fachhochschule, in Gewerberäumen im Altbau an der Friedrich-Ebert-Straße zeitweilig Arbeitsplätze und Infrastruktur für 40 bis 50 junge Kreative einzurichten, sei von Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) verhindert worden. Bekanntlich will die Bauverwaltung den Block schnellst möglich abreißen, um Baufreiheit für die Rekonstruktion eines weiteren Abschnitts der Stadtmitte zu schaffen. Der 500-Quadratmeter-Raum steht leer, die Räume nebenan werden für den Hochschulsport und von der Galerie Sperl genutzt.

Für das fünfgeschossige Bürogebäude des Rechenzentrums an der Breiten Straße gibt es nach dem geplanten Freizug in der ersten Jahreshälfte noch keine weitergehenden Nutzungspläne, so Klipp auf Anfrage. Das um 1970 errichtete Haus mit dem markanten Mosaikband „Mensch bezwingt Kosmos“ von Fritz Eisel soll zusammen mit dem benachbarten Flachbau des Rechenzentrum abgerissen werden, der aber frühestens 2017 freigezogen wird. Bekanntlich wollte die Rathausspitze in der Zwischenzeit die Fachhochschule vom Alten Markt in den Verwaltungsbau umsetzen, um den Abriss des alten FH-Gebäudes zu beschleunigen. Der Plan scheiterte jedoch am Widerstand der Fachhochschule.

Das Mosaikband "Mensch bezwingt Kosmos“ von Fritz Eisel soll auf dem Gelände der Stadtverwaltung eine neue Heimat finden. Mögliche Plätze wären Umfassungsmauern oder Giebel auf dem Campus, sagte Bürgermeister Burkhard Exner. Das Mosaik befindet sich derzeit noch am Rechenzentrum in der Breiten Straße, das aber demnächst für den Wiederaufbau der Garnisonkirche vollständig abgerissen wird.

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Beim Abriss des Rechnenzentrums rechnet die Verwaltung mit Kosten von gut 1,7 Millionen Euro. Das Verschwinden des Flachbaus soll 970.000 Euro kosten, für die Entsorgung des Bürogebäudes sind 730.000 Euro veranschlagt. Der Hauptgrund für den Abriss dieses Baus könnte mit dem von Gesprächsführern wie Manfred Stolpe und Paul Oestreicher favorisierten Kompromiss zum Wiederaufbau der Garnisonkirche allerdings entfallen, nach dem nur der Kirchturm aufgebaut würde.

Der Turmbau wäre auch ohne Abriss möglich.

Quelle: MAZ/ Scheerbarth

Der Flachbau des Rechenzentrum steht laut Klipp der Wiederherstellung der Plantage und dem Wiederaufbau des Langen Stalls im Wege. „Der Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche“ hingegen werde „nicht mal vom Verwaltungsgebäude des Rechenzentrums beeinträchtig, geschweige denn vom dahinter liegenden Rechenzentrum selbst“.

MAZ-KOMMENTAR

Schließt das Haus auf!

In fünf Jahren wird der mit seinem Mosaikband „Mensch bezwingt Kosmos“ populäre Verwaltungsbau des Rechenzentrums Geschichte sein, vielleicht reißt man ihn auch schon in drei Jahren ab. In wenigen Monaten soll das Gebäude freigezogen sein, ohne dass es bisher Pläne für die Übergangsnutzung gibt. Deshalb muss jetzt darüber gestritten werden, ob und was in der Zwischenzeit damit passiert. Gängige Stichworte sind ein temporäres Gründerzentrum, eine Kunsthalle auf Zeit in entkernten Räumen, Kreativ- und Lernwerkstätten wie das Extavium, Probe- und Übungsräume, Bühnen für große und kleinere Aufführungen, Orte der Hilfe und Begegnung für die Nachbarschaft. Nach dem Abriss des Verwaltungsbaus ist an seiner Stelle nichts geplant. Der potentielle Freiraum weicht einem Platz unter freiem Himmel. Ein Grund mehr, das Dach zu nutzen, so lange es noch da ist.

Von Volker Oelschläger

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