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Potsdam Potsdam-West öffnet die Tür für Asylbewerber
Lokales Potsdam Potsdam-West öffnet die Tür für Asylbewerber
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13:44 08.10.2013
Mehr als 100 Nachbarn sind zur Informationsrunde gekommen, für die die Stadt einen unabhängigen Moderator engagiert hatte. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Am Ende atmen viele auf. Das Informationsgespräch zur Aufnahme von Asylbewerbern im Stadtteil Potsdam-West ist in ruhigen Bahnen verlaufen, konstruktiv, ohne fremdenfeindliche Bemerkungen, ohne hässliche Szenen à la Berlin-Hellersdorf, wo Neonazis gegen ein Asylbewerberheim protestiert hatten. Dennoch haben die Menschen, die dort leben, wo im Dezember bis zu 70 Flüchtlinge ein neues Zuhause beziehen sollen, Sorgen und Fragen – und offenkundig auch Ängste. Mehr als 100 sind Montagabend in die Mensa der Sportschule gekommen, um mit der Sozialbeigeordneten Elona Müller-Preinesberger und anderen Vertretern der Landeshauptstadt zu reden. Einige zeigen sich verärgert, viele enttäuscht, dass die Stadt sie nicht früher in die Überlegungen einbezogen hat. Einige Besucher haben gar Bedenken dagegen, dass Asylbewerber Wohnungen an der Haeckelstraße beziehen sollen.

Etwa 70 Flüchtlinge ziehen an die Haeckelstraße. Quelle: Christel Köster

Die meisten Besucher der Info-Runde aber haben Fragen. Hier kommen die wichtigsten:

Welche Möglichkeit haben die Bewohner von Potsdam-West, die Flüchtlinge mit eigenen Ideen und Projekten ins Kiez-Leben einzubeziehen?
Kaum ein Stadtteil hat ein so vielfältiges, lebendiges Netzwerk wie Potsdam-West, findet Elona Müller-Preinesberger, die auf dieses Fundament bauen will. „Wir können ein bisschen mit Geld helfen.“25000 Euro stellt die Stadt für 2014 bereit, um Initiativen aus dem Kiez zu unterstützen. „Menschen, die im Stadtteil leben, sind besonders geeignet, Menschen im Stadtteil ankommen zu lassen.“

Wieviele Wohnungen werden für die Flüchtlinge bereitgestellt und für wie lange?
Insgesamt werden 20 Wohnungen für Flüchtlinge bereitgestellt: Drei-, Zwei- und Einraumwohnungen. Sie befinden sich im Block mit den Aufgängen 51 bis 59 und im Block 42 bis 50. In jedem Haus wird es eine Wohnung für die Sozialarbeiter geben, die die Flüchtlinge betreuen; sie soll nicht nur als Büro dienen, sondern auch als Raum für die Gemeinschaft. Rund um die Uhr soll ein Ansprechpartner vor Ort sein. Die Häuser in der Haeckelstraße sollten schon seit Jahren saniert sein, wurden aber wegen anderer Bauvorhaben zurückgestellt. Die Wohnungen stehen für zwei Jahre zur Verfügung.

Was passiert nach dieser Frist mit den Flüchtlingen?
Wie berichtet, soll auf einem städtischen Grundstück an der Heinrich-Mann-Allee ein Neubau entstehen. Elona Müller-Preinesberger betont, dass dort kein Asylheim im klassischen Sinn entsteht, sondern ein Verbund von Wohnungen. Sie geht davon aus, dass etliche Flüchtlinge gar nicht dort, sondern in eigene Wohnungen einziehen werden.

Wie sind die Wohnungen ausgestattet? Sind Spenden nötig?
Die Wohnungen sind mit dem Mindesten ausgestattet: mit Bett, Tisch, Schrank, Stühlen. „Spenden nehmen wir gern, um die Räume wohnlicher zu machen“, so Elona Müller-Preinesberger. Man wolle sich nun an Exvoto wenden. Der Verein betreibt einen Supermarkt für Einkommensschwache, in dem es Möbeln, Haushaltswaren und Bekleidung gibt.

Woher stammen die Flüchtlinge?
Nach Potsdam ziehen vor allem Flüchtlinge aus Tschetschenien, Serbien, Somalia und aus dem Tschad. Es handelt sich um Familien mit Kindern und um alleinreisende Mütter mit Kindern – darüber gibt es laut Elona Müller-Preinesberger „eine klare Absprache“ mit der zentralen Aufnahmestelle in Eisenhüttenstadt, von wo aus die Flüchtlinge im Land Brandenburg verteilt werden.

Warum bringt die Stadt Menschen so vieler verschiedener Kulturen in der Haeckelstraße unter und nicht aus nur einer Nation?
Elona Müller-Preinesberger räumt ein, dass eine Community ein Stück Sicherheit in der Fremde vermittelt und die Arbeit der Flüchtlingsbetreuer leichter macht. „Wir wollen aber nicht einen Stadtteil der Tschetschenen schaffen, einen der Somali und so weiter. Wir wollen ganz bewusst den anstrengenderen Weg der Integration gehen.“ Der Mix verschiedener Kulturen „fordert und fördert Rücksichtnahme“. Der Migrantenbeirat habe ausdrücklich davor gewarnt, „Ghettos“ zu schaffen.

Wird es jetzt noch schwerer, einen Kita- oder Schulplatz in Wohnortnähe zu bekommen? Wie werden Lehrer und Kindergärtner bei ihrer ohnehin schon anspruchsvollen Arbeit unterstützt?
Dieses Feld, räumt die Sozialbeigeordnete ein, muss noch einmal in aller Ruhe gesondert betrachtet werden. In der kommenden Woche fahre eine Kollegin nach Eisenhüttenstadt, um dort in Erfahrung zu bringen, wie alt die Kinder sind, die nach Potsdam ziehen – ob sie also einen Kita- oder Schulplatz benötigen. Danach könne man besser planen. Zudem sind Gespräche mit dem Schulamt geplant. Man suche ausdrücklich erfahrene Schulen, die das Angebot „Deutsch für Ausländer“ haben.

Von Nadine Fabian

Am 25. November soll eine nächste Info- und Gesprächsrunde stattfinden. Treffpunkt ist dann um 18Uhr die Aula der Zeppelin-Grundschule in der Haeckelstraße.

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