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Der verhinderte Investor in Potsdam

Aufbau der Alten Post gescheitert, Haus in der Dortustraße ungewiss Der verhinderte Investor in Potsdam

Daniel Panzer ist vielbeschäftigt und in seinem Beruf als Chirurg äußerst erfolgreich. Weniger Glück hatte er bisher als Bauherr in Potsdam. Beim Aufbau der Alte Post ist er abgeblitzt. Ob er nun ein Wohnhaus auf dem Areal des ehemaligen Stadtkanals bauen darf? Man darf gespannt sein. Aber er hat ja noch ein Ass im Ärmel.

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Dieses Grundstück mit leeren Garagen, Fernwärmetrasse und Straße hat Panzer vom Land gekauft.

Quelle: Rainer Schüler

Potsdam. Brustvergrößerungen und Bauchstraffungen sind sein Metier: Auch am Dienstag hatte Daniel Panzer im OP seiner Privatklinik in der Berliner Schlossstraße offenbar viel zu tun und war für die MAZ letztlich doch nicht zu sprechen. Der Mediziner gehört außerdem zum Team der chirurgisch-orthopädischen Praxis an der Alten Wache in Potsdam. Und er interessiert sich für Denkmalpflege und Immobilienentwicklung. Für ein Projekt in der Babelsberger Wollestraße hat er 2012 eigens eine Firma gegründet.

Während Panzer von überglücklichen Busenbesitzerinnen im Internet hauptsächlich Dankesgrüße erhält - "es war supernett" - hat er als Bauherr offenbar weniger Glück. Bekannt geworden in der Landeshauptstadt ist der Mediziner als verhinderter Investor für ein Ärztehaus an der Ecke Yorckstraße/Platz der Einheit. Wo früher das "Haus des Reisens" stand, wollte er das Gebäude der Alten Post mit historischer Fassade wiedererstehen lassen. Doch er kam nicht zum Zuge.

Nun will er als Eigentümer eines Grundstücks im Verlauf des zugeschütteten Stadtkanals in der Dortustraße durchstarten und ein Wohnhaus errichten (MAZ berichtete). Da ihm auch zwei Drittel der Straße in Richtung Havel gehören, würde das Vorhaben nicht nur die Restaurierung des Kanals blockieren. Der Eigentümer könnte auch die Zufahrt für Wassersportler und Kleingärtner zur Insel Obere Planitz einschränken. Nach Medienberichten verfolgt der Arzt mit der Stadtkanal-Blockade ein anderes Kalkül: Das Kanalgrundstück ist ihm ein Faustpfand, um ein Projekt auf dem Ex-Spezialbaugelände am Bahnhof Rehbrücke (Nuthetal) zu beschleunigen. Das Gebiet für Handel, Wohnen und Gewerbe unterliegt derzeit einer Veränderungssperre. Der Grund: "Die Neuerschließung ist nicht gesichert, so lange die Bahnübergänge offen sind", sagt Nuthetals Bauamtsleiter Rainer vom Lehn.

Seit 1998 wird um die Verlegung der stark frequentierten Landesstraße 78, die Potsdam mit Rehbrücke verbindet, gerungen. Sie soll Richtung Wetzlarer Straße am Spezialbauareal die Bahngleise kreuzen. Das Projekt wurde 2009 in den Landesstraßenbedarfsplan aufgenommen, doch passiert ist bisher nichts. "Die Planungen waren zu teuer", sagte eine Sprecherin des Infrastrukturministeriums gestern. Die von Potsdam und Nuthetal erstellten Bebauungspläne für die L 78 seien zu Jahresbeginn an die Kommunen "zurückverwiesen" worden: "Sie müssen überarbeitet werden". Und es soll noch ein Hindernis geben: Der gewünschte Anschluss an die Autobahn 115 würde über Privatland führen, das nicht Investor Panzer gehört. "Der Eigentümer hat bereits ein Kompromissangebot gemacht", sagt vom Lehn.

Die Stadtverwaltung will sich nicht unter Druck setzen oder gar erpressen lassen, hat sie erklärt. Laut Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) ist der Kanal ein zentrales Projekt der Stadtentwicklung. Insofern findet es die Stadtverordnete Saskia Hüneke (Grüne) "unglaublich", dass von Landesseite ein so wichtiges Stück öffentliches Straßenland verkauft wurde. Die erstarkte Fraktion will die Verwaltung "unterstützen, alle rechtlichen Möglichkeiten für den Weiterbau des Kanals auszuschöpfen". Aufschub könnte ein Bebauungsplan bringen, der jahrelangen Rechtsstreit nicht verhindert. "Wir wollen die Sache nicht eskalieren lassen", sagte Stadtsprecher Jan Brunzlow, doch Gespräche mit Eigentümer Daniel Panzer gebe es derzeit nicht. Würde er die öffentliche Straße sperren, müsste er die Barrikaden binnen 24 Stunden entfernen. Räumt die Stadt, bekommt er die Rechnung.

AN DER GRACHT

  • Anfang des 18. Jahrhunderts begann der Ausbau des Stadtkanals. Er erhielt auf Befehl von Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. eine Eichenholzschalung und entwickelte sich zum Transportweg vor allem für Baumaterial. Bewohner der Garnisonstadt passierten das Gewässer über damals noch hölzerne, klappbare Brücken.
  • "Die Strassen führen mich gerad’ auf die Canäle, / Die durch den größten Teil der Stadt geleitet sind … / Dieselben sind demnach von solcher Tief’ und Breite, / Daß sie, wie offt zu sehn, ein großes Schiff befährt …" schreibt ein gewisser Bellamintes um 1727.
  • Längs des Kanals entstanden einzeln stehende Häuser für Standespersonen; man wohnte wie in Amsterdam „an der Gracht“, denn so wurde der Stadtkanal damals genannt. 1789 erhielt er beidseitig ein Geländer.
  • Knapp 100 Jahre später monierten Anwohner störenden Gestank und verlangten, den Kanal zuzuschütten.
  • Zwischen 1927 und 1936 entstanden neue Brücken aus Stein.
  • Nach Kriegsende wurde der Kanal von Trümmern und Schutt gereinigt, 1965 begann die Zuschüttung, zuletzt in der Dortustraße.
  • Seit 1999 wird an der Rekonstruktion gearbeitet. 2001 war das erste Teilstück in der Yorckstraße fertig, 2011 die Öffnung gegenüber der Nuthemündung.

Von Carola Hein

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Klipp: "Das hätte vermieden werden müssen."

Die Stadtverordneten haben es in der Hand: Wenn sie wollen, können Sie die mögliche Errichtung eines Wohnhauses auf dem Areal des Stadtkanals verhindern. Es muss nur ein extra Bebauungsplan her. Potsdams Baudezernent findet es zudem sehr bedauerlich, dass das Gelände an einen Spekulanten verkauft wurde.

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