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Potsdam als Eldorado für Bildhauer

Figurenschmuck auf Plätzen und Dächern Potsdam als Eldorado für Bildhauer

Kunst im Potsdamer Stadtraum spielte schon immer eine große Rolle. Die preußische Residenzstadt war ein Eldorado für Bildhauer und Steinmetze. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde viel Neues geschaffen. Die Landeshauptstadt veröffentlichte im Sommer 2016 einen Katalog von 151 der wichtigsten Skulpturen, die seit 1945 in Potsdam aufgestellt wurden.

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Figurenschmuck auf den Hiller-Brandtschen Häusern in der Breiten Straße in Potsdam

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. 1789 schrieb Wolfgang Amadeus Mozart frustriert einen Brief aus Potsdam und klagte, dass er hier weit mehr Menschen auf den Dächern als auf den Straßen vorgefunden habe. Der ironische Seitenhieb eines Wiener Großstädters auf das kleinstädtische Potsdam, mit seinem Übermaß an Figurenschmuck auf den Dächern, belegt eine Besonderheit dieser mit Plastiken und anderer Kunst im Freiraum bis heute so reichlich gesegneten Stadt. Potsdam wurde mit seiner Erhebung zur zweiten Residenzstadt unter dem Großen Kurfürsten, dem 1662 beginnenden Ausbau des Stadtschlosses sowie der damit verbundenden Aufhübschung seiner Umgebung durch den Kurfürsten und die ihm nachfolgenden preußischen Könige ein Eldorado für Bildhauer und Steinmetze.

Skulpturen und Denkmäler häuften sich in mehr als drei Jahrhunderten in der Stadt an und machten zwangsläufig jeden Fußweg zur Museumstour. Hunderte Figuren und prächtige Schmuckvasen standen auf den Dächern und Stadttoren. Steinerne Damen und Herren verdingten sich als Balkon- oder Lampenträger auf den Brücken und buhlten mit den unzähligen Heroen auf zahllosen Sockeln um ein wenig Aufmerksamkeit. Heldenhafte Generäle, Reichskanzler, Fürsten und Könige senkten ihre strengen Blicke auf die Potsdamer.

Wegen des Machtrausches des österreichischen Weltkriegsfeldwebels Adolf Hitler, der 1933 im schwarzen Frack seinen Dienstantritt als größenwahnsinniger Politiker in Potsdam startete, stürzten etliche zwölf Jahre später höchst unfreiwillig von ihren hohen Sockeln. Die wenigen Statuen, die nicht im Bombenschutt endeten, verschwanden dann mit dem Einzug der Roten Armee nach und nach aus dem Stadtbild, und ziemlich schnell auch aus der Erinnerung der Potsdamer.

Die Bewohner der Trümmerwüste waren mit der Beschaffung von Lebensmitteln und anderen Alltagsproblemen mehr als ausgelastet und nur wenige von ihnen plagten sich damals mit Gedanken an die Kunst im öffentlichen Raum. Als sich die neue, eine glückliche Zukunft verheißende sozialistische Macht etabliert hatte, entsann man sich der guten alten Sitte, zur allgemeinen Anschauung und Erbauung Heldenhaftes aus Stein und Bronze gezielt im Stadtraum abzustellen. Allerdings hätte bedenklich stimmen müssen, dass es wieder ein heroischer Schnauzbartträger war, der die erste Nachkriegsheldenliste anführte.

Trotzdem verdankt Potsdam dieser Zeit des Wiederaufbaus etliche als Ersatz für schwer beschädigte barocke Häuser entstandene interessant interpretierte Neubauten. Seither lächeln „Am Kanal“ sogar huldvoll Pioniere über Türen und wachen darüber, wer dort ein und aus geht. Alle jene, die befürchteten, dass mit dem Ende des sozialutopischen Zeitalters auch der Hang Kunstwerke in die Stadt zu streuen erlahmen würde, dürfen sich inzwischen beruhigt zurücklehnen. Man konnte nach der Wende nicht nur die wundersame Rückkehr vergessener Helden erleben, sondern sieht sich inzwischen regelmäßig mit immer neuer Gegenwartskunst konfrontiert. Es scheint als schließe sich ein Kreis und die goldenen Zeiten der flächendeckenden Kunstspaziergänge würden in Potsdam bald wieder zurückkehren.

Lothar Krone wird in den kommenden Wochen in der Serie „Bewegende Standbilder“ ausgewählte Kunstwerke in Potsdam vorstellen.

 

Von Lothar Krone

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