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Potsdam als Vorbild griechischer Kultur

Förderprogramm der Bosch-Stiftung Potsdam als Vorbild griechischer Kultur

Drei Griechinnen haben sich einen Monat lang in den Potsdamer Soziokulturzentren Waschhaus, Lindenpark und Freiland aufgehalten. Dort haben sie Jugendprojekte entwickelt, um trotz Jugendarbeitslosigkeit und Sparmaßnahmen daran angepasste Angebote zu schaffen. Jetzt hoffen sie auf ein Stipendium, um die Ideen in ihrer Heimat tatsächlich umzusetzen.

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Maria Papadaki (39) hat sich im Waschhaus mit der kulturellen Wiederbelebung alter Industriestätten befasst.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Die Situation der griechischen Jugend ist hart. Neben dramatischer Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen sind allerorts Kultureinrichtungen von Sparmaßnahmen getroffen. Doch die Folgen der Finanzkrise sind auch ein Nährboden von alternativen Lösungen in der Kulturszene des Landes. Drei junge Frauen aus Thessaloniki und Athen haben im vergangenen Monat im Waschhaus, Lindenpark und Freiland hospitiert, um Jugendprojekte für ihre Heimat zu entwickeln. Keine von ihnen kannte den klassischen Kulturbetrieb bislang von innen. Als Archäologin, Architektin und Politikwissenschaftlerin sollten sie deshalb den Potsdamer Kulturmanagern über die Schulter schauen. Finanziert wird ihr Aufenthalt von der Robert-Bosch-Stiftung. Ihre Ideen sind so unterschiedlich wie die drei Potsdamer Kulturzentren.

Thalia Rizou (25) hat im Lindenpark hospitiert

Thalia Rizou (25) hat im Lindenpark hospitiert.

Quelle: Peter Degener

Maria Papadaki ist Archäologin und stammt aus Athen. Die historischen Silberminen von Lavrion haben es der 39-Jährigen angetan. „Sie waren einst Ausdruck der Macht Griechenlands und sind heute teilweise saniert. Dort herrscht aber kein Leben. Ich möchte Anwohner zu einer kulturellen Nutzung ermutigen und die historische Bedeutung der einstigen Minen für junge Besucher deutlich machen“, sagt sie. Der Fokus auf einen früher industriell genutzten Ort war auch für Tobias Marten vom Waschhaus bei der Zusammenarbeit mit Papadaki ausschlaggebend. „In der Schiffbauergasse kann sie sehen, was richtig und falsch gemacht worden ist“, sagt Marten. Die Archäologin äußert sich positiv: „Dieser Ort ist belebt und weithin sichtbar und insgesamt ein gutes Beispiel einer solchen Transformation.“

Das „Start“-Programm

30 Griechen haben einen Monat an verschiedenen soziokulturellen Zentren in ganz Deutschland verbracht, um dort mehr über das Kulturmanagement zu erfahren.

Das „Start“-Programm wird von der Robert-Bosch-Stiftung, dem Goethe-Institut Thessaloniki und der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren durchgeführt.

Ziel ist es, die Eigeninitiative von Berufseinsteigern im Kulturmanagement zu fördern und innovative Jugendkultur-Projekte zu realisieren.

Die Architektin Sofia Badeka aus Thessaloniki will es griechischen Kulturzentren erleichtern auch außerhalb der Städte in ländlichen Regionen zu arbeiten. „Dort gibt es viele arme Menschen, die bislang von solchen Einrichtungen abgeschnitten sind“, sagt Badeka. Dafür entwickelt sie eine Art flexiblen Container. „Ich nenne das die mobile Schule. Es gibt zwar viele Wohnmobile auf dem Markt. Ich möchte aber ein günstiges und ökologisch nachhaltiges Modell schaffen, das als Open-Source-Projekt von jedermann nachgebaut werden kann“, erklärt sie ihren Ansatz. Ihren Potsdamer Aufenthalt im Freiland nutzte die 28-Jährige vor allem, um die derzeitige Entwicklung von Low-Cost-Häusern zur Unterbringung von Flüchtlingen an der Fachhochschule zu begleiten und dort professionelle Kontakte zu knüpfen.

Sofia Badeka (28) war einen Monat lang im Freiland und an der Fachhochschule

Sofia Badeka (28) war einen Monat lang im Freiland und an der Fachhochschule.

Quelle: Peter Degener

Thalia Rizou kommt ebenfalls aus Thessaloniki. Die Politikwissenschaftlerin ist enttäuscht von Teilen der griechischen Jugend. „Studenten müssen sich mehr in den Universitätsstädten engagieren“, sagt Rizou. „Mein Projekt ist eine kostengünstige Dienstleistungsagentur von Studenten für Kultureinrichtungen“, sagt Rizou. Als angehende Fachleute in ganz unterschiedlichen Fächern sollen die Studenten wertvolle Erfahrungen in ihrem Fachgebiet zu sammeln und gleichzeitig einen Beitrag außerhalb ihrer Universität leisten, denn vorgeschriebene Praktika sind im griechischen Studium eher die Ausnahme. Marketingstrategien, Design, sowie inhaltliche und finanzielle Beratung soll vor allem kleinen Einrichtungen angeboten werden, die dafür kein großes Budget haben. In Potsdam hat sie sich vor allem mit der Umnutzung des Rechenzentrums beschäftigt. „Ein solches Gebäude im Zentrum von Thessaloniki wäre genau das richtige“, findet sie.

Die Hospitanzen der drei Griechinnen endeten an diesem Wochenende. Vor der Rückkehr in die Heimat stellen sie ihre Projekte in Stuttgart der Robert-Bosch-Stiftung vor. Von den 30 Teilnehmern des Programms werden nur 12 ein Stipendium erhalten, um ihre Ideen weiterverfolgen zu können. Überzeugt sind sie alle drei. „So etwas braucht die griechische Gesellschaft gerade!“, sagt Rizou.

Von Peter Degener

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