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Potsdam Potsdam bekennt seit 15 Jahren Farbe
Lokales Potsdam Potsdam bekennt seit 15 Jahren Farbe
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20:27 09.06.2017
Politiker fast aller Couleur, darunter Oberbürgermeister Jann Jakobs ( SPD, 3.v.r.), zeigen in Potsdam Flagge gegen Rechts, hier 2013 gegen eine NPD-Veranstaltung am Stern. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Agathe wird auch da sein, wenn das Bündnis „Potsdam kennt Farbe“ am Dienstag im T-Werk in der Schiffbauergasse sein 15-jähriges Bestehen feiert. Geladen sind Unterstützer und Weggefährten, von denen Agathe wahrscheinlich die auffälligste sein wird: Sie ist eine riesige quietschgelbe Plastikente, die als überlebensgroßes Maskottchen schon so manchen verdienstvollen Einsatz bei Demos gegen Rechts hinter sich hat. Die Botschaft, die Agathe vor sich her trug: „In eurem braunen Sumpf möchte ich nicht planschen.“ Ob NPD, DVU oder der Pegida-Ableger „Pogida“ – die Namen der Rechtsaußen-Protagonisten mögen sich im Laufe der Zeit gewandelt haben, doch immer wieder sind die Bürger dagegen auf die Straße gezogen.

Nazis – Nein, danke! Quelle: Archiv

„Ich bin stolz auf das, was wir in den letzten Jahren erreicht haben“, sagte der Bündnisvorsitzende, Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), am Freitag bei einem Pressegespräch in der Servicestelle Tolerantes und sicheres Potsdam (Tosip), wo die Bündnisarbeit von „Potsdam bekennt Farbe“ koordiniert wird. Mittlerweile gebe es sogar Anfragen von ratsuchenden Kommunen aus Brandenburg, die sich Tipps für den Aufbau eines ähnlichen Netzwerkes holen möchten: „Dass wir über alle Differenzen des politischen Alltags hinaus auf solche Strukturen zurückgreifen können, darum beneiden uns viele Städte“, betonte der Rathauschef.

OB Jann Jakobs (SPD). Quelle: Friedrich Bungert

2002 wurde das Bündnis als Reaktion auf vermehrte rechtsextreme Umtriebe in der Stadt aus der Taufe gehoben. Damals waren 13 Mitglieder mit an Bord. Mittlerweile sind es mehr als 35. Alle Fraktionen gehören ihm an – bis auf die AfD. Auf der Mitgliederliste stehen unter anderem der Asta der Uni Potsdam, der Kreisschülerrat, der Migrantenbeirat, der Stadtjugendring und der Stadtsportbund, dessen Geschäftsführerin Anne Pichler die Bündnis-Vizevorsitzende ist.

Klare Bild-Bekenntnisse. Quelle: MAZ

Als bedeutende Erfolge nannte Jakobs die Verhinderung des NPD-Aufmarsches 2012 und die Proteste gegen Pogida im vergangenen Jahr. „Damals gab es den Versuch, von außen eine Konfliktsituation in die Stadt hineinzutragen“, resümierte er: „Es war wichtig, deutlich zu machen, dass es nur um eine kleine Minderheit war.“ Mittlerweile sei von Pogida „keine Rede“ mehr.

Der klägliche Podia-Rest. Quelle: Julian Stähle

Auch im Fall des Deutsch-Äthiopiers Ermyas M. hatte das Bündnis 2006 Flagge gezeigt, nachdem M. bei einer nächtlichen Schlägerei am Bahnhof Charlottenhof Verletzungen davongetragen hatte. Schnell war damals von einem ausländerfeindlichen Übergriff die Rede – trotz fehlender Detailkenntnisse des Tathergangs und späteren Zweifeln an dieser Version. Voreiliges Handeln will Jakobs sich heute nicht vorhalten lassen; er stehe dazu. „Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir das – mit allen Unklarheiten – richtig gemacht haben“, sagte er. Hätte man anfangs die Sache klein gehalten, „wäre mit Sicherheit der Vorwurf gekommen, dass wir einen rassistischen Vorfall runterspielen wollen“.

Ursula Löbel, Leiterin der Tosip-Servicestelle. Quelle: Archiv

Pünktlich zum 15. Geburtstag des Bündnisses ist eine Frischzellenkur geplant, sagten Ursula Löbel, Leiterin der Servicestelle Tosip, und ihr Mitarbeiter Janek Buchheim. Geplant ist, den „Lokalen Aktionsplan für Toleranz und Demokratie“ mit Unterstützung der Fachhochschule und der Universität zukunftsfit zu machen.

Janek Buchheim, Mitarbeiter in der Tosip-Servicestelle. Quelle: Lisa Neumann

Auch vom Webauftritt des Bündnisses gibt es Neues. Ab Dienstag ist er auf der Rathaus-Seite www.potsdam.de zu finden. Außerdem soll vermehrt Facebook genutzt werden.

Von Ildiko Röd

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