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Potsdam bekommt eine neue Touristen-Attraktion

Richtkrone auf Matrosenstation Kongsnæs Potsdam bekommt eine neue Touristen-Attraktion

Am Freitag konnte an der Potsdamer Schwanenallee das Richtfest für die wiedererrichtete Ventehalle der ehemaligen kaiserlichen Matrosenstation Kongsnæs gefeiert werden – standesgemäß mit norwegischem Aquavit und Musik des norwegischen Komponisten Edvard Grieg.

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Drei, die Grund zur Freude hatten: Auf dem Richtfestfoto posieren Volker Schneeweiß, Bauherr Michael Linckersdorff, und der Gesandte Asbjørn Brandsrud (v.l.).

Quelle: Christel Köster

Berliner Vorstadt. Til lykke! Auf Norwegisch heißt das „Herzlichen Glückwunsch“! Mit der hölzernen Ventehalle im nordischen Drachenstil bekommt Potsdam ein Wahrzeichen wieder, das auf die ausgeprägte Nordland-Begeisterung Kaiser Wilhelm II. zurückgeht. Nachdem der Monarch auf einer Reise die Bauten des norwegischen Staatsarchitekten Holm Hansen Munthe im heutigen Oslo gesehen hatte, muss er sich gedacht haben: „So etwas will ich auch haben.“

1892 wurde die Ventehalle am Jungfernsee erbaut

1892 wurde nach Plänen von Munthe auf Kongsnæs, der königlichen Landzunge, die Empfangshalle gebaut. Über eine Ehrentreppe gelangte man zu den anliegenden Booten und Schiffen. Nach dem Ersten Weltkrieg blieb Kongsnæs im Besitz des Hauses Hohenzollern. In den letzten Kriegstagen brannte die Empfangshalle nach Beschuss vollständig nieder. Direkt hinter der Mauer gelegen, sank die Matrosenstation in einen Dornröschenschlaf. Von der historischen, heute denkmalgeschützten Anlage blieben nur die Hallen-Fundamente, die bastionsartig angelegte Ufermauer und die landeinwärts stehenden Wohnhäuser erhalten

Schon in wenigen Monaten sollen in einer „kleinen, anspruchsvollen gastronomische Einrichtung Gäste empfangen werden“, erklärte der Berliner Investor und Bauherr Michael Linckersdorff am Rande der Feier, zu der auch der norwegische Gesandte Asbjørn Brandsrud am Jungfernsee erschien. „Wenn ein geeigneter Gastronom gefunden ist, soll der Betrieb der Ventehalle noch im Sommer aufgenommen werden“, so Linckersdorff. Pünktlich zum 125. Jubiläum der zerstörten Vorgängerhalle!

Im Innenraum finden 60 Gäste Platz

Im Innenraum werden maximal 60 Gäste Platz finden; noch einmal 30 Sitzplätze sind auf der umlaufenden Veranda geplant. Im Sommer können auf den Außenplätzen der beiden Bastionen 30 Gäste den Seeblick genießen. Die Küche und die Toiletten werden in einem funktionalen Bau untergebracht, der bereits als Rohbau steht. Die Kosten beziffert Linckersdorff auf zwei Millionen Euro. Dazu kam eine halbe Million für die Wiederherstellung der Hafenanlage mit Stegen, die 2016 fertig wurde. Besonders historische Boote werden hier ihren Liegeplatz haben.

Rekonstruiert wird die Ventehalle von einer Firma aus Danzig mit dem Anspruch „eine Verbindung aus traditionellem Handwerk mit modernen Ansprüchen“ zu schaffen, wie Architektin Joanna Szechlicka sagte. Gedrechselte und geschnitzte Balken und Formteile sollen die Fassade und Innenraum der Halle schmücken. Stadtkonservator Andreas Kalesse sieht den Wiederaufbau als „einen Meilenstein in der Rückgewinnung der ursprünglichen Bedeutung der Wasserlandschaft im Welterbegebiet Berlin-Potsdam“.

Für Michael Linckersdorff, der 2009 nach einer Ausschreibung die Matrosenstation für eine Million Euro von der Stadt gekauft hatte, war der jahrelange Weg bis zum Richtfest kein Spaziergang. Erteilte Baugenehmigungen für die Sanierung erwiesen sich als nicht belastbar. Außerdem liefen einige Anwohner der Schwanenallee – darunter der Ex-Bild-Herausgeber Kai Diekmann und TV-Moderator Johannes B. Kerner – Sturm gegen das geplante Restaurant, weil sie die Zunahme von Lärm und Verkehr befürchten. Die Causa landete vor Gericht. Letzter Stand laut Linckersdorff: „Letztendlich haben die Gerichte alle neuen Baugenehmigungen bestätigt.“

Blick in die Ventehalle der Matrosenstation

Blick in die Ventehalle der Matrosenstation.

Quelle: Christel Köster

Um die Baugenehmigungen wurde vor Gericht gestritten

Zuletzt hatten zwei Anwohner Beschwerde gegen die Nichtzulassung ihrer Berufung beim Oberverwaltungsgericht eingelegt. Zum Richtfest hatte Linckersdorff die Anwohner der Schwanenalle eingeladen, „als Zeichen meiner ausgestreckten Hand“ – unter anderem erschien der Vize-Vorsitzende des Vereins Berliner Vorstadt, Christian Heinze. Unterdessen hat auf der anderen Seite der Schwanenallee die Sanierung der Holzhäuser des Kongsnaes-Ensembles begonnen. In den drei historischen Gebäude entstehen jeweils drei Mietwohnungen.

Matrosenstation Kongsnæs

Der zum Kongsnæs-Ensemble gehörende Neubau der Stege sowie die Restaurierung der Stützmauer mit ihren Bastionen war schon 2015 abgeschlossen worden – und von den zuständigen Ämtern abgenommen.

Zum Denkmalensemble der Matrosenstation gehören auch Fundament, Stützmauer und Bastionen der Ventehalle. Auf dieser historischen Bausubstanz steht nun der Bau, der originalgetreu rekonstruierten Empfangshalle.

Umfangreiche wissenschaftliche Recherchen und viele Originalpläne des Architekten Munthe gaben für die Planung wichtige Hinweise.

Von Ildiko Röd

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