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Potsdam bildet wieder Gästeführer aus

Potsdamer Stadtgeschichte Potsdam bildet wieder Gästeführer aus

Wo liegen Potsdams verborgene Ecke? Was muss man über die Stadtgeschichte wissen und wie antwortet man diplomatisch auf Fragen zum Hotel „Mercure“? Bei einem Kurs von Volkshochschule, IHK und Schlösserstiftung werden Interessierte zum Gästeführer ausgebildet, wie VHS-Bereichsleiterin Manuela Peglow im MAZ-Interview erläutert.

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Auch die Alexandrowka steht auf dem Lehrplan der künftigen Gästeführer.

Quelle: Foto: Archiv/Liebe

Potsdam. Wie man Potsdam an den Besucher bringt, lernen Interessierte bei einem mehrmonatigen Kurs in der Volkshochschule, der am Sonnabend wieder startet. Manuela Peglow, Programmbereichsleiterin für Kultur und Gesundheit, erklärt, was Gästeführer über die Landeshauptstadt wissen müssen.

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, wenn man sich als Gästeführer ausbilden lassen will? Muss man schon länger in Potsdam wohnen oder gar gebürtiger Potsdamer sein?

Manuela Peglow: Nein, solche strengen Regeln haben wir nicht. Ich glaube, wenn nur gebürtige Potsdamer den Lehrgang besuchen dürften, müssten wir fast alle Interessenten abweisen. Unsere Teilnehmenden wohnen auch nicht alle in Potsdam, sondern kommen aus dem Umland und Berlin. Man muss Interesse an der Stadt haben und gerne mit Menschen umgehen. Und für die Ausbildung etwas Zeit mitbringen, denn neben den fast wöchentlichen Veranstaltungen muss man zu Hause viel nachlesen und für die Prüfung auch richtig büffeln.

Wer interessiert sich für den Kurs?

Peglow: Das ist ganz unterschiedlich. Natürlich Leute, die sich eine neue berufliche Perspektive erhoffen. Aber auch solche, die einfach mehr über Potsdam erfahren möchten. Wir haben immer wieder Teilnehmende, die nach Potsdam gezogen sind und mehr über ihre Stadt wissen möchten. Man kann dann dem privaten „Besuch“ ganz fachmännisch die Stadt zeigen.

Wie viele Gästeführer wurden bereits ausgebildet?

Peglow: Schon sehr viele. Aber es besteht noch immer Bedarf. Ich schätze, dass wir in den vergangenen 14 Jahren rund 320 Gästeführer ausgebildet haben.

Wie viele Anmeldungen haben Sie für den aktuellen Kurs?

Peglow: Im Moment 17. Aber manch einer entschließt sich ganz kurzfristig. Vielleicht kommen noch ein oder zwei dazu.

Wer sind die Lehrer?

Peglow: Wir haben ein Dozententeam, bestehend aus Historikern, einem Architekt, einer Kommunikationstrainerin, einer Touristikfachwirtin und einer Rechtsanwältin. Weiterhin gibt es Dozenten, die selbst als Gästeführer arbeiten.

Und was steht auf dem Lehrplan?

Peglow: An erster Stelle die Regional-, Stadt- und Baugeschichte. Hier geht es von den Anfängen Brandenburgs bis heute. Dann gibt es viele Informationen über die Hohenzollern; ein Thema ist den Frauen der Hohenzollern gewidmet. Gelernt wird nicht nur im Unterrichtsraum, sondern auch vor Ort bei den thematischen Stadtgängen. Methodik, Didaktik und Kommunikation, das Auftreten als Gästeführer und die praktische Vorbereitung einer Führung stehen ebenfalls auf dem Plan. Übungsstandrundfahrten und ein Trainingsstadtgang bereiten auf die Tätigkeit vor. Und ein Termin widmet sich verschiedenen Rechtsfragen.

Spielen alle Stadtgebiete eine Rolle oder konzentrieren sich die Führungen auf die City?

Peglow : Wir konzentrieren uns auf die historische Mitte, die I. und II. Barocke Stadterweiterung, aber auch Luftschiffhafen, Neuer Garten, Alexandrowka und die Medienstadt Babelsberg sind Themen.

Verraten Sie den Teilnehmern auch Geheimtipps jenseits der üblichen Touristenpfade?

Peglow: Auf jeden Fall. Die Dozenten, die selbst als Gästeführer arbeiten, geben Tipps und können die eine oder andere Anekdote erzählen.

Wie steht es mit aktuellen politischen Debatten? Was sollen die Gästeführer Besuchern zum Beispiel über das Hotel „Mercure“ sagen?

Peglow: Die Gästeführer sollen ihre Gäste informieren. Die privaten Ansichten haben in der Gästeführung nichts zu suchen. Dies lernen die Teilnehmenden auch bei uns.

Finden die Führungen ausschließlich auf Deutsch statt oder lernen die „Azubis“ auch in Fremdsprachen durch die Stadt zu führen?

Peglow: Die gesamte Ausbildung findet auf Deutsch statt. Aber die Chance, später als Gästeführer zu arbeiten, erhöht sich, wenn man eine Fremdsprache spricht, die nicht ganz so verbreitet ist wie zum Beispiel Englisch. Wir hatten auch schon Teilnehmende aus England, den Niederlanden oder Rumänien. Hier ist es wichtig, dass die Teilnehmenden sehr gut Deutsch verstehen und sprechen.

Früher war der Begriff Fremdenführer gebräuchlich. Ist der inzwischen komplett tabu?

Peglow: Ja. Heute sagt man Gästeführer, denn die Touristen sind ja Potsdams Gäste.

Zertifizierter Kurs

Der Kurs für Gästeführer wird von der Volkshochschule Potsdam in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten angeboten.

Die Ausbildung entspricht den Richtlinien des Bundesverbandes der Gästeführer. Die Teilnehmenden schreiben am Ende eine Klausur und absolvieren einen praktischen Stadtgang. Bei Bestehen gibt es ein IHK-Zertifikat.

Start ist am Samstag, 5. November, um 10 Uhr im Bildungsforum Potsdam, 4. Etage, Raum „Schwarzschild“. Bis zum 6. Mai 2017 findet der Kurs dann ein- bis zweimal wöchentlich statt.

Das Kursentgelt beträgt 497 Euro, mehr Infos unter www.potsdam-vhs.de.

Interview: Marion Kaufmann

Von Marion Kaufmann

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