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Potsdam bleibt für Radler gefährlich

Ein halbes Jahr nach dem tödlichen Radunfall Potsdam bleibt für Radler gefährlich

Vor einem halben Jahr starb eine 19-jährige Radfahrerin nach einem tragischen Unfall in der Friedrich-Ebert-Straße in Potsdam. Einiges hat die Stadt seitdem für die Sicherheit der Pedaleure getan, doch immer noch gibt es gefährliche Ecken - siehe Karte. Ein Experte gibt nähere Auskunft.

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Das weiße Geisterrad in der Friedrich-Ebert-Straße erinnert an den tödlichen Unfall vor einem halben Jahr.
 

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam.  
Wo fährt die Angst beim Radeln in Potsdam mit? „Es gibt ein paar mulmige Ecken, in denen man sich nicht so wohlfühlt“, sagt Ulf Hildebrand, Sprecher der Potsdamer Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Dazu gehört die Behlertstraße: „Dort fahre ich ungern lang.“ Immerhin gebe es dank des Ex-Baubeigeordneten Matthias Klipp einen markierten, wenn auch schmalen Radstreifen in der Behlertstraße.

„Unangenehm“ sei es für Pedaleure auch auf der viel befahrenen Großbeerenstraße, in der von Lastwagen gern genutzten Drewitzer Straße, in der Zeppelinstraße – dort müssen sich Fußgänger und Radler stellenweise den Gehweg teilen – oder an der Ecke vorm Landtagsschloss. Manchmal kommt es zu brenzligen Situationen, wenn „dynamische Mountainbiker“ vorbei schrammen. „Fußgänger haben dort Vorrang“, so Hildebrand. Wenn in Vierergrüppchen geschlendert wird und ein Radler überholen will, soll er in ein paar Metern Entfernung mal anklingeln.

Unfall am 3. November 2015

Am 3. November 2015 kam es am Nachmittag in der Potsdamer Innenstadt am Nauener Tor zur Katastrophe. Eine 19-jährige Radfahrerin bog von der Kurfürsten- nach rechts in die Friedrich-Ebert-Straße ab. Ein Sattelschlepper, der den gleichen Weg nahm, überrollte sie. Die junge Frau starb noch an der Unfallstelle. Zeugen berichteten der Polizei, dass sowohl die Radfahrerin als auch der Lkw-Fahrer vorschriftsmäßig abgebogen waren. Weshalb also konnte es zu dem schrecklichen Unfall kommen?

Ein halbes Jahr nach dem Unfalltod der jungen Frau sind die Ermittlungen noch immer nicht abgeschlossen. Demnach steht laut Staatsanwaltschaft auch noch nicht fest, ob und wann der Lkw-Fahrer angeklagt wird.

Ein weißes Geisterrad erinnert seither an die tödlich verunglückte Radfahrerin. Es ist das zweite Mahnmal dieser Art, das in Potsdam aufgestellt wurde. An der Pappelallee steht das erste Geisterrad. Dort kam am 15. April 2013 eine 23-jährige Radfahrerin zu Tode. Ein Lastwagen hatte sie beim Linksabbiegen in die August-Bonnes-Straße überrollt. Der Lkw-Fahrer wurde im Juni 2014 wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Tod der Radfahrerin wäre vermeidbar gewesen, wenn der Lkw-Fahrer beim Abbiegen genauer hingeschaut hätte, begründete das Gericht.

Beide Unfälle lösten bei den Potsdamern tiefe Betroffenheit aus und hatten eine Debatte über die Sicherheit von Radfahrern auf den Straßen der Landeshauptstadt zur Folge.

Im Jahr 2015 ereigneten sich laut Polizei in der Stadt Potsdam 423 Unfälle mit Radfahrern. Dabei zählte man 314 verletzte und einen Todesfall. Im Jahr 2014 ereigneten sich 411 Radunfälle mit 335 Verletzten und einem Todesfall, im Jahr 2013 waren es 337 Radunfälle mit 268 verletzten und einem Todesfall.

 

Aktueller Gefahrenpunkt: die Rudolf-Breitscheid-Straße in Höhe des Thalia-Kinos.Wegen der Baustelle am S-Bahnhof Babelsberg fahren dort Busse des Schienenersatzverkehrs „in hoher Frequenz“ entlang, die Fahrer seien nicht so ortskundig wie die Kollegen des Verkehrsbetriebs Potsdam. „Da hat man manchmal kein gutes Gefühl.“ Heikel kann’s auch an der Tram-Bus-Haltestelle am Landtag in Richtung Filmmuseum werden. „Steht dort eine Straßenbahn, weiß man nie genau, wann sie losfährt“, sagt Hildebrand. Der ADFC-Sprecher wünscht sich deshalb einen speziellen, „dezenten“ Signalton zum Anfahren. „Das wäre nicht nur für Radler, auch für ältere oder gehandicapte Menschen toll.“

Insgesamt stellt Hildebrand der Radstadt Potsdam ein gutes Zeugnis aus: „Fast vorbildlich.“ Zu den tollen Neuerungen zählt er das Ende 2015 im Hauptbahnhof eröffnete Rad-Parkhaus oder den Radweg zwischen Babelsberg und Berliner Straße über die Humboldtbrücke. Hildebrand appelliert an Radler, sich „als Verkehrsteilnehmer zu betrachten: Der öffentliche Straßenraum ist kein Fun-Parcours“. Zur eigenen Sicherheit tragen klare Signale bei, etwa das Abbiegen anzuzeigen: „Arm raus!“

Und ein kleiner Tipp vom Experten zum Schluss: Mit Rückspiegel radeln. Hildebrand behält so den nachkommenden Verkehr im Blick. Weiteres Plus: „Die Silhouette wird nach außen verschoben“, der Radler wirkt auf diese Weise „breiter“.

Von Ricarda Nowak

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