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Potsdam Potsdam braucht Werkswohnungen
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00:20 27.06.2018
Die ProPotsdam ist das einzige Wohnungsunternehmen, das nach Vorgaben der Stadt und bedarfsgerecht bauen kann. Hier ist Richtfest für 39 Wohnungen in der Gertrud-Feiertag-Straße im Bornstedter Feld. Quelle: Bernd Gartenschläger
Babelsberg

Werkswohnungen sind das Thema der Zukunft, wenn es um die Lösung des Fachkräftemangels geht. Das hat ProPotsdam-Geschäftsführer Jörn-Michael Westphal am Wochenende bei einem wohnungspolitischen Forum der Initiative „Stadt für alle“ gesagt. Der MAZ gegenüber erklärten zudem Stadtwerkechef Horst Müller-Zinsius und Verkehrsbetriebs-Geschäftsführer Oliver Glaser, mit preiswerten Wohnungen im Firmenbetstand könne man dem Fachkräftenachwuchs den Berufsstart in Potsdam erleichtern und auch gestandenes Personal anlocken oder halten.

Sozialdezernent Mike Schubert kündigte an, dass die Stadt wieder eine Kita selbst betreiben will, als Modelleinrichtung mit vorbildhaftem Haustarifvertrag. Quelle: Friedrich Bungert

Sozialdezernent Mike Schubert verwies bei der Diskussion im Babelsberger Thalia-Kino auf den scheidenden Feuerwehrchef Jörg Huppatz aus Bergisch Gladbach (Nordrhein-Westfalen), der erst im Februar die Nachfolge von Wolfgang Hülsebeck angetreten hatte, aber schon Ende Juni wieder das Amt aufgibt, weil er für seine Familie und sich keine passende Wohnung in Potsdam gefunden hat; er suchte allerdings ein Eigenheim, wie er es in seiner Heimat hatte.

Dass das Angebot an Wohnungen oft nicht dem tatsächlichen Bedarf in der wachsenden Bevölkerung entspricht, war ein breit diskutiertes Problem im Forum. „Die Plattenbauten mit 60 bis 70 Quadratmetern in zwei bis drei Zimmern sind nicht der Bestand, den Familien brauchen“, sagte Westphal: „Wir brauchen sehr viele kleinere und größere Wohnungen als diese.“

ProPotsdam-Chef Jörn-Michael Westphal bei der Diskussion im Thalia-Kino. Quelle: Friedrich Bungert

Die Pro solle 2500 Wohnungen bauen, habe aber noch die Hälfte vor sich. Ohne Förderung vom Land gehe das nicht, sagte er. Zumal die Baukosten wegen der aktuellen Konjunktur deutlich steigen. Es gibt zwar Geld zum Bauen, aber zu wenig ausführende Firmen. So sind die Planungsansätze von 2700 Euro pro Quadratmeter inzwischen überholt; sie liegen derzeit bei 3300 Euro. Das führt laut Westphal leider zu einem Mietpreis zwischen zehn und elf Euro je Quadratmeter.

Schubert: Es wird nicht bedarfsgerecht gebaut

Es werde durch verschiedenste Investoren viel gebaut in Potsdam, sagte Schubert, „aber nicht bedarfsgenau.“ Der Berliner Sozialwissenschaftler und Ex-Staatssekretär des Senats, Andrej Holm , machte dafür vor allem die private Bauwirtschaft verantwortlich. „In 150 Jahren Kapitalismus wurden durch die private Wirtschaft noch nie Wohnungen errichtet, die billiger waren als der Durchschnitt“, sagte er. Das könnten nur kommunale oder genossenschaftliche Unternehmen leisten, wenn sie genügend Förderung bekommen.

Man müsse erst den tatsächlichen Bedarf der Bevölkerung ermitteln, ehe man Vorgaben für den Wohnungsbau macht, verlangte Holm. Fünf Euro Miete je Quadratmeter seien die Obergrenze für sozial bedürftige Menschen. Die Stadt müsse „zuerst die versorgen, die sich nicht selbst versorgen können“ – dafür gab es heftigen Beifall aus dem Publikum, aus dem die Forderung nach einer deutlichen Vergrößerung des kommunalen Wohnungsbestandes laut wurde.

Der Linken-Politiker und Berliner Ex-Staatssekretär für Wohnen, Andrej Holm, fordert mehr Wohnungen für sozial Bedürftige. Die könnten nur von kommunalen oder genossenschaftlichen Unternehmen gebaut werden, sagt er. Quelle: Friedrich Bungert

Holm stellte in dem Zusammenhang die Organisationsform der kommunalen Wohnungsfirmen als GmbH in Frage und schlug vor, Firmen wie die PorPotsdam wieder zu städtischen Betrieben zu machen. Schubert und Westphal bezweifelten aber, dass dies die Lage verbessern kann.

Stadt will wieder eigene Kita als Modell betreiben

Schubert kündigte aber an, die Stadt wolle im Kita-Bereich wieder zum Kita-Träger werden und eine neu gebaute Einrichtung selbst betreiben. Dort würde es einen Haustarifvertrag geben, nach dem sich die privaten Kita-Träger orientieren könnten, die bislang alle Kindertagesstätten in der Stadt betreiben. Damit könnte man einem künftigen Flickenteppich verschiedenster Haustarifverträge verschiedenster Träger entgehen. Der Stadtverordnetenversammlung wird demnächst ein entsprechender Vorschlag unterbreitet, in dem die Vor- und Nachteile eines städtischen Kita-Betriebs verglichen werden.

Von Rainer Schüler

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