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Potsdam braucht mehr „Abfallhaie“

Sauberkeit in den Stadtteilen Potsdam braucht mehr „Abfallhaie“

Es gibt Gegenden in Potsdam, wo es um Sauberkeit und Ordnung besonders schlimm bestellt ist; einige Kieze sind mülleimerfrei oder haben kein einziges Hundeklo. Ungezählte Papierkörbe sind viel zu klein. Das soll jetzt anders werden. Die Stadt schafft neue Anlagen an und saniert die alten. Mehr Geld als bisher kostet das alles nicht.

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Quelle: Christel Köster

Potsdam. Der „Abfallhai“ kommt selten vor in dieser Stadt. Aus Edelstahl ist er, und krähensicher, ein schlankes und gefälliges Erfolgsmodell. 70 Liter Müll frisst er, aber nur im Innenstadtbereich. Dort teilt er sich das „Jagd-Revier“ mit den 90 Liter starken „Curvas“ aus Edelstahl und betagteren „Riazas“ aus Stahl, deren Kippeimer nur 45 Liter fassen. Sie schaffen es trotzdem noch nicht: Fast jeden Morgen quellen sie über, überfüllt meist nicht durch die Besucher der Brandenburger Straße, sondern durch Privatanlieger, die ihre Müllgebühren sparen wollen. Von den Haien und den Curvas gibt es 89 Stück im Zentrum.

Weit gefräßiger und zudem unauffälliger sind die Unterflursysteme, die an 14 Punkten der Innenstadt unterirdisch Müll und Wertstoffe aufnehmen, 650 Liter pro Objekt. Die übrige Stadt muss sich mit betagten Mülleimern begnügen, die meisten kleiner als 45 Liter, teils stark vernachlässigt, halb kaputt und leicht plünderbar durch Krähen.

Nach langem Stillstand rüstet die Stadt jetzt auf

Jetzt soll alles anders werden, besser. Alle nicht krähensicheren Papierkörbe unter 45 Liter werden bis Juni 2017 durch größere Edelstahlbehälter in geringerer Stückzahl ersetzt, verkündet jetzt die Stadtverwaltung. Die im Bestand verbleibenden Papierkörbe werden bis Dezember 2017 grundinstandgesetzt. Alle Papierkörbe wird man ab diesem Jahr einmal jährlich reinigen und planmäßig instandsetzen.

An den vier Schwerpunkten Weberplatz, Bassinplatz (Grünfläche), Hegelallee/Nauener Tor und Uferweg/Kastanienallee/Im Bogen werden vier zusätzliche Unterflursysteme mit je 650 Litern in die Erde gebaut. Durch den Austausch der kleineren Papierkörbe (45 Liter) durch weniger, aber größere mit mehr Volumen und durch die Schließung uneffektiver Standorte bleibt das Gesamtfassungsvermögen von etwa 21000 Litern gleich. Alle Papierkörbe erhalten einen Identifikations-Chip zur Überwachung der Entleerung. Die Stadtentsorgung Potsdam (Step) wird einen neuen Tourenplan erstellen. An Haltestellen werden alle nicht krähensicheren Papierkörbe unter 45 Liter ersetzt durch 60-Liter-Gefäße.

Ganze Stadtteile haben kein einziges Hunde-Klo

Aber die Stadt belässt es nicht bei der Aufrüstung der Müllbehälter-„Flotte“; sie geht auch das Dauerärgernis der Hundehaufen an, die vor allem die Brandenburger Vorstadt verschmutzen. Bislang gibt es 34 Hundekot-Tütenspender in der Stadt, davon 24 in Kombination mit einem Abfallbehälter; so genannte Dog-Stations. Immerhin 125.000 Tüten ziehen sich die ordentlichen Hundehalter hier.

In einigen Wohngebieten, etwa dem Kirchsteigfeld und den neuen Ortsteilen, gibt es noch keine oder keine funktionierenden Tütenspender. Bis Dezember 2016 werden nun 59 neue und einheitliche Spender aufgestellt. Alle bestehenden Anlagen werden in diesem Zuge ersetzt.

Über 3000 Papierkörbe sind nicht genug

3016 Papierkörbe sollen die öffentliche Ordnung und Sauberkeit in der Stadt aufrecht erhalten, doch das ist bei weitem nicht genug. Viele Behälter sind viel zu klein und nicht krähensicher.

1554 Stück stehen auf Privatland wie dem von Wohnungsgesellschaften, an Bahnhöfen und öffentlichen Einrichtungen. Die Zuständigkeiten verteilen sich entsprechend.

496 wurden auf öffentlichen Straßen, Plätzen und Uferwegen gezählt. Hier ist der städtische Bereich Grün- und Verkehrsflächen für den Betrieb da.

471 sind in öffentlichen Grünflächen und auf Kinderspielplätzen zu finden; auch darum kümmert sich das Grün- und Verkehrsflächenamt.

495 Abfallbehälter an Haltestellen fallen in die Zuständigkeit des Verkehrsbetriebes.

Außerdem gibt es 14 so genannte Unterflurbehälter und 34 Hundetoiletten.

Es gibt faktisch papierkorbfreie Wohngebiete: Die Brandenburger Vorstadt etwa hat nur zehn am Schillerplatz, sonst keine. Mehrere Wohngebiete haben keine oder keine funktionierende Hundetoiletten das Kirchsteigfeld, die Berliner Vorstadt, die südliche Innenstadt, das nördliche Babelsberg, das Bornstedter Feld, Eiche, Fahrland, Golm, der Stern und die Waldstadt. Nach der Nachrüstung werden die Brandenburger Vorstadt und die City mit 15 Behältern Spitzenreiter sein, gefolgt von Babelsberg mit 13.

Für die Papierkorbentleerung wendet die Stadt Potsdam jährlich 650000 Euro auf. Hier handelt es sich um eine freiwillige Aufgabe der Stadt. Die Finanzierung erfolgt ausschließlich über den städtischen Haushalt. Für die Anschaffung von 113 neuen Papierkörben, 4 Unterflursystemen und 93 Hundekot-Tütenspendern sowie für die Ausstattung von 281 Papierkörben mit Identifikations-Chips im öffentlichen Raum muss man 15000 Euro pro Jahr aufwenden. Die Umrüstung des Papierkorbbestandes kostet einmalig 40000 Euro. Die jährlichen Instandsetzungs- und Wartungskosten belaufen sich auf 30000 Euro.

Durch die Optimierung der Standorte mit weniger, aber dafür größeren Behältern, sinkt der Entleerungsaufwand, so dass die Zusatzkosten für Beschaffung und Instandsetzung von zusammen 45000 Euro wieder ausgeglichen werden, versichert die Stadt. Sie will das Konzept bis Oktober umgesetzt haben.

Von Rainer Schüler

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