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Potsdam diskutiert über Fritz Bauer

Ein Mann, der Rätsel aufgibt Potsdam diskutiert über Fritz Bauer

Vor sechs Jahren, als Ilona Ziok einen Dokumentarfilm über Fritz Bauer (1903-1968) drehte, kannte kaum jemand den hessischen Generalstaatsanwalt. Heute gibt es über ihn gleich mehrere gefeierte Spielfilme. Die Wilhelm-Fraenger-Gesellschaft lud zu einem Gespräch über Fritz Bauer ein. Sein Fall gibt noch viele Rätsel auf.

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Quelle: dpa

Babelsberg. Das Kaminfeuer prasselt. Kuchen, Kaffee und Rotwein stehen im Wintergarten bereit. Und wenn jemand aufsteht, dann knarren die Dielen.

Ilse und Klaus Knüpfer zeigten sich am Samstagabend wieder als rührende und dezente Gastgeber. Gemeinsam mit der Wilhelm-Fraenger-Gesellschaft luden sie – wie jeden Monat einmal – zu sich ins Wohnzimmer in die Tschaikowski-Straße 4 zum Salon. Jeder darf kommen, ohne Voranmeldung, ohne Eintritt.

Etwa 20 Besucher folgten dem Angebot, mit der Dokumentarfilmerin Ilona Ziok ins Gespräch zu kommen. Zunächst sahen alle ihre DVD mit dem Titel „Fritz Bauer – Tod auf Raten“. Wachen Zeitgenossen ist der Name des Juristen, der von 1903 bis 1968 lebte, inzwischen ein Begriff. Das war vor sechs Jahren, als Ziok den Film herausbrachte, noch anders. Kaum jemand kannte den hessischen Generalstaatsanwalt, der gegen viele Widerstände in der Bundesrepublik die Auschwitz-Prozesse durchsetzte. Auch die Ergreifung des Kriegsverbrechers Adolf Eichmann war seinem strategischem Geschick zu verdanken.

Heute ist Fritz Bauer der Deutschen liebster Kinoheld. In den großen Spielfilmen „Im Labyrinth des Schweigens“ (2014) und „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (2015) steht sein Kampf im Mittelpunkt. Noch in diesem Jahr wird die Ausstrahlung eines weiteren Fritz-Bauer-Films erwartet. Ulrich Noethen spielt in „Der General“ die Hauptrolle.

Der Dokumentarfilm von Ilona Ziok war also eine verdienstvolle Pioniertat und vielleicht sogar die Initialzündung für diesen Bewusstseinsschub. Sie verzichtet auf jeglichen Kommentar aus dem Off und lässt – oft auch sprunghaft aneinandergereiht – viele Zeitzeugen Bauers Geschichte erzählen. „Ich habe acht Monate jeden Tag am Schnitt des Films gearbeitet“, verrät sie. Auf Nachfrage wird deutlich, dass sie wenig Verständnis für die fiktionalen Ausschmückungen der Spielfilme aufbringt. Zum einen erbost es sie, dass unterstellt werde, Fritz Bauer sei homosexuell gewesen. Zum anderen würde zu wenig deutlich, dass die Ursache des plötzlichen Todes von Fritz Bauer ungeklärt geblieben ist. Der Feind vieler Alt-Nazis starb in der Badewanne einen ebenso rätselhaften Tod wie später der CDU-Politiker Uwe Barschel.

Der Salon im Fraenger-Haus erhellte also eine dunkle Seite der Bundesrepublik.

Von Karim Saab

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