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Potsdam droht neuer Welterbekonflikt

Streit um Neubau der Landesinvestitionsbank Potsdam droht neuer Welterbekonflikt

Unmittelbar neben dem Potsdamer Hbf droht Potsdam ein neuer Konflikt mit den Unesco-Welterbe-Hütern. Welterbe-Referentin Ramona Dornbusch hat bei einer Podiumsdiskussion kritisiert, dass es für den Neubau der Landesinvestitionsbank eine Befreiung vom Bebauungsplan gegeben habe, obwohl der die Belange des Weltkulturerbes berücksichtigte.

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Hartmut Dorgerloh, Ramona Dornbusch und Andreas Kalesse (v.l.n.r.).

Quelle: Christel Köster

Potsdam. In der Potsdamer Stadtmitte droht ein neuer Konflikt um das Unesco-Welterbe. Ramona Dornbusch, Referentin für Welterbe im Landesdenkmalamt Berlin, kritisierte am Dienstag in einer Podiumsdiskussion, dass mit dem Neubau der Landesinvestitionsbank in der Nutheniederung am Hauptbahnhof ein Gebäudemassiv entstehe, das die sogenannte Lange Sicht vom Park Babelsberg nach Geltow zusätzlich beeinträchtige. Ihr sei „unverständlich“, dass ausgerechnet die Landesinvestitionsbank „darauf angewiesen“ sei, „sich vom Bebauungsplan befreien zu lassen und höher baut, als eigentlich verabredet“ sei. Später korrigierte Dornbusch, dass nicht die Höhe, sondern die Baumasse das Problem sei.

Befreiung vom Bebauungsplan löst Empörung aus

Stadtkonservator Andreas Kalesse nannte den Vorgang „ein politisches Problem“. Die Frage, wie die kritisierte Befreiung zustande kam, müsse man „an die Politik richten“. Empörter Protest kam aus dem Publikum von Saskia Hüneke, Bauexpertin bei den Grünen. Die Befreiung sei gegenüber den Stadtpolitikern „überhaupt nicht kommuniziert worden“: „Ich höre das erste Mal davon.“

Die vom Fernsehjournalisten Tim Jäger moderierte Runde mit Dornbusch, Kalesse und dem Generaldirektor der Schlösserstiftung Hartmut Dorgerloh im Bildungsforum war die vierte und letzte Veranstaltung einer Themenreihe zu 25 Jahren Deutsche Einheit. Anlass war der bevorstehende Jahrestag der Eintragung von Schlössern und Parks in Potsdam und Berlin in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes.

Potsdam drohte in ähnlichen Fällen Aberkennung des Welterbe-Titels

Dornbusch erinnerte in einem ersten Statement an zentrale Konflikte wie die Villenbebauung des Glienicker Horns und den Streit um das letztlich sehr viel kleiner als ursprünglich geplante Potsdam-Center. In beiden Fällen drohte der Stadt die Aberkennung des Welterbetitels. Weitere von Dornbusch genannte Konflikte waren die Generalsanierung des Karl-Liebknecht-Stadions und der Bau des Fußballplatzes Nowawiese jeweils in unmittelbarer Nähe des Parks Babelsberg, sowie die Speicherstadt, die den Blick zum landschaftsprägenden Brauhausberg verstellt.

Dorgerloh verwies auf die Moderatorenfrage nach Risiken für den Fall einer Aberkennung des Welterbetitels auf versiegende Fördergelder und Nachteile im weltweiten touristischen Wettbewerb von kulturhistorisch bedeutsamer Ziele. Dresden, das den Titel im Streit um einen Brückenneubau im malerischen Elbtal preisgab, spüre allmählich die Folgen. Kalesse warnte, das Verständnis für den Wert des Kulturerbes verblasse. Jede Generation müsse diesen Wert für sich neu erkennen. Mit Dresden als „Sündenfall“ sei eine „Schwelle durchbrochen“.

Dorgerloh kritisiert fehlende politische Unterstützung

Dorgerloh äußerte erneut scharfe Kritik Richtung Stadt. Die von der Rathauskooperation geplante Bürgerbefragung zur Einführung eines Parkeintritts könne nicht nur den Blick auf Potsdam richten: „Wir stehen da schon in einem höheren Maß in der Verantwortung und unter Beobachtung.“ Dorgerloh kritisierte fehlende politische Unterstützung. Noch nie seien der ehrgeizige Masterplan zur Sicherung der Stiftungsanlagen und der Instandhaltungsrückstau von einer Milliarde Euro Thema der Stadtverordneten gewesen, obwohl die Stadt vom Welterbestatus profitiere.

Das Welterbegebiet wurde zweimal erweitert

Die Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin wurden vom Welterbe-Komitee der Unesco am 12. Dezember 1990 in die Liste des Welterbes aufgenommen. Die erste Unesco-Eintragung nach der politischen Einigung Deutschlands umfasste Gebiete beidseits des 1989 gefallenen Eisernen Vorhangs.

Die Eintragung der Potsdamer Schlösser und Gärten hatte die DDR noch vor der politischen Wende am 29. September 1989 beantragt. Im Kern ging es um den Schlosspark Sanssouci, den Neuen Garten und den Park Babelsberg mitsamt ihren Schlössern. Die Bundesrepublik schlug am 14. Juni 1990 ergänzend die Eintragung von Schloss und Garten Glienicke sowie Pfaueninsel vor.

Weitere heute zum Welterbe zählende Gebiete kamen erst später auf die Liste, weil sie sich zum Zeitpunkt der Ersteintragung auf militärischem Sperrgebiet befanden oder Teil der Staatsgrenze waren. 1992 folgten Schloss und Park Sacrow sowie die Heilandskirche. 1999 kamen unter anderem die Kolonie Alexandrowka, der Pfingstberg mit dem Belvedere, dem Pomonatempel und der Villa Henkel, der Kaiserbahnhof, das Schloss Lindstedt und Teile Bornstedts dazu.

Insgesamt umfasst die Unesco-Welterbestätte heute 2064 Hektar. 1377 Hektar davon sind Teil der Landeshauptstadt. In den Flächen enthalten sind Teile der Havel und diverse Seen.

Statt dessen werde der mit der Stiftung abgestimmte Flächennutzungsplan „verändert“, um mit Wohnungsneubauten am Humboldtring „noch dichter an das Weltkulturerbe heranzugehen“. Das Welterbe sei „nicht nur eine Angelegenheit der Schlösserstiftung“ sagte Dorgerloh. Als generelles Problem nannte er den Umgang mit dem vor 25 Jahren verabschiedeten Grundsatzbeschluss zur weitgehenden Rekonstruktion der historischen Stadtmitte bei paralleler „maximaler Verdichtung“ außerhalb der Innenstadt. Mit dem Beschluss zielte die Stadtpolitik 1990 „auf ein vernünftiges Maß“, so Dorgerloh: „Doch dieses Maß ist an vielen Stellen überschritten.“

Von Volker Oelschläger

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