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Potsdam ehrt Hans-Christian Ströbele

Max-Dortu-Preis für Grünen-Ikone Potsdam ehrt Hans-Christian Ströbele

Der Grünen-Politiker und Bürgerrechtler Hans-Christian Ströbele wurde am Sonntag mit dem ersten Max-Dortu-Preis der Landeshauptstadt für Zivilcourage und gelebte Demokratie geehrt. Die Laudatio hielt der Schriftsteller und Journalist Dirk Kurbjuweit.

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Hans-Christian Ströbele (M.) mit Ehefrau Juliana Ströbele-Gregor und dem Laudator Dirk Kurbjuweit am Sonntag im Saal des Potsdam-Museums.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Als dem Politiker und Bürgerrechtler Hans-Christian Ströbele (78) der Max-Dortu-Preis der Landeshauptstadt angetragen wurde, habe er zunächst überlegen müssen, ob er diese Ehrung annimmt: „Eigentlich bin ich jemand, der was gegen Orden und Ehrungen hat – gerade in Preußen“, sagte er am Sonntag in seiner Dankesrede. Der mit 5000 Euro dotierte Preis für Zivilcourage und gelebte Demokratie soll alle zwei Jahre vergeben werden. Max Dortu, Bürgersohn aus Potsdam, stritt und kämpfte für die Bürgerliche Revolution 1848/49 in Potsdam, Berlin und schließlich auch in Baden, wo er am 31. Juli 1849 bei Freiburg im Alter von 23 Jahren von preußischen Militärs standrechtlich erschossen wurde. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) zitierte zur Begrüßung Max Dortus letzte Worte: „Ich sterbe für die Freiheit! Zielt gut, Brüder!“

„Revolution in Deutschland, das wird nie etwas“

Der Schriftsteller und Journalist Dirk Kurbjuweit resümierte in seiner Laudatio die „drei und ein Viertel“ Revolutionen in Deutschland. Vollwertig sind ihm die Revolutionen von 1848/49, 1918/19 und 1989. Das Viertel sei „der Aufstand von 1967/68, als ein kleiner Teil der Deutschen eine andere Demokratie errichten wollte“. Alle Revolutionen aber verband „leider, was Lenin meinte, als er sagte: Revolution in Deutschland, das wird nie etwas. Wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen sie sich noch eine Bahnsteigkarte“. Anders als Lenins Bolschewiki vor 100 Jahren seien die deutschen Revolutionäre „in der großen Mehrzahl nicht wirklich radikal“: „Sie wollten nicht alle bestehenden Institutionen stürzen, sondern sich an bestehende Institutionen anlehnen. So ganz ins Freie mochte man nicht gehen.“

Ströbele und Dortu eine „der Gedanke der Demokratie: Herrschaft des Volkes, bürgerliche Freiheiten“. Beide hätten in Heidelberg und Berlin Jura studiert. Kurbjuweit erinnerte an Ströbeles Zeit ab 1969 im Sozialistischen Anwaltskollektiv, als Verteidiger von Andreas Baader und später Horst Mahler: Er wisse nicht, wie weit sich Ströbele als deren Anwalt auf die Ziele der Terroristen eingelassen habe: „Ich weiß aber dass, wer Terroristen verteidigt, auch den Rechtsstaat verteidigt.“ Eine starke Verteidigung vor Gericht sei „eine der edelsten Grundlagen des Rechtsstaats“.

„Ströbele wählen, heißt Fischer quälen“

In seiner zweiten Karriere als Politiker war Ströbele Mitgründer der Alternativen Liste und eroberte als Grüner ab 2002 mehrfach ein Direktmandat für den Bundestag. Seine Rolle beschrieb Kurbjuweit mit einem Wahlkampfslogan: „Ströbele wählen, heißt Fischer quälen.“ Joseph Fischer, einst Straßenkämpfer, marschierte „entschlossen durch die Institutionen, bis er Außenminister wurde“. Die Demokratie brauche diesen Typus, so der Laudator: „Aber Leute wie Fischer müssen gequält werden, da sind wir uns einig. Und quälen heißt hier: kontrollieren und eindämmen.“ Ströbeles Aufgabe. Ihm fehle jenes Grundvertrauen in die deutschen Institutionen, an dem die deutschen Revolutionen scheiterten: „Und das macht Sie so wichtig für die Bundesrepublik.“

Anders als Dortu habe Ströbele nicht mehr kämpfen müssen, dass demokratische, freiheitliche Institutionen entstehen: „Sie mussten dafür sorgen, dass diese Institutionen, vor allem Geheimdienst und Sicherheitsbehörden, demokratisch kontrolliert werden, damit die Gesellschaft freiheitlich bleibt.“ Da sei Ströbele „unerbittlich und unbeugsam“ gewesen, habe „nie die Bahnsteigkarte gelöst“: „Ihre Waffe ist nicht die Pistole wie in Zeiten Max Dortus, Ihre Waffe ist das Wort, vor allem die Frage“, sagte Kurbjuweit: „Das verbindet uns: Mit der Frage beginnt die Aufklärung, beginnt die Kritik, beginnt die Veränderung.“

Potsdam erinnert an Max Dortu

In Potsdam sind die Grundschule in seinem Geburtshaus und die angrenzende Straße nach Max Dortu benannt. Doch die Gedenkkultur war nicht immer einmütig.

Das Gedenken zu Max Dortus Todestag blieb jahrelang linken Gruppen überlassen. 2015 beteiligte sich die Stadt erstmals offiziell. Mit dem Max-Dortu-Preis hat die Stadt sich nun auch überregional bekannt.

Auf satirische Weise wird Max Dortus am 12. November gedacht, wenn linke Gruppen zum dritten Mal zum Max-Dortu-Gedenksteinwerfen vor das Stadtschloss einladen.

Von Volker Oelschläger

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