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Potsdam Vor 20 Jahren: Polizisten-Mord erschüttert Potsdam
Lokales Potsdam Vor 20 Jahren: Polizisten-Mord erschüttert Potsdam
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15:26 20.08.2015
Heute wird an Polizeihauptmeister Martin Heinze erinnert.  Quelle: Privat
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Potsdam

 Heute vor 20 Jahren wurde der Potsdamer Polizist Martin Heinze im Kirchsteigfeld von einem Verbrecher getötet. Bis heute steht sein Name für den einzigen Brandenburger Polizisten, der im Dienst ermordet worden ist. In der Friedenskirche findet heute ab 15.30 Uhr ein öffentlicher Gedenkgottesdienst für Martin Heinze statt.

Der Einsatz, der für den 46-jährigen Polizeihauptmeister tödlich endete, begann in den Morgenstunden des 20. August 1995. Gemeinsam mit einem Kollegen war der 46-Jährige als Zivilfahnder im Wohngebiet Kirchsteigfeld unterwegs. Ein Anwohner hatte gemeldet, dass sich zwei Männer an Haustüren zu schaffen machten. Als die Beamten nach längerer Suche in einem zivilen Dienstwagen einen Verdächtigen überprüfen wollen, flieht dieser. Doch Heinze kann den Mann auf einer Baustelle stellen. „Ich habe ihn festgenommen“, meldet er über Funk. Doch dann reagiert er nicht mehr auf Nachfragen.

Schlagzeile vom 23. August 1995. Quelle: MAZ

Sein Kollege findet Martin Heinze kurz darauf blutüberströmt und leblos auf dem Boden. Während Heinze mit einem Krankenwagen ins Bergmann-Klinikum gebracht wird, löst die Polizei eine Großfahndung mit 15 Streifenwagen aus. Vor einem Wohncontainer wird ein blutiges Messer gefunden. In dem Container schläft der 44 Jahre alte polnische Bauarbeiter Ryszard L. seinen Rausch aus. Er wird festgenommen. Zu diesem Zeitpunkt ist Martin Heinze bereits tot. Auf dem Weg ins Krankenhaus war der zweifache Familienvater einer Stichverletzung erlegen. Ein Gericht stellt später fest, dass Ryszard L. die 12 Zentimeter lange Klinge direkt ins Herz des Polizisten gestoßen hatte.

Getötete Polizisten in Deutschland

50 Polizisten wurden von 1990 bis 2014 in ganz Deutschland im Dienst „durch Rechtsbrecher tödlich verletzt“, wie es in der offiziellen Statistik der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster heißt. Die Opferzahlen sinken seit langem. Seit 2004 kamen acht Polizisten auf diese Weise ums Leben.

364 weitere Polizisten sind 1990 deutschlandweit im Dienst tödlich verunglückt. Davon waren 21 Beamte aus dem Land Brandenburg.

Mindestens ein Brandenburger Fall ist zudem ungeklärt: 2009 wurde der Polizeihauptkommissar Steffen M. vor seinem Haus in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) erstochen.

 
Ob es sich dabei um einen gezielten Polizistenmord handelte, kann bis heute nicht mit Sicherheit gesagt werden, da der Getötete zu diesem Zeitpunkt außer Dienst und Zivilkleidung gewesen war.

 Weil der Täter zum Tatzeitpunkt unter Alkohol- und Drogeneinfluss stand, wurde er nicht wegen Mordes, sondern Totschlags zu 14 Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Seine Haft in der JVA Brandenburg hat der Täter mittlerweile vollständig abgesessen. „Sein Antrag auf vorzeitige Haftentlassung wurde damals abgelehnt, weil er während der Haft an einer Meuterei teilgenommen hat“, sagt Ullrich Papperitz.

Papperitz ist pensionierter Polizeibeamter und Sprecher des Martin-Heinze-Fonds, der die Angehörigen von getöteten oder gesundheitlich schwer geschädigten Polizisten in Brandenburg finanziell unterstützt. Er hat den Gedenkgottesdienst heute Nachmittag initiiert. „Wir denken an Martin Heinze und das soll keine Worthülse sein“, sagt Papperitz, der vor seinem Ruhestand 2012 Leiter der Landeseinsatzeinheit der Polizei war. Seitdem engagiert er sich für den Polizeiunterstützungsfonds, dessen Benennung nach Martin Heinze er ebenfalls veranlasst hat. Im Rahmen des heutigen Gottesdienstes wird eine Gedenktafel für Martin Heinze an die Polizeiinspektion Potsdam überreicht. „Ich wünsche mir, dass auch die Öffentlichkeit an diesem Gottesdienst teilnimmt. Das wäre ein Zeichen der Anerkennung, welchen schweren Job die Polizei leistet“, sagt Papperitz.

Gedenkfeiern an den Kollegen fanden schon zum fünften und zehnten Jahrestag seines Todes in der Friedenskirche statt. Heute wird der frühere Potsdamer Polizeipräsident Bruno Küpper an Heinze erinnern. Auch der Polizeiseelsorger Sven Täuber wird sprechen. Als Gäste haben sich Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe und Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs angemeldet. Die Töchter von Heinze, die erst sieben und fünfzehn Jahre alt waren, als ihr Vater getötet wurde, werden ebenfalls anwesend sein. „Sie haben lange gebraucht, um über den Verlust des Vaters hinwegzukommen“, sagt Papperitz. Heute stünden beide fest im Berufsleben. Die 57-jährige Witwe muss der Feier dagegen fernbleiben, da sie sich auf einer lange geplanten Reise befinde. Das Grab von Martin Heinze befindet sich auf dem Neuen Friedhof in Potsdam.

Von Peter Degener

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