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Potsdam erinnert an den Kapp-Putsch

Gedenktafel am Alten Markt Potsdam erinnert an den Kapp-Putsch

Das Potsdamer Rathaus befürwortet in einer Mitteilung für die Stadtverordneten eine Gedenktafel für die Opfer des Kapp-Putsches vom März 1920 im Umfeld des Alten Marktes. Eine Realisierung zum 100. Jahrestag könne allerdings „nicht zugesichert werden“, heißt es mit Verweis auf eine „voraussichtlich bestehende Baustellensituation im entsprechenden Bereich“.

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Biwak der Putschtruppen am 13. März 1920 auf dem Berliner Wilhelmplatz.

Quelle: Ullstein Bild

Potsdam. 100 Jahre nach den Ereignissen soll mit einer Gedenktafel in der Umgebung des Alten Marktes an die Potsdamer Opfer des Kapp-Putsches erinnert werden. Der Zeitpunkt ist aber noch unklar: „Eine entsprechende Realisierung zum 100. Jahrestag des Kapp-Lüttwitz-Putsches 2020“, so die Mitteilung der Verwaltung, könne „aufgrund der zu diesem Zeitpunkt voraussichtlich bestehenden Baustellensituation im entsprechenden Bereich noch nicht zugesichert werden.“

Am 16. März 1920 waren bei einer Kundgebung vor dem Stadtschloss vier Demonstranten erschossen und viele weitere verletzt worden. Landesweit kamen 1500 Menschen bei Kampfhandlungen ums Leben. Der Putschversuch kam über den größten Generalstreik in der deutschen Geschichte zum Erliegen. In Potsdam waren unter anderem Wasser-, Elektrizitäts- und Gaswerke bestreikt worden.

Am 31. März 1920 wurde von allen Fraktionen in Potsdams Stadtverordnetenversammlung der Toten gedacht. Ein gemeinsamer Antrag von SPD und USPD zur Errichtung eines Gedenksteins „an der Mordstelle“ wurde von der bürgerlichen Mehrheit abgelehnt.

Eine zweite Gedenktafelinitiative folgte im September 2015 mit einem Antrag der Linken. 95 Jahre nach den Ereignissen sei der Landtag in der Hülle des Stadtschlosses wieder aufgebaut, so der Kreisvorsitzende der Linken Sascha Krämer: „Ist es da nicht an der Zeit, dieser Opfer zu gedenken?“ Nach dem Ursprungsantrag sollte sich der Oberbürgermeister bei der Landesregierung für die Anbringung einer Gedenkplatte einsetzen: „Was einst nicht gelang, sollte heute unter einer rot-roten Landesregierung möglich sein.“

Auf Antrag der SPD wurde der Text der Linken erweitert mit der Einordnung des Anliegens in ein städtisches Gedenkkonzept sowie mit dem Auftrag an die Verwaltung, in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Zeithistorische Forschungen und der Universität eine Dokumentation zu erarbeiten. Dass Ergebnis dieser Untersuchung soll nächste Woche im Kulturausschuss diskutiert werden.

Die Opfer wurden auf dem Neuen Friedhof bestattet

Am 16. März 1920 starben die 19-jährige Helene Bürger (Nowawes), der 24-jährige Schuhmacher Oskar Heinrich (Nowawes), der 27-jährige Maurer August Fröhle (Nauen) und der 26-jährige Klempner Fritz Wilhelm Hagemeister (Potsdam). Sie wurden auf dem Neuen Friedhof bestattet, ihre Grabstellen sind nicht erhalten geblieben.

Nach einem im Zuge der jüngsten Recherchen gefundenen Bericht der Potsdamer Abendzeitung wurde auch auf Flüchtende geschossen, was „die Situation umso unmenschlicher darstellt“. Der „Vorfall“ habe für „keinen der beteiligten Soldaten oder deren Vorgesetzte Konsequenzen“ gehabt.

Ein Misstrauensantrag von SPD und USPD gegen Oberbürgermeister Kurt Voßberg wurde von der Mehrheit abgelehnt.

Auf Basis der von Christian Perseke vorgelegten Dokumentation stellt die Verwaltung in ihrer Mitteilung fest: „Die Würdigung der Opfer und die Erinnerung an den Kampf gegen diktatorische Regime werden seitens der Landeshauptstadt ausdrücklich befürwortet.“ Dem Gutachten folgend werde vorgeschlagen, „eine Gedenktafel im Umfeld des Alten Marktes einzulassen“. Die „Würdigung der Opfer“ werde ein wissenschaftliches Symposium begleiten, das an die Doppelausstellung „Umkämpfte Wege der Moderne“ des Potsdam-Museums über Potsdam in den Jahren 1919 bis 1939 anschließt.

Von Volker Oelschläger

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