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Potsdam Potsdam hat ein Fotomotiv mehr
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10:55 27.09.2017
Die Sandstein-Kolonnaden an der Glienicker Brücke sind wieder ein sicheres Fotomotiv.. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Berliner Vorstadt

Die Kolonnaden der Glienicker Brücke sind fertig. Am Dienstag wurden sie nach dreijähriger Sanierung wieder offiziell an die Öffentlichkeit übergeben. Die Stadt Potsdam hat 680000 Euro für die Arbeiten bezahlt; die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) gab 110000 Euro dazu, die durch Benefizaktionen und 725 Spender gesammelt worden waren. Dazu hatte es einen Spendenaufruf gegeben, berichtet Heidi Gerber von der Stiftung. Es hätten einfach Menschen zu Geburtstagen auf Blumen verzichtet oder auch Geld vererbt.

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Potsdam hat ein Fotomotiv mehr: Die Kolonnaden an der weltberühmten Glienicker Brücke sind fertig restauriert und Ende September und Ende September feierlich der Öffentlichkeit übergeben worden. MAZ-Fotograf Bernd Gartenschläger war dabei.

Die Restaurierung der 1905-07 errichteten Säulenarchitektur am früheren Grenzübergang zwischen Ost und West war dringend nötig, weil die Standsicherheit der mächtigen Säulen und ihrer Abdeckplatten nicht mehr garantiert werden konnte. Die inneren Stahlverbindungen der aus Wünschelburger Sandstein bestehenden Säulenarchitektur waren gerostet. Die damit verbundene Volumenzunahme führte zu Rissen und gefährdete die Säulen und Gesimse der die Brücke seitlich begrenzenden Konstruktion. Die aus „Trommeln“ zusammengesetzten Säulen hielten nur noch durch das Eigengewicht des Steins. Die beiden Kolonnaden wurden nacheinander abgebaut und mit Edelstahlverbindungen innerhalb der Säulen und von Platte zu Platte wiedererrichtet. Auch der einzeln stehende Pfeiler – wurde restauriert.

Die Kolonnaden wurden komplett abgebaut und wieder aufgebaut. Quelle: Bernd Gartenschläger

Nach Restarbeiten an einer Treppe zum Wasser wünscht sich die Stadt jetzt eine Kleinstein-Pflasterung auf den Brückenwegen auf der Potsdamer Seite. Norbert Praetzel, Chef des Verwaltungsbereiches Grün- und Verkehrsflächen, sagte der MAZ, das werde 80000 bis 100000 Euro kosten, die man noch nicht habe. Derzeit liegen dort rötliche Betonsteinplatten aus DDR-Zeiten; sie sind vielfach schon gebrochen und von Fugengrün durchsetzt.

Die Glienicker Brücke war im 17. Jahrhundert zunächst ein schmaler Holzübergang. Nach und nach ersetzte man diesen durch zwei weitere Übergänge. Anfang des 20. Jahrhunderts folgte die „plumpe Eisenkonstruktion“, über die die Fachwelt spöttelte. Den Spaziergängern und Radfahrern gefiel die Stahlträgerkonstruktion jedoch, und die Brücke avancierte rasch zum beliebten Ausflugsziel. Nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut, diente die Brücke als Grenzübergang zwischen Ost und West. Von 1953 bis zum Mauerfall im November 1989 war sie nur mit Sondergenehmigung zu passieren. Im Kalten Krieg erlangte sie zwiespältigen Ruhm als Austauschpunkt für Agenten. Seit 1990 gehört das Ensemble zum Weltkulturerbe Potsdam.

Die Kolonnaden sind das Tor zur Stadt

Die Glienicker Brücke über die Havel zwischen Berlin und Potsdam verbindet im Verlauf der Bundesstraße 1 die Königstraße (Berlin-Wannsee) mit der Berliner Straße in der Berliner Vorstadt von Potsdam. Ihren Namen verdankt die Straßenbrücke dem in der Nähe gelegenen ehemaligen Gut Klein Glienicke, an dessen Stelle heute das Schloss Glienicke liegt. Die Fachwerkbrücke wurde Ende 1907 als viertes Bauwerk an dieser Stelle unter dem Namen Kaiser-Wilhelm-Brücke eröffnet, der sich jedoch nicht durchsetzte.

Quer über die Brückenmitte verläuft die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Berlin bzw. die Stadtgrenze zu Potsdam. Während der Zeit der Deutschen Teilung erlangte die Glienicker Brücke weltweite Bekanntheit durch den am 11. Februar 1986 spektakulär inszenierten dritten und letzten Agentenaustausch.

Ende des 17. Jahrhunderts wurde eine erste schmale Holzbrücke an dieser Stelle gebaut, die dem Adel als Verbindung zwischen den Potsdamer Schlössern und den Jagdgründen auf der anderen Havelseite vorbehalten war. 1754, knapp 100 Jahre später, wurde eine ständige Postverbindung zwischen Berlin und Potsdam über die Brücke eingerichtet, die nun auch für den allgemeinen Kutschverkehr geöffnet wurde. Wegen der schnellen Zunahme des Verkehrs musste das alte Bauwerk 1777 durch eine neue hölzerne Zugbrücke mit Geländer und beidseitigen Wachhäuschen ersetzt werden. Da es bei der Kontrolle häufig Probleme gab – manche Kutscher fuhren einfach unkontrolliert durch –, wurde erstmals ein Schlagbaum auf dieser Brücke errichtet.

Neben der Holzbrücke wurde 1831 mit dem Bau einer Steinbrücke begonnen, die auf Entwürfe des preußischen Hofarchitekten Karl Friedrich Schinkel basierte. Für die Bauausführung bestimmte der preußische Staat.

Mit der Eröffnung des Teltowkanals am 2. Juni 1906 und dem Beginn des motorisierten Verkehrs wurde es dringend nötig, die Zugbrücke durch eine höhere und feste Brücke zu ersetzen, denn die 1900 begonnene Binnenwasserstraße, die aus der Glienicker Lake kommt, endete an der Schinkelschen Brücke. Für die Jahre 1902 bis 1904 wurde ein durchschnittliches monatliches Verkehrsaufkommen von 11.400 Fuhrwerken und Autos angegeben.

Trotz Protesten von Denkmalschützern wurde nun die Ziegelsteinbrücke abgerissen und 1906 mit dem Neubau einer Straßenbrücke begonnen. Es handelt sich um eine Fachwerkbrücke mit einem aufgelösten Tragwerk aus Stahl.. An den gemauerten Kopfenden der Brücke sind steinerne Kentauren des Bildhauers Stephan Walter als Schmuck aufgesetzt. Am 16. November 1907 wurde das Bauwerk dem Verkehr übergeben.

Über die neue Brücke fuhr bis 1916 auch eine Linie der Potsdamer Straßenbahn, die auf der Wannseer Seite endete. Eine Verlängerung bis zum Bahnhof Wannsee war geplant, wurde aber nie gebaut.

Ab 1937 ließ die Reichsverwaltung die Reichsstraße 1 (heute: Bundesstraße 1) vierstreifig ausbauen. Die Glienicker Brücke wurde um 4,50 Meter verbreitert und angehoben und damit verkehrsmäßig angepasst. Sie zählte bald zu den meist befahrenen Straßenbrücken Deutschlands.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstand neben der unpassierbaren Brücke eine provisorische Holzkonstruktion. Am 3. November 1947 begann der Wiederaufbau der Brücke

Ab 1952 wurde die Brücke für den privaten Autoverkehr gesperrt, Fußgänger konnten nur mit einer Sondergenehmigung hinüber gelangen. Militärische Kontrollposten wurden eingerichtet, die nur noch Angehörige der Militärverbindungsmission passieren ließen. Diese hatten ihre Hauptsitze in West-Berlin und ihre offiziellen Standorte in unmittelbarer Nähe der Potsdamer Seestraße (Frankreich und Großbritannien) sowie in Sacrow (USA). Von dort aus konnten sie – gemäß dem Potsdamer Abkommen – Kontrollfahrten zu Militäranlagen in der DDR machen. Am 3. Juli 1953 wurde die Brücke als einer der letzten Verbindungswege von Berlin ins Umland für Zivilpersonen komplett gesperrt.

Zwischen 1962 und 1986 wurden auf der Glienicker Brücke drei Mal hochrangige Agenten beider Militärlager gegeneinander ausgetauscht. Unter anderem wurden am 10. Februar 1962 die Spione Rudolf Iwanowitsch Abel und Francis Gary Powers ausgetauscht. Ab 1963 durften darüber hinaus Mitglieder der in West-Berlin residierenden Militärmissionen der ČSSR, Polens und Jugoslawiens (und teilweise deren Familienmitglieder) die Brücke mit entsprechenden Ausweispapieren passieren. (aus Wikipedia)

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz konnte seit 1985 aus Spenden, Erträgen ihrer treuhänderischen Stiftungen, Geldauflagen, Nachlässen und Mitteln der Lotterie GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, über eine halbe Milliarde Euro für weit über 5200 bedrohte Baudenkmale in ganz Deutschland zur Verfügung stellen. In Potsdam förderte die DSD über 50 Objekte.

Von Rainer Schüler

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