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Potsdam hat eine neue Liebe

Fakten zur Städtepartnerschaft mit Versailles Potsdam hat eine neue Liebe

Am Wochenende präsentierten François de Mazières (l.), Stadtpräsidentin Birgit Müller (Linke) und OB Jann Jakobs (SPD) den Städtepartnerschaftsvertrag. Doch was weiß man über den eleganten Ort eigentlich – außer dass dort Mätressen und Monarchen ihre Glanzzeit erlebten? Die MAZ erklärt die spezielle Verbindung nach Washington und warum Molière eine besondere Rolle spielt.

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François de Mazières (l.) mit Stadtpräsidentin Birgit Müller (Linke) und Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD).

Quelle: Sigrid Sommer

Potsdam/Versailles. Drum prüfe, wer sich ewig bindet: Am Wochenende wurde die Städtepartnerschaft mit Versailles im Rahmen einer feierlichen Vertragsunterzeichnung von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und Francois de Mazières besiegelt. Vive l’amour! Doch wer ist die neue Langzeitliebe der Landeshauptstadt überhaupt? Hier ein kleiner Faktencheck.

Was haben Versailles und Washington miteinander zu tun?

Eine Menge. Ein gewisser Major Pierre Charles L’Enfant – von Hause aus Künstler und Ingenieur – hatte sich im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg verdient gemacht. Mit 22 Jahren hatte sich der Franzose freiwillig nach Übersee gemeldet. Einer seiner Freunde: General George Washington. Als man eine neue Hauptstadt für die jungen Vereinigten Staaten gründen wollte, bot sich L’Enfant enthusiastisch an. Für den Plan hatte er schon ein prominentes Vorbild im Kopf. Die französische Residenz Versailles, deren Grundgerüst ein Straßenfächer ist. Darum herum ist ein regelmäßiges Straßenraster mit repräsentativen Stadtplätzen angelegt.

Eleganter Wohnort

Die Stadt in der Region Île-de-France hat 85 272 Einwohner (Stand 2013). Sie ist Verwaltungssitz des Départements Yvelines und Sitz des Bistums Versailles. Der elegante Wohnort im Einzugsbereich von Paris ist Garnisonsstadt und einer der bedeutendsten Fremdenverkehrsorte des Landes.

Der Ursprung des Namens Versailles ist nicht geklärt. Gelegentlich wird die Vermutung geäußert, er sei im 11. Jahrhundert vom Lateinischen versare – drehen, umdrehen – abgeleitet worden, und bezöge sich auf gepflügte Erde.

Anfang des 17. Jahrhunderts ließ Ludwig XIII. ein kleines Jagdschloss mitten im Wald errichten. 1668 beschloss sein Sohn Ludwig XIV., dort seinen Regierungssitz entstehen zu lassen. In den nächsten 30 Jahren entstanden in teils waldigem, teils sumpfigem Gebiet das Schloss Versailles mit Parkanlagen. Es wurde zum Symbol des Absolutismus.

Versailles ist Standort von Unternehmen wie Nexter, Renault Trucks (Militärfahrzeuge), Citroën und von Blizzard Entertainment. Die Stadt hat eine Universität mit über 10 000 Studenten.

Gut zu wissen: Die „Versailles City Greeters“ sind Einheimische, die Touristen gratis ihre Stadt zeigen. Mehr Infos unter www.versailles-tourisme.com.

Hatte Potsdam einen guten Riecher, als Versailles zur Partnerstadt auserkoren wurde?

Definitiv. Denn die Stadt besitzt ein einzigartiges „Archiv für Gerüche“. Diese „Osmothèque“ umfasst über 3000 Düfte. Neben der Archivierung bekannter Düfte steht auch die Rekonstruktion verloren gegangener Duftkompositionen auf Basis alter Formeln und Beschreibungen im Mittelpunkt . In der Sammlung befinden sich etwa Parfüms aus der Zeit des Römischen Reiches und das Parfüm Napoleons im Exil auf St. Helena.

Spieglein, Spieglein an der Wand?

Der 73 Meter lange Spiegelsaal (Galerie des Glaces) im Schloss von Versailles ging in die deutsche Geschichte ein: 1871 wurde das deutsche Kaiserreich ausgerufen. Und am Ende des Ersten Weltkrieges wurde hier der Friedensvertrag unterzeichnet.

Touristen posieren für ein Selfie im Park von Schloss Versailles

Touristen posieren für ein Selfie im Park von Schloss Versailles.

Quelle: AFP

Machen Potsdam und Versailles schon länger gemeinsame Sache?

Ja, im Rahmen der „Association of European Royal Residences“ (ARRE). Dem Netzwerk gehören 21 königlich Residenzen an. Den Vorsitz hat derzeit Catherine Pégard, Chefin von Schloss Versailles, inne. Vizepräsident ist Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Schlösserstiftung. Obwohl Versailles mit riesigen Dimensionen punktet, braucht Sanssouci sich nicht zu verstecken: „Auch mit kleinen Schlössern kann man große Brötchen backen“, sagt Dorgerloh. Versailles erhebt übrigens für Teile der Schlossgärten einen Eintritt, der der Parkpflege zugute kommt. Ob das inspirierend wirken kann?

Im Schloss von Versailles

Im Schloss von Versailles.

Quelle: AFP

Wer ist der Mann, der die Geschicke der Partnerstadt lenkt?

François de Mazières – Jahrgang 1960 – ist seit 2008 Bürgermeister. Genauso wie seine Frau Christine ist er Absolvent der Elite-Hochschulen, die meist für eine Karriere im Staatsdienst qualifizieren. De Mazières ist – politisch gesehen – ein Konservativer. Er schätzt Kanzlerin Angela Merkel. Der praktizierende Katholik gilt als ausgewiesener Kunst- und Architekturexperte. Auf sein Konto geht das Theaterfestival „Le Mois Molière“ (Molière-Monat), das in diesem Juni sein 20-jähriges Jubiläum feiert. De Mazières hat selbst ein Stück geschrieben. Titel: „Commedia Cathodique“.

Von Ildiko Röd

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