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23:34 26.01.2018
Potsdams erste Ehrenbürgerin: Helga Schütz bei der offiziellen Zeremonie. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Der Neujahrsempfang der Landeshauptstadt am Freitag im Nikolaisaal mag nicht so Promi-gespickt gewesen sein wie der letztjährige, als SAP-Gründer und Mäzen Hasso Plattner mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet wurde. Aber die Veranstaltung vor 600 Gästen war ebenfalls bemerkenswert, handelte es sich doch um eine Premiere. Fast könnte man sagen: Potsdam ist in Sachen Ehrungen etwas verspätet in der Moderne angekommen. Denn: Endlich hat die Stadt eine Ehrenbürgerin. Die Drehbuchautorin und Schriftstellerin Helga Schütz ist die erste Frau in der langen Liste, die immerhin bis 1822 zurückreicht – ein Verwalter des Königlichen Schauspielhauses namens Deesen machte den Auftakt.

Helga Schütz ist eine Frau des Wortes; das stellte sie auch mit ihrer klugen, teilweise bewegenden Dankesrede unter Beweis. Die filigrane Babelsbergerin, die ihr langes weißes Haar zu einem Zopf geflochten trug, nahm ein Kindheitserlebnis als Aufhänger: Eine Episode rund um ihre Sparspieldose, die die Mutter in Dresdner Trümmern gefunden hatte. Als sie den Schatz stolz in der Schule zeigen will, wird sie von den Lehrerinnen brüsk zurechtgewiesen: Die Büchse sei ein hässliches Symbol überkommener Zeiten, in ihr herrsche „ein Geist, ein gestriger Geist, ein garstiger Geist“. Was das gerüffelte Kind nicht ahnen konnte: Die Form der Dose – eine Miniaturnachbildung der Garnisonkirche – hatte für Empörung gesorgt.

Freitag, 26. Januar 2018: Im Nikolaisaal findet der Neujahrsempfang der Stadt Potsdam statt. Er war nicht so Promi-gespickt wie der letztjährige, dafür gab es eine Premiere: Endlich hat die Stadt eine Ehrenbürgerin.

Die Botschaft, die die Ehrenbürgerin mit ihrer Rede rüberbringen wollte: Bauwerke wie der Garnisonkirchturm, dessen Baustart vor zwei Monaten gefeiert wurde, sollten nicht an einer Episode ihrer Geschichte absolut gemessen werden – diese umfasse viel mehr. „Wenn ich zaubern oder zahlen könnte, würde ich den ungefähren echten Turm der Garnisonkirche einfach wieder hinstellen“, sagte die Achtzigjährige, die lange mit Defa-Regie-Star Egon Günther zusammengelebt hatte. Radwege, Trams und Busse, freundliche Schulen und Kindergärten, freie Uferwege und besondere Fürsorge für den Heiligen See – das und mehr würde sie finanzieren, sollte sich die Spardose der Kindheit durch Zauberkraft in eine reale Mega-Geldquelle verwandeln.

Sophie Prinzessin von Preußen war zum ersten Mal beim Potsdamer Neujahrsempfang. Quelle: Friedrich Bungert

Die sehr persönliche Laudatio hielt Dieter Wiedemann, der frühere Präsident der nunmehrigen Filmuniversität „Konrad Wolf“. Beide sind langjährige Weggefährten; teilten außerdem viele Jahre die Leidenschaft fürs Baden im Heiligen See, wie Wiedemann verriet. Beruflich kreuzten sich ihre Wege an der Film-Uni, wo Schütz lehrte. Die neue Ehrenbürgerin sei von „charmanter Hartnäckigkeit“; an ihre literarischen Schöpfungen wende sie „viel Liebe und immer wieder Liebe“, so Wiedemann.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) betonte: „Sie hat in ihren Arbeiten auch Figuren geschaffen, in denen sich das Leben in Potsdam in besonderer Weise spiegelt.“ Für Jakobs war es der letzte Neujahrsempfang als Gastgeber. In seiner Rede positionierte er sich klar gegen rechtslastige Tendenzen, plädierte eindringlich für Toleranz und eine schnelle Regelung des Familiennachzugs. Dafür gab es Applaus.

Professorin Helga Schütz und Dieter Wiedemann. Quelle: Friedrich Bungert

Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff postulierte in seiner Rede über Potsdam: „Die Stadt muss wachsen – über sich selbst hinaus.“ Tatsächlich wächst sie auch an Promis. Beim Empfang saß in der ersten Reihe neben Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) eine bekannte Neu-Potsdamerin: Sophie Prinzessin von Preußen. Sie wohnt mit ihrem Mann, Hohenzollern-Chef Georg Friedrich, und den vier Kindern seit Jahresbeginn in Babelsberg.

Die Familie habe sich gut eingelebt, erzählte sie: Die drei älteren Kinder besuchen eine Kita in Babelsberg. Der Grund für den Umzug von Fischerhude bei Bremen nach Potsdam ist die Verbundenheit mit der Stadt. Zudem wollten sich die Eheleute schlicht mehr sehen: „Mein Mann ist beruflich in Berlin tätig – wir hatten eine Wochenendehe“, erläuterte die Neu-Babelsbergerin. Ihr Mann hat 2017 die „Kgl. Preußische Biermanufactur“ gegründet. Perfekt für die Preußens: Gestern wurde der „Tag der Eheleute“ gefeiert, wie Gastgeber Jann Jakobs mehrfach in seiner Rede hervorhob.

Von Ildiko Röd

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