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Potsdam hinkt beim Impfen hinterher

Negativbeispiel im Landesvergleich Potsdam hinkt beim Impfen hinterher

Beim Schutz vor Masern, Mumps und Röteln schneidet die Landeshauptstadt im Landesvergleich in der Altersgruppe der Kleinkinder und Einschüler schlecht ab. Vor allem in der Brandenburger Vorstadt nehmen Eltern vom Impfen Abstand. Am Stern, in Drewitz, in der Waldstadt und im Kirchsteigfeld ist die Impfquote am höchsten.

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Ein Impfausweis ist am 24.02.2015 in Berlin zu sehen. Das Feld für die Krankheit Masern ist leer. Foto: Lukas Schulze/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Quelle: dpa

Potsdam. Die Potsdamer sind Impfmuffel. Eine Anfrage der CDU-Abgeordneten Steeven Bretz und Raik Nowka im Landtag zu den Impfquoten im Land Brandenburg entlarvt die Landeshauptstadt als Negativbeispiel in der Altersklasse der Kleinkinder und Einschüler. Zwar haben sich die Werte in den vergangenen Jahren etwas gebessert, sie liegen aber noch immer unter dem Landesschnitt. „Gerade für Kleinkinder gefährliche Krankheiten wie Masern sind nur unzureichend geimpft“, warnt Bretz. Als Richtmaß dient ihm die von der WHO empfohlene Quote von mindestens 95 Prozent. Im Landesschnitt liegt sie bei Kleinkindern bei 90,2 Prozent, bei Einschülern bei 95,2 Prozent. Potsdam rangiert mit 89,7 und 92 Prozent deutlich unter der Vorgabe.

„Vorfälle wie Masernausbrüche in Berlin, die sogar Todesopfer fordern, zeigen, dass hier nicht genug auf einen ausreichenden Schutz geachtet werden kann“, sagt Bretz. „Wir alle, die Stadt, die Ärzte und die Apotheken bis zu den Eltern müssen noch stärker für einen flächendeckenden Impfschutz sensibilisieren – damit Fälle wie der in der Hauptstadt endlich der Vergangenheit angehören.“

Trotz niedriger Quote blieb die Lage in Potsdam in diesem Jahr ruhig. Laut Kristina Böhm, Bereichsleiterin des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, sind im Jahr 2017 drei Fälle von Masern gemeldet worden. Die Potsdamer Zahlen seien im Vergleich zu Berlin ein „Traum“. Auch ist keine der übrigen Kinderkrankheiten auf dem Vormarsch. 2017 hat es demnach keine Probleme mit Mumps, Röteln oder Diphtherie und auch nicht mit Tetanus gegeben. „Windpocken haben wir immer wieder in Potsdam, aber im Jahresvergleich und Abgleich mit dem Robert-Koch-Institut im Rahmen der üblichen Erkrankungszahlen.“

Was beim Blick in den Potsdamer Gesundheitsatlas auffällt, ist die ungleichmäßige Verteilung der Impfraten. Diese sind Am Stern, in Drewitz, im Kirchsteigfeld und in Waldstadt I am höchsten und in der Brandenburger Vorstadt am niedrigsten. Ein Erklärungsversuch: „Die Erfahrung zeigt, dass bei höheren Bildungsschichten und höherer Akademisierung die Kritik beziehungsweise die Ablehnung von Impfungen zunimmt“, so Böhm. Auch die Früherkennungsuntersuchungen für Kinder bis zum 6. Lebensjahr beeinflussen offenbar die Haltung zum Impfen: „Sobald die Kinder nicht mehr im Rahmen der U-Untersuchung gesehen werden, geraten Impfungen oftmals – einfach nur – in Vergessenheit, sofern keine regelmäßigen Besuche beim Kinderarzt stattfinden“, sagt Böhm. „Die Kinder werden dann von uns erst wieder in der Regel der 10.-Klassen-Untersuchung gesehen. Im Rahmen dieser Untersuchung schließen wir dann Impflücken, sofern das Einverständnis der Eltern vorliegt.“

Laut Böhm unternimmt die Stadt einiges, um Eltern zum Impfen zu animieren. So checkt das Gesundheitsamt die Kinder zur Schuleingangs- und Schulabgangsuntersuchung durch und schaut sich dabei auch den Impfstatus an. „Wir sprechen Empfehlungen aus“, sagt Böhm. „Da es aber keine Impfpflicht gibt, liegt die Umsetzung im Ermessen der Eltern.“ Das Gesundheitsamt berät zudem Kitas, Horte und Schulen, informiert bei Events wie den Schülergesundheits- und den Jugendfilmtagen und arbeitet mit den niedergelassenen Kinderärzten zusammen. Es führt außerdem Impfungen in den Gemeinschaftseinrichtungen durch. Die Geflüchteten sind laut Böhm „ausgesprochen impfzugewandt“: Die Impfsprechstunden in den Gemeinschaftunterkünften werden gut angenommen.

Masern – mehr als eine Kinderkrankheit

Masern werden durch Viren ausgelöst, kommen weltweit vor und sind extrem ansteckend. Jeder, der nicht geimpft ist oder noch keine Masern hatte, kann sich anstecken – auch Erwachsene. Bei jedem zehnten Erkrankten treten Komplikationen auf. Dabei sind schwere Krankheitsverläufe möglich, selten auch Todesfälle.

Masern-Viren werden von Mensch zu Mensch übertragen. Nahezu jeder Kontakt zwischen einem Ungeschützten und einem Erkrankten führt zur Ansteckung, auch aus einigen Metern Entfernung. Beim Husten, Niesen, Sprechen können sich die Erreger in Speichel-Tröpfchen über die Luft verbreiten und eingeatmet werden.

Die Masern-Impfung wurde in den 1970ern eingeführt. Meist wird in Kombination mit Mumps und Röteln geimpft. Dabei geht es nicht nur um die eigene Gesundheit, sondern auch darum, die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Laut Experten ist dies möglich, wenn 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. nf

Von Nadine Fabian

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